Politik

Keine Waffenruhe in Sicht Israel fliegt "bisher schwerste Luftangriffe"

Es ist die siebte Nacht in Folge, in der Raketen aus Gaza in Richtung Israel fliegen. Die Armee reagiert mit weiteren massiven Luftangriffen auf Ziele der Hamas. Das Ausland bemüht sich um Deeskalation, doch die Konfliktparteien wollen ihre Machtprobe fortsetzen.

Trotz internationaler Bemühungen um eine Waffenruhe dauert der Konflikt zwischen Israel und militanten Palästinensern aus dem Gazastreifen an. Auch in der Nacht auf Montag griff Israels Militär nach eigenen Angaben großflächig Ziele in dem Küstengebiet an. So beschoss die Armee Häuser von neun hochrangigen Hamas-Kommandeuren. Einige seien auch als Waffenlager genutzt worden, hieß es. Aus Gaza flogen Raketen auf angrenzende Gebiete in Israel.

"Unsere Kampagne gegen die Terrororganisationen wird mit voller Wucht fortgesetzt", erklärte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Sonntag. Die Armee habe bislang mehr als 1500 Ziele im Gazastreifen attackiert. Der Einsatz "werde noch einige Zeit dauern". Von palästinensischer Seite hieß es, es seien die bisher schwersten Luftangriffe in dem dicht besiedelten Küstengebiet gewesen. Nach massiven Raketenangriffen aus dem Gazastreifen auch auf die Metropole Tel Aviv attackierte Israels Luftwaffe am Wochenende wichtige Führungsleute der Hamas. Angegriffen wurde unter anderem das Haus des dortigen Chefs der islamistischen Palästinensergruppe, Jihia al-Sinwar.

Angesichts der zunehmenden Gewalt mit vielen Toten beriet sich US-Außenminister Antony Blinken am Sonntag mit seinem saudischen Amtskollegen Faisal bin Farhan al-Saud. Nach Angaben des US-Außenministeriums ging es dabei vor allem um die fortlaufenden Bemühungen, die Spannungen in Israel, im Westjordanland und im Gazastreifen abzubauen und die Gewalt zu beenden. Die Versuche internationaler Vermittler, eine Waffenruhe zu erzielen, blieben bislang erfolglos. UN-Generalsekretär António Guterres warnte bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats in New York vor unkontrollierbaren Folgen des Konflikts für den gesamten Nahen Osten.

Hamas hat mehr Potenzial als früher

Israels Luftwaffe zerstörte am Wochenende auch ein Hochhaus mit Büros von Medienunternehmen im Gazastreifen. Die Bewohner wurden zuvor telefonisch gewarnt. Die Nachrichtenagentur AP verlor ihre Büros in Gaza und zeigte sich entsetzt, Journalistenverbände protestierten. In dem Hochhaus sei ein Geheimdienstbüro der Hamas untergebracht gewesen, das Angriffe auf israelische Zivilisten organisiert habe, rechtfertigte Netanjahu im US-Sender CBS das Vorgehen. Es sei also "ein völlig legitimes Ziel" gewesen.

Seit Beginn der Eskalation am Montag vergangener Woche wurden nach Angaben der israelischen Armee mindestens 3100 Raketen auf Israel abgefeuert. Die Intensität des Beschusses sei so hoch wie nie zuvor in einem Konflikt mit der islamistischen Hamas. Seit der gewaltsamen Machtübernahme der Palästinenserorganisation im Gazastreifen 2007 haben sich Israel und die Hamas bereits drei Kriege geliefert.

Im Gazastreifen wurden nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums seit Montagabend fast 200 Menschen getötet. Allein in der Nacht auf Sonntag kamen demnach bei Angriffen der israelischen Armee auf Häuser in dem Küstengebiet 42 Palästinenser ums Leben. In Israel starben Rettungskräften zufolge durch den Raketenbeschuss seit Montagabend zehn Menschen.

Auseinandersetzungen auch in israelischen Städten

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Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern hatte sich während des muslimischen Fastenmonats Ramadan und nach der Absage der palästinensischen Parlamentswahl fortlaufend zugespitzt. Als Auslöser gelten unter anderem Polizeiabsperrungen in der Jerusalemer Altstadt, die viele junge Palästinenser als Demütigung empfanden. Hinzu kamen drohende Zwangsräumungen für palästinensische Familien im Jerusalemer Viertel Scheich Dscharrah und heftige Zusammenstöße auf dem Tempelberg (Al-Haram al-Scharif) in der Altstadt von Jerusalem. Die Anlage mit Felsendom und Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam - und sie ist auch Juden heilig, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen. Die Hamas hat sich zum Verteidiger Jerusalems erklärt.

Auch im Westjordanland gab es schwere Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften, mehrere Menschen starben. In mehreren Städten im israelischen Kernland kam es erneut zu Auseinandersetzungen zwischen Juden und arabischen Israelis. In Jerusalem wurden sechs Polizisten verletzt, als ein Fahrer sie mit einem Auto rammte. Zur Identität des Fahrers machte die Polizei zunächst keine Angaben, er sei "neutralisiert" worden. Der jüngste Konflikt eskalierte während des Versuchs zur Bildung einer Regierung in Israel. Der bisherige Oppositionsführer Jair Lapid warf Netanjahu vor, den Konflikt dafür zu nutzen, um seinen Verbleib im Amt zu sichern. Der Ministerpräsident widersprach. Ihm war es zuvor nicht gelungen, eine Mehrheit für eine Koalition zu schmieden, sodass der Auftrag zur Regierungsbildung Lapid zufiel.

Quelle: ntv.de, ino/dpa

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