Politik

Deutsche Werft liefert "Geheimwaffe" Israel hofft auf Super-U-Boot

Die Kieler Altstadt wird zum Pilgerort für Geheimagenten: Am Kai der Howaldtswerke gegenüber gibt es seit Kurzem das wohl modernste U-Boot der Welt zu bestaunen. Gerüchte um Raketenschächte für Atomwaffen machen die Runde. Der Hersteller schweigt. Die Hafenpolizei fährt verstärkt Streife. Das Boot ist für Israel bestimmt.

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Erste Bilder nach dem Stapelhub: Das U-Boot der vergrößerten Dolphin-Klasse 212 A dümpelt friedlich im Wasser der Kieler Förde.

(Foto: dpa)

Das mit 68 Metern Länge größte U-Boot, das nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland gebaut wurde, soll bislang unbestätigten Angaben zufolge noch in diesem Jahr an Israel ausgeliefert werden. Das U-Boot wurde am Gelände der Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW) in Kiel zu Wasser gelassen und ist damit erstmals öffentlich zu sehen.

Polizeiboote überwachten mit Kontrollfahrten den Hafenabschnitt. Bis das politisch brisante Exportprodukt in See stechen darf, dürften noch einige Monate vergehen. Erste Probefahrten sollen voraussichtlich erst im kommenden Herbst stattfinden. Der Konzern Thyssen Krupp Marine Systems, zu dem die Werft gehört, machte auf Anfrage wegen vertraglicher Verschwiegenheitspflichten keinerlei Angaben.

Dem Vernehmen nach handelt es sich bei dem Schiff für Israel um das erste U-Boot aus der zweiten Generation der Dolphin-Klasse. Das mit einem kombinierten Antriebssystem ausgerüstete Boot gehört zu den weltweit modernsten Systemen seiner Art. Der künftige Kommandant kann bei voller Fahrt an der Wasseroberfläche zwischen dem Dieselmotor und einem Elektromotor wählen.

Unter Wasser fährt das Boot rein elektrisch: Anders als bei herkömmlichen Booten speist sich seine Energie nicht aus Batterien, sondern aus Brennstoffzellen. Das erhöht die Reichweite und macht den gesamten Antrieb unabhängig vom Luftsauerstoff. Früher mussten U-Boote regelmäßig auftauchen, um ihre in der Unterwasserfahrt entleerten Batterien mit der Kraft der Verbrennungsmotoren wieder aufzuladen.

Boot Nr. 1 von 3

Der U-Boot-Auftrag aus Israel weckt das Interesse von Militärs und Geheimdienstler in aller Welt. Angesichts der Spannungen zwischen Israel und dem Iran dürfte die Ausstattung des Schiffes viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Angeblich soll das Boot auch über die Kapazitäten verfügen, Atomwaffen einsetzen zu können. Diese Frage hat erhebliche Tragweite: Bislang hat Israel nie offiziell zugegeben, über eigene Kernwaffen zu verfügen.

Der Hersteller übt sich - wie nicht anders zu erwarten - in Diskretion: Auch zu weiteren Berichten, wonach das Boot schwerer zu orten sei als ein U-Boot mit reinem Dieselantrieb, lehnte eine Sprecherin von Thyssen Krupp Marine Systems jede Stellungnahme ab. Entscheidend für die Ortung dürfte ohnehin eher Merkmale wie eine spezielle Beschichtung an der Außenhaut sein. In den "Kieler Nachrichten" war von Israels neuer "Geheimwaffe" die Rede.

Um die Jahrtausendwende hatte Israel bereits drei Boote der Dolphin-Klasse erhalten. Im Bau sind zurzeit zwei Exemplare der neuen Generation; das zweite Boot solle 2013 ausgeliefert werden, hieß es. Inzwischen haben Deutschland und Israel die Lieferung eines weiteren U-Bootes vereinbart.

Die Produktion von Hightech-Waffen für den Export sichert der deutschen Wirtschaft gerade in strukturschwachen Regionen wichtige Arbeitsplätze. Laut örtlichen Medien sind bei HDW etwa 2000 Mitarbeiter für die kommenden Jahre ausgelastet. Der Preis pro Boot lag zur Auftragsvergabe bei rund 550 Mio. Euro. Die Bundesregierung subventioniert den Verkauf des dritten Bootes der neuen Generation mit maximal 135 Mio. Euro.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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23.04.09