Politik
Freitag, 12. März 2010

48-stündige Blockade: Israel riegelt Westjordanland ab

Israel hat vor dem traditionellen Freitagsgebet auf dem Tempelberg in Jerusalem das Westjordanland abgeriegelt. Die Sperre gelte bis zur Nacht zum Sonntag, teilte die Armee mit. Von der Regelung ausgenommen seien unter anderem Personen, die medizinische Hilfe benötigen, 550 Lehrer sowie der Warenverkehr. Um Unruhen im arabischen Ostteil Jerusalems zu verhindern, seien darüber hinaus mehrere hundert Sicherheitskräfte zusätzlich im Einsatz, sagte Polizeisprecher Mickey Rosenfeld.

Ein Palästinenser protestiert gegen den Schutzzaun, den Israel im Westjordanland errichtet hat.
Ein Palästinenser protestiert gegen den Schutzzaun, den Israel im Westjordanland errichtet hat.(Foto: dpa)

Normalerweise riegelt Israel aus Sorge vor Anschlägen das Westjordanland nur vor jüdischen Feiertagen ab. In den vergangenen Wochen war es jedoch immer wieder zu Krawallen zwischen Muslimen und israelischen Sicherheitskräften auf dem Tempelberg in der Altstadt von Jerusalem gekommen. Israel gestattet daraufhin nur noch muslimischen Männern, die älter als 50 Jahre alt sind, den Zugang zu der heiligen Stätte. Die Palästinenser sehen darin einen Verstoß gegen die Religionsfreiheit.

Der Tempelberg (Haram al-Scharif) mit dem Felsendom und der Al-Aqsa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam. Die unter dem Felsenbergplateau gelegene Klagemauer ist heute der heiligste Ort im Judentum. Die israelische Regierung hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, dass sie die freie Religionsausübung in Jerusalem garantieren wolle.

Raketen und Luftangriffe

Derweil sind bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen nach Augenzeugenberichten mehrere Palästinenser verletzt worden. Wie die israelische Armee mitteilte, beschossen Kampfflugzeuge zwei Ziele im Süden des Gazastreifens, nachdem von dort zuvor eine Rakete auf einen Kibbuz im Süden Israels abgefeuert worden sei. Augenzeugen berichteten von mehreren Verletzten, konnten zunächst aber keine näheren Angaben zum Zustand der Opfer machen. Nach palästinensischen Angaben gab es lediglich Sachschäden, Menschen seien nicht verletzt worden.

Nach Angaben der israelischen Armee beschoss die Luftwaffe in Rafah an der Grenze zu Ägypten mehrere Schmugglertunnel und in der Stadt Chan Junis einen metallverarbeitenden Betrieb. Bei dem Raketeneinschlag in dem Kibbuz wurde demnach niemand verletzt. Es war seit einen Monat die erste Rakete, die vom Gazastreifen auf israelisches Gebiet abgefeuert wurde. Nach Angaben der israelischen Regierung schossen militante Palästinenser seit dem Ende der Gaza-Offensive vor gut einem Jahr mehr als 200 Raketen und Mörsergranaten in Richtung Israel.

Quelle: n-tv.de