Politik

Netanjahu:"Diplomatischer Horizont" Israel tötet drei ranghohe Hamas-Militärs

Israel geht weiter gezielt gegen führende Köpfe der Hamas vor. Bei einem Luftangriff tötet die Armee drei Kommandeure der Kassam-Brigaden. Derweil deutet sich an, dass es Israel auf diplomatischem Weg auf einen neuen Versuch zu Frieden ankommen lassen will.

Bei israelischen Luftangriffen auf den Gazastreifen sind nach Angaben der Hamas drei ranghohe Anführer des militärischen Arms der radikalislamischen Palästinenserorganisation getötet worden. Es handle sich um Mohammed Abu Schamala, Raed al-Atar und Mohammed Barhum, teilten die Essedin-al-Kassam-Brigaden mit. Sie wurden demnach am frühen Morgen bei einem Angriff auf Rafah im Süden des Gazastreifens getötet.

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Nach Tagen der Verhandlungen flammt die Gewalt im Gazastreifen wieder auf.

(Foto: REUTERS)

Rettungskräfte teilten mit, bei der Attacke seien mindestens sieben Palästinenser getötet worden. Nach Angaben von Augenzeugen wurde ein vierstöckiges Gebäude durch heftigen Beschuss vollständig zerstört. Ein weiterer Palästinenser wurde demnach bei einem Angriff auf das Flüchtlingslager Nusseirat im zentralen Gazastreifen getötet.

Israel hatte seine Luftangriffe im Gazastreifen wieder aufgenommen, nachdem eine bis zur Nacht auf Mittwoch befristete Feuerpause schon Stunden vorher durch Raketenangriffe aus dem Küstengebiet gebrochen worden war. Wegen der Angriffe zog Israel seine Delegation von den Waffenstillstandsgesprächen in Kairo ab. Auch die meisten palästinensischen Delegierten reisten ab.

Ist Mohammed Deif tot?

Derweil gibt es neue Hoffnungen auf eine friedliche Lösung des Konflikts. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte: "Wer sagt, dass wir den Frieden aufgegeben haben?" Er kündigte einen "neuen diplomatischen Horizont" an, ohne sich zu Einzelheiten zu äußern. Zugleich bezeichnete Netanjahu militärische Hamas-Führer als "legitimes Ziel". Israel bestätigte den Versuch, am Vortag Hamas-Militärchef Mohammed Deif zu töten.

Ob Mohammed Deif tatsächlich getroffen wurde, ist immer noch unklar. Bei dem Luftangriff kamen aber Deifs 27-jährige Frau und sein sieben Monate altes Kind sowie zwei weitere Menschen ums Leben. Der amerikanische Nachrichtensender Fox News berichtete unter Berufung auf israelische Geheimdienstquellen, auch Mohammed Deif sei wohl getötet worden. Hingegen betonten eine von Deifs Schwestern und seine Schwiegermutter in Gaza, er sei am Leben. Auch die Hamas dementierte den Tod Deifs. Das Gesundheitsministerium in Gaza bezeichnete eine Todesurkunde mit dem Namen Deifs von einem Krankenhaus als Fälschung, berichtet die "Jerusalem Post". Der Hamas-Funktionär Mussa Abu Marsuk nannte den Angriff ein "Verbrechen".

Deif ist in Gaza einer der wichtigsten Drahtzieher, er hat schon mehrere Attentate durch Israel überlebt. Israel wirft ihm vor, er dirigiere den Gaza-Krieg aus dem Untergrund. Israel hatte in der Vergangenheit immer wieder politische und militärische Führer der Hamas gezielt getötet. Der spirituelle Führer Ahmed Jassin, der an einen Rollstuhl gefesselt war, kam 2004 bei einem Luftangriff Israels ums Leben. Später tötete Israel auch dessen Nachfolger Abdel Asis Rantisi und 2012 den Hamas-Militärchef Ahmed Dschabari.

Quelle: n-tv.de, jog/nsc/AFP/dpa

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