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Tausch gegen 19 Frauen Israel zeigt Schalit-Video

LONX106_PALESTINIANS-ISRAEL-_1002_11.JPG1637622432842675861.jpgIsrael hat 19 Palästinenserinnen aus der Haft entlassen und im Gegenzug ein Video des vor drei Jahren von der Hamas entführten Soldaten Gilad Schalit erhalten. Der israelische Fernsehsender Channel 2 veröffentlichte den Film.

Zu Beginn der Aufzeichnung lächelt Schalit. Er hält die palästinensische Zeitung "Al-Filistin" vom 14. September 2009 in der Hand. Schalit wirkt entspannt. Er sieht dünn aus, trägt eine grüne Uniform, ist rasiert und trägt eine Kurzhaarfrisur.

Mehrmals lächelt Schalit oder unterdrückt ein Lächeln. Den Text liest er von einem Papier ab, dass er hinter der Zeitung hält. "Ich möchte meine Familie grüßen und ihnen sagen, dass ich sie liebe und vermisse und den Tag herbeisehne, an dem ich sie wiedersehe." Er fühle sich gut und werde von den Al-Kassam-Brigaden "sehr gut behandelt". Die Al-Kassam-Brigaden sind der bewaffnete Arm der Hamas.

Israel und der NahostkonfliktLONX100_PALESTINIANS-ISRAEL-_1002_11.JPG4743388351846415971.jpgAm Ende des Videos steht er auf und läuft - als Zeichen, dass er nicht verletzt ist. Der Fortschritt in den jahrelangen Bemühungen um eine Freilassung Schalits geht auf einen Vorschlag von deutschen und ägyptischen Vermittlern zurück.

Die DVD mit den ersten aktuellen Bildern Schalits seit seiner Entführung im Juni 2006. Schalits Vater, Noam Schalit, äußerte sich zurückhaltend: "Das ist ein erster Schritt." Auf die Frage, ob er jetzt optimistisch sei, entgegnete er: "Nicht besonders."

Im Juni 2006 verschleppt

Der inzwischen 23 Jahre alte Schalit war im Juni 2006 von der Hamas und zwei weiteren Palästinensergruppen in den Gazastreifen verschleppt worden. Der jüngste Deal zwischen Israel und der Hamas bedeutet einen ersten Durchbruch in den seit drei Jahren laufenden, zähen Verhandlungen. Ägypten hat bereits seit 2006 eine Vermittlerrolle inne, im Juli schalteten sich deutsche Vermittler ein.

MIDEAST_ISRAEL_PALESTINIANS_JRL101.jpg1559786412796390600.jpgDie Hamas fordert im Austausch für Schalit die Freilassung von insgesamt 450 palästinensischen Gefangenen. Israel lehnte dies bisher mit der Begründung ab, die meisten der Gefangenen seien in Anschläge verwickelt, bei denen Israelis getötet worden seien.

BND half bei Vermittlungen

Der Austausch war von einem deutschen Vermittler eingefädelt worden, dessen Identität in Israel nicht offengelegt werden darf. Die "Jerusalem Post" berichtete am Donnerstag von einem Vermittlungsteam unter Leitung des BND-Präsidenten Ernst Uhrlau. Ein Sprecher der deutschen Botschaft in Tel Aviv sagte, die Angelegenheit sei streng geheim, man wolle sich dazu nicht äußern.

Der BND hat große Erfahrung mit der Vermittlung zwischen Israel und militanten Gruppierungen. Zuletzt hatte der ehemalige BND-Mitarbeiter Gerhard Konrad im vergangenen Jahr einen Gefangenenaustausch zwischen der libanesischen Hisbollah-Miliz und Israel ausgehandelt.

Die 19 Palästinenserinnen wurden am Freitagmorgen zunächst aus dem israelischen Frauengefängnis Hascharon im Landesinneren entlassen. 18 von ihnen wurden ins Westjordanland gefahren, eine nach Aschkelon in Südisrael, von wo aus sie später an den Grenzübergang Eres zum Gazastreifen gebracht wurde. Israels Generalstabschef Gabi Aschkenasi prüfte zunächst das Video, bevor Israel grünes Licht für die endgültige Freilassung der Frauen gab.

Aus israelischen Regierungskreisen hieß es, alle Frauen hätten ohnehin innerhalb der kommenden beiden Jahre freigelassen werden sollen. Keine von ihnen sei für israelische Todesopfer verantwortlich. Die palästinensische Autonomiebehörde in Ramallah im Westjordanland und die im Gazastreifen herrschende Hamas bezeichneten die Freilassung der Frauen als "Sieg".

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa/rts

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