Politik

Krieg nein, Bombardierung ja Israels Drahtseilakt mit Syrien

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Israelischer A-4-Jet.

(Foto: Reuters)

Auf der einen Seite bombardiert Israel Ziele in Syrien. Auf der anderen Seite will das Land auf keinen Fall in den unübersichtlichen Bürgerkrieg hineingezogen werden. Wie lange lässt sich Assad die Provokation gefallen?

Schon zum dritten Mal in diesem Jahr bombardiert die israelische Luftwaffe ein Ziel nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus. Doch der Angriff in der Nacht zum Sonntag ist bisher mit Abstand der heftigste: Anwohner berichten von grellen Lichtblitzen und starken Druckwellen. Mit den Luftangriffen verfolgt Israel nach Medienberichten eine ganz klare Absicht: Die Lieferung iranischer Raketen an die feindliche libanesische Hisbollah-Miliz soll verhindert werden.

Israel hat keinerlei Ambitionen, sich darüber hinaus in den blutigen Syrienkrieg einzumischen. Doch mit den massiven Luftangriffen im Herzen des nördlichen Nachbarlands riskiert es trotzdem eine gefährliche Zuspitzung der explosiven Lage in der Region. Ein israelischer Radiokommentator sprach am Sonntag von der "größten Kriegshandlung zwischen Israel und Syrien seit dem Jom-Kippur-Krieg von 1973".

Israel und sein Erzfeind Iran lieferten sich inzwischen einen "offenen Kampf" auf syrischem Gebiet, meinte der Kommentator. Teheran benutzt Syrien schon seit Jahren als Transitland für Waffenlieferungen an die Hisbollah. Israels größte Sorge ist es, in den Kriegswirren und angesichts der zunehmenden Destabilisierung des Regimes von Baschar al-Assad könnten gefährliche Chemiewaffen in die Hände der Hisbollah gelangen. Diese Waffen werden als "Game changer" angesehen – sie würden das militärische Kräfteverhältnis zwischen den Kontrahenten grundlegend verändern.

"Tickende Bombe"

Doch auch die Lieferung anderer, konventioneller Waffen gilt für Israel als "rote Linie", die nicht überschritten werden darf. Die jüngsten Luftangriffe auf ein Armeezentrum nördlich von Damaskus zielten nach Angaben des israelischen Rundfunks auf einen Konvoi mit iranischen Raketen des Typs Fateh-110 für die Hisbollah. Sie gelten als zielsicher und haben eine Reichweite von etwa 300 Kilometern – könnten vom Libanon aus also israelisches Gebiet erreichen. Israel betrachtet solche Waffenlieferungen als "tickende Bombe", die gestoppt werden muss. Raketen des Typs Fateh-110 können etwa eine halbe Tonne Sprengstoff tragen.

Israels ehemaliger Verteidigungsminister und Ex-Generalstabschef Schaul Mofas sagte, der Angriff sende eine Botschaft an alle Feinde Israels, nicht nur den Iran. Hisbollah versuche mit dem Zusammenbruch der Strukturen in Syrien seine Machtposition in der Region auszuweiten und der Iran helfe der libanesischen Miliz dabei.

Rote Linien durchsetzen

Der Syrien-Experte Eyal Zisser sagte, Assad verstehe durchaus, dass die israelischen Angriffe gegen Iran und Hisbollah und nicht gegen Syrien gerichtet seien. "Im Moment ist die Tendenz aller Beteiligten, die Lage zu beruhigen – aber es ist nicht klar, wie lange sich dies aufrechterhalten lässt." Die Waffenlieferungen an Hisbollah erfolgten seit Jahren mit syrischer Zustimmung. Mit den Luftangriffen seit Januar habe Israel jedoch de facto eine "effektive Blockade" gegen Hisbollah verhängt.

Doch es bleibt ein gefährliches Vabanquespiel. "Israel vollzieht einen Drahtseilakt", schrieb ein Kommentator der Zeitung "Haaretz". "Es versucht, seine roten Linien durchzusetzen, ohne den internen syrischen Krieg in einen bewaffneten Konflikt zwischen sich und dem Assad-Regime zu verwandeln." Israel müsse sich davor hüten, "sich in das syrische Durcheinander hineinziehen zu lassen".

Quelle: n-tv.de, Sara Lemel, dpa

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