Politik

Sieben Prozent ohne Abschluss Jugendliche brechen häufiger die Schule ab

98114324.jpg

(Foto: picture alliance / Peter Steffen)

Immer mehr Schüler verlassen die Schule ohne einen Abschluss, das zeigen Zahlen der Caritas für das Jahr 2017. Mehr als 52.000 Jugendliche, also fast 7 Prozent, brechen die Schule vorzeitig ab. In einem Bundesland sind es besonders viele.

Mehr als 52.000 Jugendliche haben nach Zahlen der Caritas im Jahr 2017 die Schule ohne Abschluss beendet. Das waren 5000 mehr als bei der letzten Auswertung durch die katholische Hilfsorganisation für das Jahr 2015. Die Quote der Schulabgänger, die nicht mindestens einen Hauptschulabschluss hatten, stieg damit 2017 bundesweit um einen Prozentpunkt auf 6,9 Prozent und liegt auf demselben Niveau wie vor zehn Jahren.

An erster Stelle steht dabei im Ländervergleich Berlin. Dort beendeten 11,7 Prozent der Schüler die Schule ohne Abschluss. Auf Berlin folgt Sachsen-Anhalt: Dort brachen 10,3 Prozent der Schüler die Schule ab. Am niedrigsten ist die Quote in Hessen, wo nur 5,4 Prozent keinen Abschluss machten. Auch in Hamburg ist die Abbrecher-Quote mit 5,9 Prozent vergleichsweise niedrig, ebenso in Bayern: Dort lag sie bei 6 Prozent.

"Die weiter hohe Zahl junger Menschen, die ohne Abschluss ihre Schullaufbahn beenden, macht uns große Sorgen", erklärte Eva Maria Welskop-Deffaa vom Vorstand des Deutschen Caritasverbandes. Viele der Betroffenen sehe man in den darauffolgenden Jahren wieder - "beispielsweise in der Allgemeinen Sozialberatung, in der Schwangerenberatung, oder aber in der Schuldnerberatung".

Geflüchtete können nicht sofort in Schule

Ein Grund für den Anstieg der Zahlen sei auch die Zuwanderung. Denn für viele zugewanderte Jugendliche sei es schwer, gleichzeitig eine neue Sprache zu lernen und einen Schulabschluss zu erzielen. Auch sei die schulische Vorbildung der Jugendlichen sehr unterschiedlich. "Hinzu kommt, dass insbesondere geflüchtete Kinder und Jugendliche meist nicht sofort einen Zugang zum deutschen Bildungssystem bekommen."

Es sei nötig, "die Bildungschancen derer zu verbessern, die eine zweite Chance brauchen", erklärte Welskop-Deffaa. Dazu bedürfe es unter anderem der Lernförderung, der Begleitung von schulmüden Jugendlichen und vielfältiger Beratungs- und Unterstützungsangebote für Zuwanderer.

In ihrer "Bildungschancen-Studie" richtet die Caritas nach eigenen Angaben den Blick auf junge Menschen, die kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Dafür werden die Daten der Abgänger ohne Schulabschluss bis auf die Kreisebene hinunter erfasst. Ausgewertet werden Zahlen der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder.

Die Grünen-Bildungsexpertin Margit Stumpp nannte die Studie einen "Weckruf". Sie forderte die Bundesregierung auf, sie solle "jetzt ein umfassendes Förderprogramm für Schulen in schwierigen Stadtteilen auf den Weg bringen". Geflüchtete müssten "schnell und unbürokratisch Zugang zu Ausbildung und Arbeitsmarkt" erhalten.

Quelle: n-tv.de, aeh/dpa/AFP

Mehr zum Thema