Politik

43-jähriger Dissident erschossen Kadyrow bezichtigt Geheimdienst des Mordes

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Ramsan Kadyrow regiert Tschetschenien seit 2007 autoritär.

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

Am Samstag wird bei Wien ein 43-jähriger tschetschenischer Dissident erschossen. Schnell fällt der Verdacht der Ermittler auf einen Auftragsmord, zwei Tschetschenen werden festgenommen. Nun weißt Machthaber Kadyrow jegliche Schuld von sich - und prangert ausländische Geheimdienste an.

Der tschetschenische Machthaber Ramsan Kadyrow hat ausländische Geheimdienste für den jüngsten Mord an einem tschetschenischen Dissidenten in Österreich verantwortlich gemacht. "Blogger, die im Namen des Pseudo-Patriotismus arbeiten, waren oder werden Opfer von Geheimdiensten sein, die gegen Russland und insbesondere gegen mich selbst arbeiten", erklärte Kadyrow im Online-Dienst Telegram. Er wies jegliche Verwicklung in den Fall zurück.

Kadyrow veröffentlichte ein Foto von sich selbst, das ihn lächelnd zeigt, und schrieb dazu, er habe Gerüchte über seine Beteiligung an der Ermordung des regierungskritischen Internetbloggers Mamichan Umarow, in Österreich unter Martin B. sowie auf der Internetplattform Youtube unter dem Pseudonym "Anzor aus Wien" bekannt, gehört. Er warf ausländischen Geheimdiensten vor, der tschetschenischen Regierung die Schuld zuschieben zu wollen, nannte jedoch keine konkreten Länder.

Die "korrupten Sprachrohre erhalten Geld für ihre Arbeit und werden dann als angeblich unschuldige Opfer" der tschetschenischen Regierung, die sie kritisierten, getötet, erklärte Kadyrow weiter. Er gab an, der vor einigen Monaten erstochene Dissident Imran Alijew sei ebenfalls von ausländischen Geheimdiensten getötet worden. Die unabhängige russische Zeitung "Nowaja Gaseta" schrieb, Umarow sei ein "persönlicher Feind" Kadyrows gewesen - sein Blog sei für die "Offenheit seines Autors" bekannt.

Verdächtige Tschetschenen festgenommen

In Gerasdorf bei Wien war der 43-jährige Dissident am Samstag erschossen worden. Die österreichische Polizei nahm in der Folge zwei verdächtige Tschetschenen in der Stadt Linz fest. Das Motiv für den Mord war laut Polizei zunächst unklar. Der Polizei zufolge hatte der getötete Kritiker der tschetschenischen Regierung Asyl beantragt.

Das ukrainische Innenministerium sagte der Nachrichtenagentur AFP, Umarow habe 2017 in der Ukraine in einem Fall ausgesagt, bei dem es um einen Schusswaffenangriff auf einen Mann ging, der die Ermordung von Kremlchef Wladimir Putin geplant hatte. Der Mann wurde bei dem Angriff in der Nähe von Kiew verletzt und seine Frau getötet.

Mehrere Angriffe auf Dissidenten

Der Fall lässt die Besorgnis über die Sicherheit von im Exil lebenden tschetschenischen Dissidenten weiter wachsen. Im Februar hatte der tschetschenische Blogger Tumso Abdurachmanow in seiner Wohnung in Schweden nur mit Mühe den Angriff eines Mannes mit einem Hammer abwehren können. Ein Russe und seine mutmaßliche Komplizin wurden festgenommen. Einen Monat zuvor wurde die Leiche des tschetschenischen Dissidenten Alijew mit 135 Stichwunden in einem Hotelzimmer der nordfranzösischen Stadt Lille gefunden.

In Westeuropa leben viele Emigranten aus der mehrheitlich muslimischen und zu Russland gehörenden Kaukasusrepublik. In den 90er-Jahren flüchteten sie vor zwei Kriegen mit Russland, in den vergangenen Jahren verließen viele aber vor allem wegen Machthaber Kadyrow ihre Heimat. Der 43-Jährige ist ein Verbündeter des Kreml, laut Menschenrechtsaktivisten hält er sich aber vor allem mit massiven Einschüchterungen von Gegnern, außergerichtlichen Tötungen und Entführungen an der Macht.

Quelle: ntv.de, ara/AFP