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43-Jähriger in Wien erschossen Wurde Russe Opfer eines Auftragsmordes?

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Laut Polizei hatte der Mann polizeilichen Personenschutz angeboten bekommen, aber abgelehnt.

(Foto: imago/imagebroker)

Der tschetschenische Präsident Kadyrow regiert autoritär, ihm wird vorgeworfen, politische Gegner auszuschalten. Nun prüft die österreichische Polizei, ob es Verbindungen zwischen der russischen Teilrepublik und der Ermordung eines 43-jährigen Tschetschenen bei Wien gibt.

Auf einen in Österreich erschossenen Asylbewerber aus Tschetschenien soll laut Medienberichten ein Kopfgeld ausgesetzt gewesen sein. Der 43-jährige russische Staatsbürger, der seit 2007 als Geflüchteter in Österreich lebte, wurde am Samstagabend auf offener Straße in Gerasdorf bei Wien von mehreren Schüssen getroffen. Die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete unter Berufung auf Quellen aus der tschetschenischen Gemeinschaft in Wien, dass dort Berichte über konkrete Mordaufträge kursierten. Laut Polizei hatte der Mann zuvor polizeilichen Personenschutz angeboten bekommen, aber abgelehnt. Das Tatmotiv sei für das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung noch nicht geklärt, teilte die Polizei mit.

Nach russischen Medienberichten galt das Opfer als Kritiker des Regimes in Tschetschenien, einer islamisch geprägten Teilrepublik im russischen Nordkaukasus. Der Mann soll immer wieder Kritik am tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow geäußert haben. Kritiker werfen Kadyrow, der seit 2006 regiert, unter anderem die brutale Ausschaltung politischer Gegner vor - auch im Ausland.

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In Wien wurde bereits 2009 ein geflohener Tschetschene auf offener Straße erschossen. Damals kam die Staatsanwaltschaft Wien zu dem Schluss, dass der Mann zumindest mit Billigung Kadyrows verschleppt werden sollte. Im Februar 2020 wurde ein tschetschenischer Blogger in einem Hotel im französischen Lille tot aufgefunden. Auch er soll sich mit Kritik an Kadyrow unbeliebt gemacht haben.

In Deutschland sorgte im Sommer 2019 ein Mord für Aufsehen, bei dem ein Tschetschene mit georgischer Staatsangehörigkeit im Berliner Tiergarten erschossen wurde. Die Bundesanwaltschaft geht nach monatelangen Ermittlungen davon aus, dass der Mord von der russischen Regierung in Auftrag gegeben wurde.

Quelle: ntv.de, tsi/dpa