Politik

Viel Leid, viele Tote, keine Sicherheit Karsai zieht verheerende Bilanz

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Karsai fordert eine Einigung mit den USA - anderenfalls gehe man getrennte Wege.

Der internationale Militäreinsatz in Afghanistan war nach Ansicht des afghanischen Präsidenten Karsai ein Flop. "Wir wollten Sicherheit und einen klar definierten Krieg gegen den Terror." Beides sei nicht erreicht worden. Stattdessen gebe es Unsicherheit und Gewalt.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat eine negative Bilanz des internationalen Militäreinsatzes in seinem Land gezogen. Der Nato-Einsatz habe Afghanistan "viel Leid gebracht, den Verlust zahlreicher Leben und keine Vorteile, denn das Land ist nicht sicher", sagte Karsai dem Rundfunksender BBC. "Wir wollten absolute Sicherheit und einen klar umrissenen Krieg gegen den Terrorismus."

Die ausländischen Kampftruppen in Afghanistan bereiten derzeit ihren Abzug vor, der bis Ende 2014 abgeschlossen sein soll. Die Sicherheitsverantwortung soll nach und nach von afghanischen Kräften übernommen werden.

Am Sonntag übergab die Bundeswehr das Feldlager Kundus an die einheimische Polizei und Armee. Noch in diesem Monat sollen die letzten der derzeit noch rund 900 deutschen Soldaten aus Kundus abziehen. Der Bundeswehr-Einsatz kostete bislang 54 deutschen Soldaten das Leben, 35 davon fielen bei Angriffen und Anschlägen. Die meisten Gefallenen hatte die Bundeswehr in Kundus und in der Nachbarprovinz Baghlan zu beklagen.

Bereits am Montag war der Ehrenhain zum Gedenken an die Gefallenen in Kundus abgebaut worden. Deutsche Soldaten verluden den 2,3 Tonnen schweren Gedenkstein auf einen Lastwagen. Der Ehrenhain soll nach Potsdam gebracht werden.

Vereinbarung mit den USA noch unsicher

In den vergangenen Monaten hat sich die Sicherheitslage im Land zusehends verschlechtert. In der ersten Jahreshälfte wurden nach UN-Angaben mehr als tausend Zivilisten bei Kämpfen und Anschlägen getötet, deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum.

Afghanistan und die USA verhandeln seit längerem darüber, wie sie ihr Verhältnis nach dem Abzug der Nato-Kampftruppen gestalten sollen. Karsai dämpfte nun die Hoffnungen auf einen schnellen Abschluss der Sicherheitsvereinbarung. "Wenn diese Vereinbarung Afghanistan nicht Frieden und Sicherheit bringt, dann wollen die Afghanen sie nicht", sagte er. Wenn keine Einigung mit den USA erzielt werde, "dann werden wir natürlich getrennte Wege gehen".

Die USA hoffen, die Gespräche noch vor der Wahl von Karsais Nachfolger in einem halben Jahr zum Abschluss zu bringen. Es habe bereits Fortschritte gegeben, sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums. Die Verhandlungen seien jedoch "komplex".

Quelle: ntv.de, ppo/dpa

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