Politik

Müder Oppositionspolitiker scheut klare Worte Klitschko fehlt der Biss

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Ob das Gespräch mit der Bundeskanzlerin wohl befriedigend war? Klitschkos Mimik spricht Bände.

(Foto: dpa)

Kurz nach ihrem Gespräch mit der Kanzlerin geben Klitschko und sein Mitstreiter Jazenjuk eine mit Spannung erwartete Pressekonferenz. Doch statt konkret zu werden, dreschen die beiden ukrainischen Oppositionspolitiker nur weichgespülte Phrasen.

Vitali Klitschko sieht müde aus. Dunkle Augenringe zeichnen sein Gesicht, der Blick ist leer. Für die Kameras zwingt sich der ukrainische Oppositionspolitiker zu einem Lächeln, direkt danach rutschen seine Mundwinkel wieder auf Halbmast. "Wir haben über eine Stunde mit Frau Merkel gesprochen, um für die Ukraine Wege aus der Krise zu finden", sagt der Boxer. Müsste man die Ergebnisse von Klitschkos Audienz bei der Bundeskanzlerin anhand seiner Mimik erraten, sie fielen wohl ernüchternd aus.

Der Fraktionssaal der Union im Bundestag, in dem Klitschko und sein Mitstreiter von der Vaterlands-Partei, Arseni Jazenjuk, der wartenden Presse eine kurze Zusammenfassung ihres Berlin-Besuchs geben, platzt dennoch aus allen Nähten. Gesprochen wird dabei vor allem Russisch und Ukrainisch, das Interesse der deutschen Medien ist ob der Ereignislosigkeit auf dem Maidan in den vergangenen Wochen merklich abgeflaut.

Mit Stillstand, von jeher der größte Feind jeder Revolution, haben die beiden Politiker aber nicht nur auf Kiews Barrikaden zu kämpfen - auch beim Werben nach Unterstützung im Ausland tritt die Opposition auf der Stelle. Denn nichts von dem, was Klitschko und Jazenjuk zu berichten haben, ist neu: weder die Forderung nach Sanktionen noch die Hilfsgesuche an die EU und schon gar nicht die Ankündigung, "bis zum Sieg" kämpfen zu wollen.

Klitschko und Jazenjuk setzen auf Symbolik

An Relevanz fehlt es den gebetsmühlenartig vorgetragenen Botschaften schon seit Längerem, was vor allem daran liegt, dass Klitschko insbesondere seine Appelle an die Bundesregierung übervorsichtig formuliert. Besonders deutlich wird das bei Klitschkos zentraler Forderung nach einem aktiveren Eingreifen Deutschlands. "Wir sollten die Rolle Deutschlands nicht zu gering schätzen, insbesondere auch nicht die Rolle der Bundeskanzlerin, die eine der einflussreichsten politischen Persönlichkeiten in der Welt ist", sagt der Boxer. Deutlicher wird Klitschko nicht, den Rest müssen sich die Zuhörer dazu denken. Dass es derlei wachsweiche Aussagen nicht in die Schlagzeilen schaffen, verwundert nicht.

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Die Bundeskanzlerin posiert mit Vitali Klitschko und Arseni Jazenjuk für die Kameras.

(Foto: REUTERS)

Um wenigstens bei den einheimischen Medien im Gespräch zu bleiben, setzen beide Pol itiker daher auf Symbolik. Der Handvoll ukrainischer Kameras ist es geschuldet, dass Klitschko seine Ausführungen auf Ukrainisch hält; eine Sprache, in der er bis vor Kurzem nur radebrechen konnte - was ihn in den Augen vieler Westukrainer automatisch als fähigen Anführer disqualifizierte. Mittlerweile geht dem Politiker die ungewohnte Sprache erstaunlich flüssig über die Lippen. Auch wenn sein russischer Einschlag unüberhörbar ist, die Ansprache auf Ukrainisch soll den Demonstranten daheim klarmachen, dass er einer von ihnen ist.

Während Klitschko, um große Worte nicht verlegen, vordringlich einen Weg in die Herzen der Ukrainer sucht, will Jazenjuk durch pure Effizienz überzeugen. Weil die Zeit knapp sei - der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier empfängt die beiden Ukrainer direkt im Anschluss - wolle er den Weg über die Dolmetscherin sparen und auf Englisch referieren. Jazenjuk wird seinem Ruf als Intellektueller gerecht, geschliffen formuliert er in Punkten und Unterpunkten die Ziele der Proteste, bleibt dabei aber genauso vage wie Klitschko.

Anfangen, Klartext zu reden

Die Krux dabei ist, dass die beiden Oppositionellen sogar auf zielgerichtete Fragen á la "Was nehmen Sie Konkretes aus den Gesprächen mit Frau Merkel mit?" nur mit auswendig gelernten Allgemeinplätzen antworten. "Unsere europäischen Partner sind zur Unterstützung bereit" hört sich zwar wie eine Antwort an, ist aber in Wahrheit nur eine weichgespülte Phrase in bester Politikersprache. Das eifrige Kratzen der Kugelschreiber, bei einem Pressetermin von so hohem Stellenwert normalerweise ständiges Hintergrundgeräusch, verstummt im überfüllten Fraktionssaal bereits nach wenigen Minuten - die restliche Viertelstunde bietet schlichtweg kein neues Material, dass des Aufschreibens wert wäre.

Erst als die Begleiter der beiden Ukrainer zum Aufbruch drängen, kommt wieder Leben in Klitschko und Jazenjuk. Immerhin wartet mit dem deutschen Außenminister der nächste hochrangige Politiker auf die Oppositionellen. Wenn Klitschko und Jazenjuk nicht mit leeren Händen nach Kiew zurückfliegen wollen, müssen sie endlich anfangen, Klartext zu reden.

Quelle: ntv.de