Politik

Gedenken an Amoklauf in Winnenden Köhler für schärferes Waffenrecht

Ein Jahr nach dem Amoklauf von Winnenden hat Bundespräsident Horst Köhler weitere Beschränkungen für den Zugang zu Waffen sowie strengere Regeln für Medien gefordert. Bei der Gedenkfeier in Winnenden sagte er: "Es kann auch viel geschehen - noch mehr als bisher - damit gefährdete Menschen nicht an Schusswaffen gelangen und Schulen und ähnliche Orte noch besser vor Anschlägen geschützt sind."

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Der Amokläufer tötete 15 Menschen und sich selbst.

(Foto: REUTERS)

Um schwere Verbrechen wie Amokläufe künftig möglichst zu verhindern, seien auch die Medien gefordert, sagte Köhler: "Wir brauchen klar definierte Berichterstattungsregeln, die gemeinsam mit den Medien erarbeitet werden; wir brauchen einen medienübergreifenden Pressekodex im Geist der Prävention." Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass detaillierte Berichte über die Täter Nachahmer auf den Plan rufen.

Bosbach gegen Verschärfung

CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach wies dagegen Forderungen nach einer weiteren Verschärfung des Waffenrechts zurück. Dieses sei in den vergangenen zehn Jahren drei Mal erheblich verschärft worden, sagte Bosbach bei n-tv. Das Schießen mit Großkaliberwaffen sei inzwischen nur Volljährigen erlaubt. Diese Waffen könne man aber nicht generell aus der Hand von Privaten verbannen, da sie etwa bei der Jagd teilweise vorgeschrieben seien.

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Horst Köhler bei der Gedenkfeier in Winnenden.

(Foto: REUTERS)

Nach Ansicht von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann können auch stärkere Kontrollen von Waffenbesitzern allein Amokläufe nicht verhindern. Eine hundertprozentige Kontrolle von jedermann rund um die Uhr könne es nicht geben, sagte der CSU-Politiker im Bayerischen Rundfunk. Wer meine, einen Amoklauf allein durch Waffenkontrollen verhindern zu können, sei auf dem Holzweg.

Menschenkette durch die Schule

Am 11. März 2009 hatte ein 17-jähriger ehemaliger Schüler an der Albertville-Realschule acht Schülerinnen, einen Schüler und drei Lehrerinnen erschossen. Auf seiner Flucht tötete er drei weitere Menschen und sich selbst. Die Waffe hatte er unverschlossen im Schlafzimmer seiner Eltern gefunden.

Rund 900 Schüler, Lehrer und Hinterbliebene waren zum stillen Gedenken zusammengekommen. Sie trauerten in einer Halle gegenüber der Albertville-Realschule unter Ausschluss der Öffentlichkeit um die 15 Opfer der Bluttat. Nach Angaben eines Teilnehmers wurden auf einer Videoleinwand Bilder aus dem Leben der Opfer gezeigt und Gedichte vorgetragen.

Zum Zeitpunkt des Gewaltverbrechens vor einem Jahr um 9.33 Uhr bildeten die Trauernden eine Menschenkette an der Schule. Zugleich läuteten alle Kirchenglocken in Winnenden. In der Innenstadt verließen viele Menschen die Geschäfte und gesellten sich zu den Passanten, die auf den Straßen stehen blieben und im Gedenken verharrten.

"Weg in die Zukunft" bauen

Bei der zentralen Gedenkstunde mit dem Bundespräsidenten legten Schüler vor der Realschule Gedenkplatten und Blumen für die Opfer nieder. Zum Abschluss wollten Schüler, Politiker und andere Gäste mit großen Kieseln, auf die Wünsche geschrieben werden können, symbolisch einen "Weg in die Zukunft" bauen.

Baden-Württemberg ordnete für den ersten Jahrestag des Amoklaufs an öffentlichen Gebäuden Trauerbeflaggung an. Der Veranstaltungsort war weiträumig abgesperrt. 300 Polizisten waren im Einsatz, viele von ihnen in ziviler Kleidung.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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