Politik

Irans Präsident in den USA Leugnet Ruhani den Holocaust doch?

328674008F1DF011.jpg110401512885554721.jpg

(Foto: AP)

Mit einer Charme-Offensive in den USA überrascht Irans neuer Präsident Ruhani die Welt. Vor allem, dass er den Massenmord der Nazis an den Juden in einem Interview nicht leugnet, sorgt für Aufsehen. Eine iranische Nachrichtenagentur spricht jetzt allerdings von einem Übersetzungsfehler.

Irans neuer Präsident bezirzt die USA bei seinem Besuch der Vereinten Nationen in New York mit ungewohnten Tönen. In seiner Rede vor der Vollversammlung sagt Hassan Ruhani: "Ja zum Frieden, Nein zum Krieg." In einem Fernsehinterview spricht er Englisch und richtet sich direkt an die Bürger: "Ich bringe den Amerikanern Frieden und Freundschaft." Für das größte Aufsehen sorgt: Anders als sein Vorgänger Mahmud Ahmadinedschad leugnet er nicht den Holocaust. Ruhani sagt: "Jedes Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Geschichte, eingeschlossen das Verbrechen der Nazis gegen die Juden, ist verwerflich und verdammenswert." Und weiter: "Was auch immer sie den Juden angetan haben, wir verurteilen es. Die Tötung von Menschen ist verabscheuungswürdig." Ist das der große Wandel?

Einen Tag später sorgen ausgerechnet Ruhanis Worte zum Holocaust für einen Eklat. Nicht so sehr in den USA, sondern im Iran. Die halbstaatliche Nachrichtenagentur Fars wirft dem Fernsehsender CNN, der das Interview ausgestrahlt hat, Übersetzungsfehler vor. Fars zufolge fiel in dem Interview, in dem Ruhani überwiegend persisch sprach, nie das Wort "verdammenswert". Zudem habe Ruhani nicht vom "Holocaust" sondern von "geschichtlichen Ereignissen" gesprochen. CNN verweist darauf, dass sie sich auf einen Übersetzer verlassen haben, den die iranische Regierung gestellt hat.

Ob es sich tatsächlich um einen Übersetzungsfehler handelt, ist unklar. Gut möglich ist auch, dass die Nachrichtenagentur, die den iranischen Revolutionsgarden nahe steht, Propaganda betreibt. Fakt ist: Ruhani steht in seiner Heimat unter gewaltigem Druck.

Ruhani will die Hardliner nicht vergrätzen

Dass Ruhani Präsident wurde, haben selbst in Teheran wenige erwartet. Wie es dazu kommen konnte, ist bis heute ein Rätsel. Der Politiker mit dem Ruf des moderaten Führers leitete zumindest rhetorisch einen neuen versöhnlichen Kurs ein. Nach seiner Wahl forderte er eine "Mäßigung in der Außenpolitik" und verurteilte die anti-israelische "Hetze" seines Vorgängers. Und jetzt seine Charme-Offensive in den USA.

Auf der einen Seite setzt Ruhani offensichtlich auf eine Annäherung an den Westen. Eines seiner Ziele ist dabei, dass die USA, die Europäische Union und Andere ihre Sanktionen lockern und der Alltag für die iranische Bevölkerung wieder erträglicher wird. Auf der anderen Seite darf Ruhani sich aber nicht allzu rasch annähern, um Hardliner nicht zu vergrätzen. Zudem kann er sich nur in den Grenzen bewegen, die ihm die Religionsgelehrten rund um Irans geistlichen Führer Ajatollah Chamenei, aufzeigen. Chamenei gibt noch immer den Kurs in Teheran vor.

Selbst wenn Ruhani tatsächlich den Holocaust anerkannt und verurteilt haben sollte, ist ungewiss, ob seinen Worten auch eine entsprechende Politik folgt. Gut möglich, dass seine sanften Töne Teil einer Strategie sind, die auch Chamenei billigt. Davon zeigt sich zumindest die Führung Israels überzeugt, die wie keine Zweite das iranische Atomprogramm fürchtet. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nennt Ruhanis jüngste Auftitte "zynisch" und heuchlerisch. Er beschreibt Ruhani als "Wolf im Schafspelz".

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema