Brandanschlag gescheitertLitauen wirft Russland versuchten Anschlag auf Starlink-Anlage vor

Starlink spielt für die Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland eine zentrale Rolle. In mehreren europäischen Ländern geraten die Anlagen ins Visier mutmaßlicher Saboteure. Nun scheitert ein Brandanschlag auf Starlink-Ausrüstung in Litauen. Der Regierungschef hat einen Verdacht.
Litauens Ministerpräsident Mindaugas Sinkevicius hat einen versuchten Brandanschlag auf ein Unternehmen, das Starlink-Ausrüstung lagert, mit Russland in Verbindung gebracht. Es sei offensichtlich, dass es sich um einen versuchten Sabotageakt handle und Teil des hybriden Krieges Russlands sei, sagte der Regierungschef des baltischen EU- und Nato-Landes im litauischen Rundfunk. Ähnliche Aktionen seien in ganz Europa, darunter in Polen und Bulgarien, zu beobachten gewesen.
Sinkevicius hatte zuvor auf Facebook über den Vorfall informiert. Demnach sei in der Nacht versucht worden, eine litauische Firma in Brand zu setzen, in dem Ausrüstung für Anlagen des Satellitendienstes Starlink gelagert wird. Der Anschlag sei aber gescheitert, weil die Behörden das Unternehmen vor möglichen Angriffen gewarnt hatten und die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt worden seien, schrieb er.
Nach Angaben des litauischen Regierungschefs stellt das Unternehmen den Anschluss von neun Starlink-Antennen sicher, die von der Ukraine genutzt werden. "Gegen 2:00 Uhr wurde versucht, Satellitenantennen und eine Steuereinheit in Brand zu setzen. Es wurden Brandflüssigkeiten sowie Behälter mit einem Fassungsvermögen von drei bis zehn Litern gefunden", sagte Sinkevicius, der für Montag eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats einberief.
Auch Polen und Bulgarien betroffen
"Wir werden mehr darüber erfahren, wer den Befehl gegeben hat, wie alles ablief und wer ihn erteilt hat. Es ist wahrscheinlich, dass bereits bekannt ist, wer den Auftrag erteilt hat - es ist die russische Seite", sagte Sinkevicius. Er äußerte die Hoffnung, dass die an dem Brandanschlag beteiligten Personen bald festgenommen werden.
Verteidigungsminister Robertas Kaunas bestätigte die Informationen. Er betonte aber, dass er noch keine Einzelheiten nennen könne. "Der Vorfall ist unter Kontrolle und konnte verhindert werden, wird aber dennoch untersucht", sagte er einem Rundfunkbericht zufolge.
Anlagen des Satellitendienstes Starlink waren zuletzt wiederholt zu Zielen von Saboteuren geworden. Das Satellitennetz ist ein strategisch wichtiger Bestandteil der ukrainischen Verteidigung im Krieg gegen Russland. In Polen war es unter der Woche zu einem Feuer an einer Starlink-Bodenstation gekommen, hinter dem die Regierung in Warschau russische Geheimdienste vermutet. In Zusammenhang mit dem Vorfall wurden drei Wochen später mehrere Verdächtige in Deutschland festgenommen. Auch in Bulgarien sollen Starlink-Antennen vorsätzlich in Brand gesetzt worden sein.
Drohne im Norden Litauens abgestürzt
Das Satellitennetz von Elon Musks Unternehmen SpaceX spielt eine wichtige Rolle bei der Kommunikation der ukrainischen Streitkräfte an der Front. Nach Angaben aus Kiew ist das Satellitennetz auch für die Steuerung von Drohnen und für die Drohnenabwehr wichtig. Das System gliedert sich in den eigentlich zivilen Dienst Starlink und den militärischen Starshield. Zuletzt hatte Kiew eine Drosselung des Dienstes registriert, was den Angaben zufolge zahlreiche Angriffe vereitelt hatte.
Kaunas berichtete unterdessen auch vom Absturz einer Drohne im Norden des Landes, die am Morgen "von Polen aus in den litauischen Luftraum eingedrungen ist". Nach Behördenangaben traf sie ein fahrendes Auto, ohne dass Menschen verletzt wurden. Der Leiter des Nationalen Krisenmanagementzentrums erklärte, die Drohne sei womöglich aus der Ukraine gekommen. Dies sei die "wahrscheinlich glaubwürdigste Erklärung".
