Politik

Wikileaks-Dokumente über Russland Mafia-Verbindungen in den Kreml

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Putin wird mit der Mafia in Verbindung gebracht.

(Foto: dpa)

Die Zeit des Kalten Krieges ist vorbei, doch in den vertraulichen Wikileaks-Depeschen wird deutlich, dass Washington Moskau weiterhin zutiefst misstraut. Moskau sei eine Stadt in den Händen der "Kleptokratie", Russland "manchmal brutal und unabänderlich zynisch und korrupt".

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Moskau ist nicht erfreut über solche Einschätzungen.

(Foto: AP)

Ein mafiöser Staat, auf dessen Führung man wenig Hoffnung setzen kann. So beschreiben neue Unterlagen, die von Wikileaks veröffentlicht wurden, die Sicht der USA auf Russland. Moskau wird in Depeschen der US-Botschaft, aus denen die "Washington Post" zitierte, als eine Stadt in den Händen der "Kleptokratie" geschildert. Die Polizei, die Sicherheitsbehörden und die Behörden kassierten Schmiergelder, die immer weiter nach oben gereicht würden - teilweise bis in den Kreml. Die Einschätzung stammt aus einer Zeit, in der noch der inzwischen geschasste umstrittene Bürgermeister Juri Luschkow die Stadt regierte.

Trotz aller öffentlichen Bekundungen über ein verbessertes Verhältnis sehen die USA Russlands Führung anscheinend mit tiefer Skepsis. In einer Depesche, die vergangenes Jahr von der US-Botschaft in Moskau verfasst wurde, wird die Kooperation bei Angelegenheiten der Verteidigung zwischen den beiden Ländern zwar als nützlich beschrieben, diese würde aber durch "einen Mangel an russischer Transparenz und Wechselseitigkeit" behindert.

Wenig Transparenz

Dem Dokument zufolge sehen US-Diplomaten vor allem den Informationsaustausch mit Russland in der Verteidigungspolitik kritisch. So würde Russland den USA häufig den Einblick in Papiere von Lagebesprechungen verweigern und selten Besuche von Standorten außerhalb des Verteidigungsministeriums oder zu akademischen Institutionen mit einem Schwerpunkt auf Verteidigungsfragen gewähren.

Der "New York Times" zufolge beschreiben die Depeschen Russland mit "offenen und kühnen Worten" als "stark zentralisiert, manchmal brutal und unabänderlich zynisch und korrupt. Der Kreml bilde dabei "das Zentrum einer Konstellation offizieller und quasi-offizieller Gaunereien".

Mafia und Morde

Aus einem anderen US-Dokument geht laut der britischen Zeitung "Guardian" hervor, dass es sich nach Ansicht des spanischen Staatsanwaltes José Gonzalez bei Russland "quasi" um einen "Mafiastaat" handle, dessen Politiker "Hand in Hand" mit der organisierten Kriminalität kooperierten. Dem Dokument zufolge greifen russische Behörden auf die Mafia zurück, um bestimmte Handlungen vornehmen zu können, die Russland "korrekterweise nicht als Regierung" vornehmen könne.

Einer weiteren Depesche zufolge wusste Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin zudem von den Mordplänen an dem russischen Ex-Spion Alexander Litwinenko, der 2006 in London an einer Vergiftung starb.

Einer der Botschaftsberichte trage die Überschrift "Putins Arbeitsethik in Frage gestellt". Darin heißt es, es gebe stetige Berichte, nach denen der russische Ministerpräsident Putin über seine Arbeitsbelastung die Nase rümpfe.

Regierungschef Putin hatte bereits in einem CNN-Interview genommen. Sollte stimmen, dass US- Diplomaten ihn und Medwedew mit den Comic-Figuren Batman und seinen jungen Gehilfen Robin gleichsetzen würden, wäre dies "arrogant", sagte der Ex-Kremlchef. "Das dient nur dem Zweck, einen von uns zu kompromittieren."

Quelle: ntv.de, dpa/AFP