Politik

Abu-Salim-Massaker Massengrab in Tripolis entdeckt

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Nach dem Freitagsgebet in Tripolis.

(Foto: AP)

Die nach Algerien geflohene Gaddafi-Tochter Aischa wird von der Regierung in Algier für ihre öffentliche Sympathiebekundung für ihren Vater kritisiert. Die Regierung wolle solche Botschaften künftig verhindern. Derweil wird in Tripolis in der Nähe des berüchtigten Abu-Salim-Gefängnisses ein Massengrab mit rund 1200 Leichen gefunden.

Ermittler des libyschen Übergangsrates haben in der Hauptstadt Tripolis ein Massengrab mit mehr als 1200 Leichen aus dem Jahr 1996 gefunden. Bei den Getöteten handele es sich um Häftlinge aus dem Staatssicherheitsgefängnis Abu Salim, die im Juni 1996 von Schergen des Gaddafi-Systems niedergemetzelt worden seien, zitierten arabische Medien einen Sprecher des Übergangsrats.

Das Abu-Salim-Massaker war die grausame Vergeltung des Regimes von Ex-Machthaber Muammar Gaddafi für eine Häftlingsrevolte. Diese war wegen schlechter Haftbedingungen ausgebrochen. Angeordnet hatte das Blutbad der Geheimdienstchef Abdullah Senussi. Er ist wie Gaddafi und dessen Sohn Saif al-Islam untergetaucht. Sie sind bereits vom Strafgericht in Den Haag angeklagt worden.

Die Leichen der Opfer wurden nie an die Angehörigen übergeben. Menschenrechtler hatten stets vermutet, dass sie im Bereich des Gefängnisses verscharrt wurden.

Kritik an Aischa Gaddafi

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Aischa Gaddafi steht weiter zu ihrem Vater.

(Foto: AP)

Derweil gerät Aischa Gaddafi, die im algerischen Exil lebende Tochter des Ex-Diktators, mit ihren öffentlichen Sympathiebekundungen für ihren Vater in Schwierigkeiten. Diese Äußerungen seien "völlig inakzeptabel", wetterte der algerische Außenminister Mourad Medelci. Seine Regierung werde Maßnahmen ergreifen, um ähnliche Interviews künftig zu verhindern, zitierte ihn die staatliche Nachrichtenagentur APS. Die Gaddafi-Tochter hatte in einer Rundfunkbotschaft am Wochenende betont, ihr Vater sei bester Stimmung und zum Kampf entschlossen. Die neue Führung in Libyen bezeichnete sie in dem aus Damaskus sendenden Pro-Gaddafi-Sender Al-Rai als Verräter.

NATO begleitet Rebellenangriffe

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Der Kampf um Sirte hat schon vielen Rebellen das Leben gekostet.

(Foto: AP)

Im Ringen um die letzten Gaddafi-Bastionen haben sich am Wochenende die Truppen des Übergangsrates langsam vorangekämpft. Sie drangen erstmals in die Innenstadt von Sirte vor und lieferten sich dort schwere Gefechte mit den Gaddafi-Truppen. Aus "taktischen Gründen" habe man sich dann wieder zurückgezogen, zitierten arabische Fernsehsender Vertreter der Rebellen.

Die Truppen des Übergangsrates wurden bei ihrem Ansturm auf Sirte erneut von Kampfflugzeuge der NATO unterstützt. Die Jets zerstörten nach Angaben des Bündnisses ein Munitionslager, eine Flugabwehrkanone, eine Kommandozentrale und zwei bewaffnete Fahrzeuge der Gaddafi-Truppen. Sirte und Bani Walid sind die letzten größeren Städte, in denen sich noch Pro-Gaddafi-Streitkräfte verschanzt halten.

Lage für Zivilisten prekär

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Blick auf den Rauch des von der NATO zerstören Munitionslagers.

(Foto: AP)

Zugleich wird die Lage der Zivilbevölkerung immer unerträglicher, die in Sirte der Willkür der Gaddafi-Soldaten ausgeliefert ist. Unter Berufung auf Geheimdienste und Augenzeugen berichtete die NATO von Exekutionen, Geiselnahmen und gezielten Angriffen auf Einzelpersonen und Familien. Hunderte von Familien könnten wegen der Unsicherheit und des Mangels an Benzin die Stadt nicht verlassen. Zivilisten erhielten kein Wasser, keine Medikamente und auch keine Lebensmittel. Söldner machten die Straßen unsicher.

Quelle: ntv.de, dpa/rts

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