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Dax-Unternehmen bleiben unklar Mehr Frauen - keine Quote

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Schröder, von der Leyen: nicht einer Meinung.

(Foto: AP)

Viele Versprechungen, wenig Klarheit: Die Dax-Konzerne sind weiter gegen eine Frauenquote in ihren Führungsetagen. Stattdessen gibt es freiwillige Ziele. Bundesarbeitsministerin von der Leyen zeigt sich enttäuscht. Sie möchte die Quote gerne gesetzlich regeln.

Die Dax-Konzerne wollen mehr Frauen in Führungspositionen bringen, legen sich aber nicht auf eine Quote für Vorstände und Aufsichtsräte fest. Bis spätestens 2020 soll der Anteil von Frauen im Management oder anderen Spitzenjobs auf bis zu 35 Prozent steigen, wie aus einem Katalog hervorgeht, mit dem die Konzerne erstmals konkrete Ziele präsentiert haben.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) äußerte ihr Bedauern, dass solche Ziele nicht für die oberste Führungsetage ausgegeben wurden. Der Anteil von Frauen in Dax-Vorständen beträgt derzeit nur knapp 4 Prozent. 2010 war der Anteil sogar noch geringer. Von der Leyen forderte erneut eine gesetzliche Frauenquote, Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) und die CSU sprachen sich dagegen aus. Kritik an den Vorschlägen der Konzerne kam von der SPD.

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Frauen in Führungspositionen - in Großkonzernen ist das noch immer die Ausnahme.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die vorgelegten Ziele unterscheiden sich stark. Bis Ende 2014 will der Maschinenbaukonzern MAN den Anteil der Frauen in Führungspositionen von etwa 10 auf 12 Prozent ausbauen. Bei Adidas soll der Anteil von derzeit 26 auf bis zu 35 Prozent bis Ende 2015 steigen.

Was genau ein Job in Führungsposition ist, wurde von den Firmen unterschiedlich definiert. Während bei Infineon dem Papier zufolge etwa jeder vierte Mitarbeiter in Deutschland eine Führungsposition hat und bei Siemens jeder fünfte, liegt der Anteil bei der Lufthansa, VW und der Post nur bei etwa einem Prozent. "Das ist schwer miteinander zu vergleichen", bemängelte von der Leyen. "Ich hätte mir gewünscht, dass nicht Äpfel und Birnen und Mandarinen miteinander verglichen werden", sagte die Ministerin weiter.

BMW-Personalvorstand Harald Krüger hatte betont, dass es nicht um den Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten gehe. Genau das kritisierte von der Leyen. "Die Gretchenfrage ist, wie halten es die Dax-Unternehmen mit der gläsernen Decke, wenn es um Vorstände und Aufsichtsräte geht?" Ein Anteil von 3,7 Prozent Frauen in den Dax-Vorstandsetagen sei keine gute Visitenkarte für Deutschland. Bei diesem Thema hätten die Dax-Konzerne in den vergangenen Jahren ein Schneckentempo an den Tag gelegt, sagte von der Leyen.

Bei n-tv fügte sie hinzu: "Ich finde, dass es an der Zeit ist, dass die Großkonzerne jetzt Farbe bekennen." Der Mittelstand habe 30 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt und damit eine Vorbildfunktion erreicht. "Es gibt keinen plausiblen Grund mehr, dass die Großkonzerne da so weit hinterherhinken."

Elf Prozent bei VW

Ihre Kabinettskolleginnen auf dem Podium, Familienministerin Kristina Schröder (CDU) und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), bewerteten den Zielkatalog der Dax-Konzerne als einen Schritt zur Verbesserung der Situation von weiblichen Führungskräften in Firmen. Schröder zeigte sich erfreut, dass keine Firma einstellige Zielvorgaben gemacht habe. Ihr Appell für eine freiwillige Selbstverpflichtung der Konzerne - die sogenannte Flexi-Quote - sei angekommen. "Wir sind auf dem richtigen Weg", sagte Schröder.

Leutheusser-Schnarrenberger sprach sich gegen eine gesetzliche Frauenquote aus. "Wo man ein Gesetz vermeiden kann, sollte man es lassen", sagte sie. Für Stimmen aus der Opposition, wonach Selbstverpflichtungen Augenwischerei seien, habe sie kein Verständnis. Der nun begonnene Prozess von transparenten Zahlen zu Frauen in Führungspositionen verdeutliche, dass es auch mit Selbstverpflichtungen gehe.

Rückendeckung bekam Leutheusser-Schnarrenberger von Eon-Personalvorstand Regine Stachelhaus. "Ich halte eine gesetzliche Quote für entbehrlich." Frauen sollten aus eigener Kraft den Weg in die Chefetage finden und nicht mit Rückenwind eines Gesetzes, sagte Stachelhaus. Sie forderte einen Ausbau der Kinderbetreuung, um die Situation von Müttern mit Jobs zu verbessern und die Frauen in den Unternehmen zu halten.

Der Automobilkonzern Volkswagen will bis 2020 elf Prozent der Stellen im Top-Management mit Frauen besetzen. Im vergangenen Jahr habe der Frauenanteil in den Spitzenpositionen bei 4,3 Prozent gelegen. Insgesamt sollen künftig 15 Prozent Frauen im Management arbeiten, nach 8,4 Prozent im Jahr 2007 und 10 Prozent 2010. Volkswagen habe gute Erfahrungen damit gemacht, vor allem auf Hochschulabsolventinnen zuzugehen, erläuterte VW-Personalvorstand Horst Neumann.

Nein der CSU

Die CSU lehnte eine gesetzliche Frauenquote für die Führungsetagen deutscher Top-Unternehmen kategorisch ab: "Mit der CSU wird es ein Gesetz zur Frauenquote nicht geben", sagte CSU-Chef Horst Seehofer vor einer Sitzung des CSU-Vorstands in München. Er sei zwar für eine bessere Repräsentanz von Frauen in den Spitzengremien von Unternehmen. Dafür brauche es aber kein Gesetz.

Kritik an dem Zielkatalog der Dax-Konzerne kam aus der SPD. Die Bundesregierung verspiele Zeit, wenn sie sich auf die selbst gesteckten Ziele der Firmen einlasse. "Anstatt jetzt mit einem Gesetz mit verbindlichen Quoten endlich Nägel mit Köpfen zu machen, knickt die Koalition vor der Wirtschaft ein", sagte die Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen, Elke Ferner.

Quelle: n-tv.de, jmü/dpa/AFP

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