Politik

Anonyme Enthüllungen gewünscht Mehr Treffen mit Murdoch-Leuten

Der Abhörskandal in Großbritannien offenbart immer neue Verquickungen zwischen Politik und Medienbranche. Nicht nur bei Premierminister Cameron gingen Murdoch-Manager ein und aus, sondern auch bei seinen Ministern. Damit die Journalisten künftig etwas weniger selbstherrlich agieren, soll ihnen jedermann etwas genauer auf die Finger schauen.

Mitglieder der britischen Regierung haben sich öfter als bisher bekannt mit Top-Managern aus dem umstrittenen Konzern von Rupert Murdoch getroffen. Neben den mindestens 27 Treffen von Premierminister David Cameron habe es auch 16 Begegnungen zwischen Schatzkanzler George Osborne und der Murdoch-Führungsriege in nur 15 Monaten Regierungszeit gegeben. Die Zahlen gab die Regierung in London bekannt.

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Murdoch wollte sein Geschäft in Großbritannien ausbauen.

(Foto: AP)

Camerons Regierung steht wegen ihrer Nähe zum Murdoch-Konzern am Pranger. Murdoch, der 37 Prozent des britischen Zeitungsmarktes kontrolliert, wollte auch beim Fernsehen kräftig zukaufen und die 61 Prozent an der Senderkette BSkyB übernehmen, die ihm noch nicht gehören. Camerons Kulturminister Jeremy Hunt hatte im Vorfeld angedeutet, den Deal ohne eingehende wettbewerbsrechtliche Prüfung genehmigen zu wollen.

Inzwischen wurde bekannt, dass auch Kulturminister Hunt sich wiederholt mit Murdoch-Leuten getroffen hatte. Rupert Murdoch selbst hatte sogar unmittelbar nach der Wahl im Mai 2010 ein Treffen mit Hunt arrangiert - damals war Hunt allerdings noch nicht für den BSkyB-Deal zuständig. Nachdem ihm diese im Dezember vergangenen Jahres von Cameron übertragen worden war, traf er sich noch zweimal mit Murdochs Sohn James.

Neue Enthüllungsplattform

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Künftig soll die Arbeitsweise der Murdoch-Journalisten überwacht werden.

(Foto: AP)

Nach dem Abhörskandal der britischen Zeitung "News of the World" haben Unbekannte im Internet eine Enthüllungsplattform eingerichtet. Damit wird zur Einsendung von internen Informationen über den Medienkonzern von  Murdoch kann ruhig schlafen aufgerufen.

Die Initiatoren von murdochleaks.org wollen glaubwürdige Hinweise auf Fehlverhalten nicht selbst veröffentlichen, sondern an Journalisten und Strafverfolgungsbehörden weiterleiten. Die Abhörung der Telefone von vermutlich 4000 Prominenten und Privatleuten habe deutlich gemacht, dass die vierte Gewalt der Presse eine fünfte Gewalt brauche, die Kontrolle durch alle Internet-Nutzer, heißt es auf der Webseite. Reine Gerüchte sollen nicht berücksichtigt werden. Die Betreiber haben ein Online-Formular eingerichtet, um Informationen zu übermitteln oder Dokumente einzureichen.

Große Prüfung beim "Daily Mirror"

Unterdessen hat der Verlag hinter der britischen Boulevardzeitung "Daily Mirror" eine interne Untersuchung eingeleitet. Zuvor waren Vorwürfe laut geworden, in seinen Redaktionen seien illegale Recherchemethoden angewandt worden. Bei sämtlichen Titeln sollten deshalb nun die "redaktionellen Kontrollen und Abläufe" geprüft werden, teilte das Verlagshaus Trinity Mirror in London mit. Dazu gehören neben dem "Daily Mirror" und dem "Sunday Mirror" auch mehr als 160 Regionalzeitungen.

Im Zuge des Abhörskandals bei dem Boulevardblatt "News of the World" hatte sich ein früherer Journalist des "Daily Mirror" im Sender BBC zu Wort gemeldet und behauptet, das Abhören von Telefonen sei bei der Zeitung gängige Methode gewesen. Trinity Mirror hatte dies zurückgewiesen und betont, alle Reporter hätten im Rahmen des gesetzlich Erlaubten gearbeitet.

Seit in den vergangenen Wochen immer mehr Details über das Ausmaß illegaler Recherchemethoden bei der mittlerweile eingestellten "News of the World" herauskamen, häufen sich Berichte, auch bei anderen Blättern könnten solche Methoden Alltag gewesen sein.

Der Skandal um die zum Medienkonzern von Rupert Murdoch gehörende Zeitung hatte Großbritannien schwer erschüttert. Die Telefone von bis zu 4000 Prominenten und Privatleuten sollen abgehört worden sein. Premierminister David Cameron geriet unter Druck, weil er einen ehemaligen Chefredakteur des Blattes zu seinem Berater gemacht hatte. Ein Untersuchungsausschuss soll neben den Polizeiermittlungen klären, wie weit die Methoden reichten und wer betroffen war.

Quelle: n-tv.de, dpa

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