Politik

Presse zum Tête-à-tête im Kanzleramt Merkel und Tsipras "brechen das Eis"

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Merkel und Tsipras sprachen knapp anderthalb Stunden hinter verschlossenen Türen.

(Foto: imago/Xinhua)

Drohungen von beiden Seiten, Athener Rufe nach NS-Reparation, Debatten über echte oder gefälschte Stinkefinger: Das deutsch-griechische Verhältnis war eisig. Bis zum Antrittsbesuch von Alexis Tsipras - urteilt zumindest Griechenlands Presse.

Um den ersten offiziellen Berlin-Besuch des griechischen Regierungschefs Alexis Tsipras ist im Vorfeld großes Tamtam gemacht worden. Das Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gab Anlass zur Hoffnung, dass sich das Verhältnis zwischen Deutschland und Griechenland wieder entpannen möge. Während das Medienecho hierzulande zumeist verhalten ist, berichtet die griechische Presse größtenteils positiv. Die Zeitungen sehen Hoffnung, die Eiszeit zwischen Berlin und Athen zu beenden.

Hier eine Auswahl der griechischen Pressestimmen:

  • - "Merkel (rollte den) Roten Teppich aus - Tsipras (entfaltete

    eine) Realpolitik", meint die Zeitung der politischen Mitte "Ta Nea". Tsipras habe klargestellt, man brauche einen anderen politischen Mix. Er habe aber auch zugegeben, dass auch Positives in den vergangenen Jahren geschaffen wurde (durch die von den Geldgebern durchgesetzten Reformen in Griechenland) und dies dürfe nicht "niedergerissen werden."

  • - Das Boulevardblatt "Ethnos" schreibt auf der Titelseite: "Das Eis ist gebrochen". Das Treffen habe den Weg für die Verständigung geebnet. Merkel habe klargestellt: Die Griechen müssen die Reformen selbst in die Tat umsetzen. Die Bewertung und damit auch die Entscheidung für weitere Hilfen treffe nicht Berlin sondern die Eurogruppe.

  • - "Lebenspartnerschafts-Abkommen", titelt das linke Blatt "Efimerida ton Syntakton." Alles sei auf den Tisch gelegt worden. Die Reparationen, die Korruption, in die aber auch deutsche Firmen verstrickt sind. Tsipras habe gestanden, dass viele Probleme hausgemacht seien.

  • - Die konservative Traditionszeitung "Kathimerini" titelt: "Versuch das Eis zu brechen". Tsipras verspricht, Griechenland werde die Auflagen erfüllen. Merkel klärt, die Institutionen werden die Entscheidung für weitere Hilfen treffen.

  • -"Stunde des Realismus" überschreibt die "Kathimerini" einen Leitkommentar. "Griechenland würde in einer viel besseren Position sein, wenn er (Tsipras) von Anfang an die gestrige Taktik gehabt hätte", meint das Blatt. Athen steckte bislang in der Falle ihrer früheren Oppositionsrhetorik. Tsipras muss den antieuropäischen Populismus einiger Regierungsmitglieder beenden. Es sei die Stunde für alle gekommen, reif zu werden, meint die "Kathimerini."

Auch Regierungssprecher Steffen Seibert teilte in der Nacht mit: "Die Bundeskanzlerin und der griechische Ministerpräsident hatten in guter und konstruktiver Atmosphäre eine umfassende Aussprache über die Situation Griechenlands, die Arbeitsweise der Europäischen Union und die künftige deutsch-griechische Zusammenarbeit." Nähere Angaben zum Gesprächsinhalt und etwaigen Ergebnissen machte er nicht. Das Gespräch hatte gegen 19 Uhr begonnen und endete kurz vor Mitternacht.

Quelle: ntv.de, dsi/dpa

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