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Speed Dating in New York Merkel will die Welt retten – und sich selbst

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Angela Merkel im UN-Hauptquartier in New York.

(Foto: REUTERS)

Am Rande der großen UN-Nachhaltigkeitskonferenz trifft Merkel nicht etwa die Präsidenten der USA und Russlands, sondern die Vertreter kleinerer Länder. Ihre Gemeinsamkeit: Sie spielen eine Rolle in der Flüchtlingskrise.

Die Vorwarnung kommt fünf Minuten vorher. Keine Pressekonferenz sei geplant, nur ein Statement, also keine Fragen. Wer Bundeskanzlerin Angela Merkel bei solchen Gelegenheiten erlebt hat, weiß, was das bedeutet. Einige Bandwurmsätze mit Lapidarem und Bekanntem, nichts Aufregendes, letztlich vielleicht ein Satz, der es mit Müh' und Not und nur mangels Alternativen in die Nachrichten schafft. Hängen bleibt diesmal vor allem ihr Fazit. Sie sei, trotz aller Probleme, optimistisch. Sagt's und zieht schnurstracks von dannen. Woher die Kanzlerin ihre Zuversicht nimmt, bleibt ihr Geheimnis.

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Von Freitag bis Sonntag fand in New York der UN-Gipfel zur Nachhaltigkeit statt. Bis 2030 soll alles besser werden. Weniger Armut, weniger Hunger, mehr Wohlstand und Frieden für alle. Letztlich klingt das wie ein perfektes Anti-Flucht-Programm. Doch leider können Deutschland und vor allem Merkel nicht bis 2030 warten. Es müssen sofort Ergebnisse her. Und das ist dann doch ein Problem.

Die Kanzlerin spricht in den USA nicht etwa mit Obama und Putin, sondern absolviert neben all den Konferenzen und Empfängen eine Art Speed Dating in Sachen Flüchtlingskrise. Bilaterale Treffen heißt das dann. Länder wie Ägypten, Tunesien, Palästina, Pakistan und die Türkei sind in diesen Tagen offenbar wichtiger als Russland und die USA. Die einen sollen die Grenzen besser sichern, die anderen sich gefälligst um die eigene Bevölkerung kümmern, und schließlich wird denen gern geholfen, die in Lagern Hunderttausende irgendwie unterbringen. Hauptsache, die Menschen bleiben da, wo sie sind.

Mit Willkommenskultur hat das alles nicht mehr viel zu tun, sondern eher mit einem Notprogramm – auch in eigener Sache. Die schlechten Nachrichten aus der Heimat reißen nicht ab. Merkels Gesichtsausdruck spricht Bände. Sie bekommt offenbar zeitnah gesteckt, wer sich zu Hause so alles aus der Deckung wagt. Nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Horst Seehofer und Wolfgang Bosbach wenden sich ab, sondern auch vermeintlich Verbündete wie Innenminister Thomas de Maizière und der Bundespräsident. Es wird also kritisch. Man darf annehmen, und das wird aus Regierungskreisen kämpferisch bestätigt: Merkel hat den Ernst der Lage erkannt, hält aber an ihrem Kurs fest. Und zwar aus tiefster Überzeugung.

Das bedeutet auch: Man hat nach eigener Einschätzung alles richtig gemacht. Und würde alles genauso wieder tun. Von den Selfies über Mutmachsprüche bis hin zur Abholung der Flüchtlinge von der ungarischen Autobahn. Man müsse jetzt, so heißt es, ein Stück weit Ordnung schaffen.

Das Gesetzespaket der Bundesregierung ist tatsächlich auch kein Wohlfühlprogramm für Flüchtlinge – und wäre in dieser Form noch vor Wochen undenkbar gewesen. Jetzt werden Dinge erschwert, Dinge kontrolliert, die Situation vor Ort nach Möglichkeit verbessert. Ob das alles reicht? In New York erhält man darauf keine abschließende Antwort. Vielleicht weiß es die Bundeskanzlerin selbst nicht so genau. Aber einen Satz wird man von ihr sicherlich nicht hören: "Wir schaffen es leider nicht." Das wäre, aus Kanzlerperspektive, auch schlicht unsagbar. Es sei denn, man tritt danach gleich zurück.

Quelle: n-tv.de

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