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Angriff auf Anti-Piraten-Mission der EU Miliz beschießt Atalanta-Schiffe

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Bisher waren es stets die schweren Kriegsschiffe der EU, die austeilten. Nun gerieten sie nach Angaben der Shebab-Miliz erstmals selbst in Bedrängnis.

(Foto: REUTERS)

Die Al-Kaida-nahe Schabaab-Miliz gerät unter Druck: Im Kampf um die Vorherrschaft in Somalia steckt sie immer wieder Niederlagen ein. In die Enge getrieben greift die Miliz nun zu drastischen Mittel und beschießt erstmals Schiffe der EU-Anti-Piraten-Mission Atalanta.

Die somalische Schabaab-Miliz hat nach eigenen Angaben erstmals auf ausländische Kriegsschiffe der Atalanta-Mission geschossen. "Mudschahedin eröffneten das Feuer und schlugen zwei Kriegsschiffe zurück, die sich der Küste von Kismayo näherten", sagte ein Schabaab-Sprecher. Kismayo ist ein wichtiger Piraten-Stützpunkt. Auch Einwohner der Hafenstadt berichteten von "heftigem Feuer". Eine Bestätigung des Vorfalls von Seiten der Die modernen Seeräuber gab es zunächst nicht. Unklar war auch, unter welcher Flagge die angeblich attackierten Schiffe fuhren.

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Die Allianz im Kamp gegen die Shebab-Miliz konnte kürzlich einen Triumph feiern. Sie nahm die strategisch wichtige Stadt Afgoye ein.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Derzeit sind neun Kriegsschiffe der Europäischen Union in den Gewässern vor Somalia auf Piratenjagd. An dem Einsatz beteiligen sich Deutschland, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien und die Niederlande. EU-Mission nutzt neue Rechte , wonach Piraten auch am Strand weiter verfolgt werden dürfen, also Boote, Waffenlager und andere Einrichtungen beschossen werden können.

Die Schabaab-Miliz, die dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahesteheht, geriet zuletzt zusehends unter Druck. Soldaten der Übergangsregierung und Truppen der Afrikanischen Union gelang es in der vergangenen Woche die strategisch wichtige Stadt Afgoye, eine Hochburg der radikalen Islamisten, nordwestlich von Mogadischu einzunehmen. Schon im vergangenen Jahr gelang es, die Miliz aus der Hauptstadt zu verdrängen.

Somalias Präsident überlebt Anschlag

Auch die Piraten vor der Küste Somalias sind in der Defensive. Das behauptet zumindest der französische Atalanta-Kommandant Jean-Baptiste Dupuis. Der Zeitung "Le Parisien" sagte er: "Die Zahl der aktuell von Piraten festgehaltenen acht Schiffe ist die niedrigste seit Beginn der Aktion Atalanta." Die verstärkte Präsenz von Kriegsschiffen der Mission habe dazu beigetragen.

Ende 2008 hatten die gefürchteten Seeräuber laut Dupuis noch mehr als 800 Seeleute auf 42 Schiffen in ihrer Gewalt. Die Erfolgsquote der Piratenüberfälle sei von 35 Prozent im Jahr 2007 auf 15 Prozent im vergangenen Jahr gesunken.

Von Sicherheit kann in dem vom Bürgerkrieg zerriebenen Land dennoch keine Rede sein. Das zeigt nicht nur der mögliche Angriff auf westliche Kriegsschiffe. Der gepanzerte Konvoi des Staatschefs Scharif Scheich Ahmed ist nach Angaben von Sicherheitsbeamten bei einem Anschlag der Schabaab-Miliz beschossen worden. Zwei Soldaten aus seinem Begleitschutz wurden laut einem Sicherheitsbeamten verletzt, der Präsident blieb jedoch unversehrt. Die Angreifer seien in die Flucht geschlagen worden.

Die Anti-Piraten-Mission Atalanta besteht seit Ende 2008. Das Kommando führt die Europäische Union. Die Bundeswehr ist vor Somalias Küsten - einem der gefährlichsten Gewässer der Welt - derzeit mit mehr als 340 Soldaten auf Piratenjagd.

Quelle: n-tv.de, ieh/dpa/AFP

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