Politik

Erneut Luftangriffe auf Tripolis Mit Panzern gegen Misrata

Die westlibysche Stadt Misrata bleibt weiterhin heftig umkämpft. Truppen des Machthabers Gaddafi greifen die Hafenstadt mit Panzern an. Die Rebellen können die Offensive nach eigenen Angaben aber zurückschlagen. Derweil bedauert die libyische Regierung die Angriffe auf ausländische Botschaften. Die UN ziehen ihre Mitarbeiter ab.

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Ein Mann flüchtet auf dem Hafengelände von Misrata, das mit Granaten beschossen wird.

(Foto: AP)

Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi haben die Hafenstadt Misrata im Landeswesten mit Panzern angegriffen. Die bislang am Flughafen der Stadt versteckten Panzer hätten versucht, vom Südwesten aus nach Misrata einzudringen, seien aber zurückgeschlagen worden, teilten Aufständische mit. Die Vereinten Nationen und die Türkei zogen wegen der anhaltenden Kämpfe ihre Mitarbeiter aus der Hauptstadt Tripolis ab.

Seit dem Morgen nahmen die Panzer Außenbezirke Misratas unter heftigen Beschuss, wie westliche Reporter berichteten. Die Rebellen konterten mit Schüssen aus schweren Maschinengewehren. Am frühen Nachmittag teilten sie mit, der Angriff sei abgewehrt worden. Ärzten zufolge wurden bei den nächtlichen Kämpfen seit Sonntagabend zehn Menschen getötet und Dutzende verletzt.

Seeminen in der Hafenanlage

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Ein Aufständischer macht in einem Vorort von Misrata eine Pause.

(Foto: AP)

Am Sonntag hatten Regierungstruppen unter anderem die Hafenanlagen beschossen, wobei zwei Rebellen ums Leben kamen. Der Hafen ist der einzige freie Zugang zu der etwa 200 Kilometer östlich der von Tripolis gelegenen Küstenstadt, die seit zwei Monaten von den Truppen Gaddafis belagert wird. Seit Tagen steht er im Zentrum heftiger Kämpfe. Hunderte afrikanische Flüchtlinge campieren dort und hoffen, die Stadt auf dem Seeweg verlassen zu können.

Hilfsschiffe konnten nach Rebellenangaben weiterhin nicht in das Hafenbecken einlaufen, weil Truppen Gaddafis dort in den vergangenen Tagen Seeminen ausgesetzt hatten. Auch ein großes Hilfsschiff der Internationalen Organisation für Migration, das hunderte afrikanische Flüchtlinge an Bord nehmen soll, wartete weiter auf eine Genehmigung der NATO zur Einfahrt in den Hafen.

Weiter Luftangriffe auf Tripolis

In Tripolis flog die NATO laut Zeugen erneut Luftangriffe. Demnach waren im östlichen Teil der Stadt Explosionen zu hören. Nach Angaben des libyschen Staatsfernsehens sollten nach dem Mittagsgebet Gaddafis bei einem NATO-Angriff getötete Verwandte beigesetzt werden. In der Nacht zum Sonntag waren nach Angaben der Regierung einer von Gaddafis Söhnen und drei seiner Enkelkinder ums Leben gekommen.

Gaddafis jüngster Sohn wurde in Tripolis beigesetzt – in Abwesenheit seines Vaters. Das Begräbnis auf dem Al-Hani-Friedhof wurde im staatlichen Fernsehen übertragen. Anwesend waren Gaddafis Söhne Saif al-Islam und Mohammed sowie mehrere Funktionäre des Regimes.

Die Vereinten Nationen zogen ihr ausländisches Personal aus Tripolis ab. Zwölf ausländische UN-Mitarbeiter hätten die Stadt verlassen und seien nach Tunesien gebracht worden, sagte eine UN-Sprecherin. Anhänger Gaddafis hatten zuvor die Vertretungen Großbritanniens und Italiens in Tripolis zerstört. Nach Angaben einer weiteren UN-Sprecherin wurde auch ein UN-Gebäude gestürmt. Auch die Türkei räumte inzwischen ihre Botschaft und verlegte das Personal nach Tunesien.

Libyen bedauert Angriffe auf Botschaften

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Das Foto zeigt brennende Docks in Misrata.

(Foto: AP)

Der stellvertretende libysche Außenminister Chalid Kaim bedauerte die Übergriffe. Kaim sagte nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN, es seien zu wenige Polizisten im Einsatz gewesen. Deshalb seien sie von einer aufgebrachten Menge überwältigt worden. Die Menschen seien wegen des NATO-Angriffs wütend gewesen, bei dem vermutlich Gaddafis Sohn und Enkel ums Leben kamen.

Der libysche Botschafter in Großbritannien wurde nach dem Angriff als "persona non grata" ("unerwünschte Person") aufgefordert, binnen 24 Stunden das Land zu verlassen, teilte Außenminister William Hague mit. Hague sagte: "Ich verurteile die Angriffe auf die Gebäude der britischen Botschaft in Tripolis genauso wie die Angriffe auf die Vertretungen anderer Länder." Das Gaddafi-Regime müsse die diplomatischen Vertretungen schützen. Das Regime habe erneut seine internationalen Verpflichtungen verletzt.

Auch die US-Regierung hatte die Attacken aufs Schärfste verurteilt. "Die Wiener Konvention fordert, dass das Gaddafi-Regime diplomatische Missionen in Tripolis schützt", heißt es in der Erklärung des Außenministeriums in Washington.

Kämpfe im Grenzgebiet

Über den Grenzübergang Dehiba flohen weiter zahlreiche Menschen in das westliche Nachbarland. Die Kontrollstelle war in den vergangenen Tagen zwischen regierungstreuen Truppen und Aufständischen heftig umkämpft. In der Nähe von Dehiba schlugen in der Nacht mindestens vier großkalibrige Geschosse auf tunesischem Territorium ein, die jedoch niemanden verletzten. Tagsüber kehrte in der Region wieder Ruhe ein.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa

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