Politik

Kaltblütiges Vorgehen Mörder haben professionelle Ausbildung

Szenen wie diese sollen sich nicht wiederholen: Am 7. Januar stürmten zwei Islamisten die Redaktion und töteten 12 Mitarbeiter. (Archiv)

Die französische Polizei geht davon aus, dass die Täter in Syrien oder im Irak ausgebildet wurden.

(Foto: REUTERS)

Nach dem Anschlag auf die Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" mit mindestens 12 Toten - kühl und abgeklärt von zwei vermummten Männern durchgeführt - mutmaßt die Polizei. Ihr routiniertes Vorgehen lässt auf eine gute militärische Ausbildung schließen.

Auf Bildern von der Tat, die Augenzeugen mit ihren Handys machten, werde die Professionalität der Angreifer deutlich, erklären ehemalige Mitglieder von Sicherheitsdiensten und französischer Polizei. "Man sieht es ganz deutlich an der Art und Weise, wie sie ihre Waffen halten, wie sie völlig ruhig und kalt vorgehen", sagt ein Polizist. "Sie haben ganz offensichtlich eine Art Militärausbildung durchlaufen." Die Attentäter seien "keine Illuminaten, die unüberlegt handelten".

Experten verweisen darauf, dass die Täter ihre Kalaschnikows dicht am Körper hielten und sauber Schuss für Schuss abgaben, anstatt wild um sich zu schießen. All dies zeige, dass sie gut ausgebildet sein müssen. "Das Frappierendste ist ihre Kaltblütigkeit", sagt ein Ex-Polizist. "Sie wurden in Syrien, im Irak oder anderswo ausgebildet, vielleicht sogar in Frankreich - sicher ist nur, dass sie ausgebildet wurden."

Täter fuhren zunächst zum falschen Gebäude

Ein weiteres Zeichen für die unübersehbare Kaltblütigkeit der Täter ist, dass sie sich zunächst in der Adresse irrten - davon aber nicht von ihrem Plan abbringen ließen. Nach Polizeiangaben hielten die Angreifer zunächst vor der Adresse mit der Hausnummer 6, wo ein bei der Zeitung angesiedelter Dienst untergebracht ist. "Dort haben sie aber nicht geschossen, sie haben nicht den Kopf verloren, sondern sind zur Nummer 10 gefahren, dem Sitz der 'Charlie-Hebdo'-Redaktion", sagt ein Beamter.

Auf einem vom Dach eines Nachbargebäudes aufgenommenen Video ist zu sehen, wie gut die Angreifer ausgerüstet waren: Schwarze Kleidung, Sturmmasken, Sportschuhe, Westen, die möglicherweise kugelsichere Westen darunter verdecken sollten. Auf der Flucht bemerken sie einen Polizisten auf dem Fahrrad, sie steigen aus und strecken den Beamten per Kopfschuss nieder. Anschließend schauen sie sich um, ob noch weitere Einsatzkräfte in der Umgebung zu sehen sind, steigen dann ohne Eile wieder ins Auto.

War Attentat nur der Anfang?

Nach der kaltblütigen Attacke, bei der zwölf Menschen starben und acht weitere verletzt wurden, fragen sich Experten nun, ob es sich um eine isolierte Tat oder möglicherweise den Beginn einer Anschlagsserie handelt. "Die Frage, die sich nun stellt, ist: Ist das eine isolierte Operation à la Mohammed Merah oder ist das der Beginn von Operationen?", sagt Louis Caprioli, Ex-Chef des französischen Inlandsgeheimdienstes DST mit Blick auf die Attentate des Islamisten Merah auf Soldaten und eine jüdische Schule im Jahr 2012.

"Ist das der Beginn einer anderen Dimension mit einer Zelle, die jetzt aktiv wird? Ist eine Reihe von Anschlägen geplant, wie es in den 80er Jahren in Paris der Fall war? Sicher ist, dass die Killer gefunden werden müssen und zwar schnell", sagt Caprioli.

Quelle: ntv.de, spt/AFP