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Der Mann, der Eichmann identifizierte Mossad-Agent Aharoni tot

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Aharoni arbeitete viele Jahre für den Mossad.

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Eichmann stand ab 11. April 1961 in Jerusalem wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht.

ASSOCIATED PRESS

Er ist der Mann, der zu der spektakulärsten Entführung durch den israelischen Geheimdienst beiträgt: Der in Deutschland geborene Jude Zvi Aharoni. Ihm gegenüber gibt sich der Logistiker des Holocaust, der weltweit gesuchte Adolf Eichmann, erstmals zu erkennen. Nun ist Aharoni gestorben.

Der israelische Geheimagent, der den NS-Verbrecher identifizierte, ist tot. Zvi Aharoni starb am Samstag im Alter von 91 Jahren, wie israelische Medien berichten. Der 1921 in Deutschland geborenen Aharoni gehörte 20 Jahre lang dem Geheimdienst Mossad an.

1960 entführte der Mossad Eichmann, der in Argentinien unter dem Namen Ricardo Klement lebte, nach Israel. Argentinien hatte damals noch kein Auslieferungsabkommen mit Israel.

Aharoni war Fahrer des Entführungsfahrzeugs. Ihm gegenüber gab Eichmann sich erstmals als der Gesuchte zu erkennen.

Während der NS-Zeit war Eichmann maßgeblich für die Organisation der Deportation und Ermordung der europäischen Juden verantwortlich. Eichmann führte schon bei der Wannseekonferenz am 20. Januar 1942, auf der die Vernichtung der europäischen Juden koordiniert wurde, Protokoll. Später regelte er die Transporte, überwachte die Einhaltung der Fahrpläne sowie die Zusammenstellung und "Auslastung" der Todeszüge, mit denen Millionen Juden in die Konzentrationslager transportiert und dort ermordet wurden. Um die Vernichtungsmaschinerie zu perfektionieren, besuchte Eichmann unter anderem und Treblinka und beobachtete den Massenmord in den Gaskammern.

Im April 1961 begann in Israel der Prozess gegen ihn, der weltweit für Aufsehen sorgte und bei dem erstmals das Schweigen über die Gräuel der Nazis beendet wurde. Dutzende Zugen berichteten vor Gericht von den Grauen in den Konzentrationslagern, Eichmann selbst wies alle Schuld von sich und verwies darauf, nur Befehle erfüllt zu haben. Sein Gewissen sei "völlig rein".

Im Dezember 1961 wurde Eichmann, die Verkörperung des Schreibtischtäters, zum Tode verurteilt, am 31. Mai 1962 durch den Strang hingerichtet. Seine Asche wurde im Meer verstreut.

Quelle: n-tv.de, ghö/dpa

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