Politik

RTL/ntv Trendbarometer Nach Merkel drohen der Union Verluste

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Zwei, für die die Union 2021 Ersatz finden muss: Kanzlerin Angela Merkel und Innenminister Horst Seehofer.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wer ihr Kanzlerkandidat werden soll, weiß die Union noch immer nicht. Aber 40 Prozent der CDU-Wähler wissen bereits, dass keiner der drei Anwärter sie überzeugt. Viel Zustimmung bekommt hingegen der Mann, der gar nicht will: CSU-Chef Söder. Für die Union könnte das gefährlich werden.

Die Proteste gegen die Corona-Politik der Bundesregierung halten an, doch bekommt die Große Koalition weiterhin die Unterstützung der Deutschen. Den einen Prozentpunkt, den die CDU/CSU im Vergleich zur Vorwoche verliert (35 Prozent), kann die SPD gutmachen (15 Prozent).

Die Grünen verlieren nach ihrem 22 Prozent-Erfolg im letzten RTL/ntv Trendbarometer einen Punkt auf 21 Prozent. Die AfD steigt von acht zurück auf neun Prozent, die Linke bleibt bei acht.

Die Liberalen können sich leicht verbessern. Von fünf auf sechs Prozent steigt die Zustimmung im ersten Trendbarometer nach dem FDP-Parteitag am vergangenen Wochenende in Berlin. Unter dem Slogan "Mission Aufbruch" hatte Parteichef Christian Lindner dort als Ziel vorgegeben, dass die Liberalen nach der nächsten Bundestagswahl mitregieren. Die Umfrageergebnisse geben das derzeit aber nicht her.

Die Union hätte die Wahl

Für die in Frage kommenden Koalitionen wäre die FDP schlicht nicht nötig - die CDU/CSU könnte mit der SPD ein erneutes Bündnis bilden (50 Prozent), wenn dafür auch der Begriff "Große Koalition" nicht mehr ganz passen würde - und die SPD bei der nächsten Wahl so ein Bündnis wohl wirklich nicht noch einmal eingehen wird.

Mit den Grünen käme die Union auf eine komfortablere Mehrheit (56 Prozent). Mit der FDP würde es hingegen nicht reichen - Schwarz-Gelb käme derzeit nur auf 41 Prozent. Ähnlich mau sähe es für eine auch aus inhaltlichen Gründen unwahrscheinliche Ampelkoalition aus: Mit 42 Prozent Unterstützung wären Grüne, SPD und FDP nicht regierungsfähig. Ein Bündnis aus Grünen, SPD und Linke hätte 42 Prozent Zustimmung, deutlich zu wenig zum Regieren.

So würde derzeit für die realistischen Optionen einer Regierungsmehrheit in Deutschland kein Weg an der Union vorbeiführen, obwohl die Frage des Kanzlerkandidaten und des künftigen CDU-Vorsitzes weiterhin völlig offen sind. Noch gelingt es offenbar Kanzlerin Angela Merkel mit ihrer Präsenz zu überdecken, dass keiner der drei Kandidaten bisher in der Öffentlichkeit nennenswert Punkte sammeln konnte.

Der Union droht ein "Vertrauensvakuum"

Norbert Röttgen wird kaum wahrgenommen, Armin Laschets Image hat unter der starken Kritik am Corona-Management in NRW gelitten. Friedrich Merz rückt sich selbst mit diffamierenden Aussagen immer stärker in eine reaktionäre Ecke. Für die kommende Bundestagswahl sieht Forsa-Chef Manfred Güllner ein "Vertrauensvakuum" entstehen. Denn "rund die Hälfte der jetzigen Wähler der Union werden nicht automatisch wieder der CDU oder CSU ihre Stimme geben". Sie warten erstmal ab, wen die Union zum Kanzlerkandidaten macht und entscheiden auf der Basis. "Sollte es diesem dann nicht gelingen, die Merkel-Wähler zu halten, könnte die Partei also schmerzhaft absacken", sagt der Meinungsforscher, "so unwahrscheinlich das angesichts der derzeit starken Umfragewerte auch scheint".

Bei einem Kandidaten Söder würden momentan laut Umfrage 81 Prozent der bisherigen Unions-Wähler wieder für sie stimmen. Mit Friedrich Merz an der CDU-Spitze und als Anwärter auf das Kanzleramt würden wohl nur noch 59 Prozent der Unions-Wähler treu bleiben. Bei einem Kanzlerkandidaten Armin Laschet könnte die Union noch mit 58 Prozent Stimmen der bisherigen Wähler rechnen, und bei Norbert Röttgen nur mit 56 Prozent. Jeweils über 40 Prozent der Unions-Wähler wären demnach unschlüssig, ob sie sich bei einem der drei aktuellen CDU-Kanzlerkandidaten für die Union entscheiden wollen. Die mit Abstand größte Begeisterung löst ein Mann aus, der bislang stur erklärt, er wolle gar nicht nach Berlin.

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Söders Strahlkraft unter den Anhängern von CDU und CSU setzt sich auch in der Konkurrenz zu den anderen Parteien fort: Mit 37 Prozent würden sich die meisten Deutschen für einen Kanzler Markus Söder entscheiden, wenn sie daneben den SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz (14 Prozent) und Grünen-Co-Chef Robert Habeck (18 Prozent) zur Auswahl hätten. An der Union führt offenbar aktuell kaum ein Weg vorbei. Doch mit der falschen Wahl des Parteichefs und Kanzlerkandidaten könnte sich dieses Bild schnell ändern.

Quelle: ntv.de, fni