"Verlagerung der Aufgaben"Trump will Nato-Kommandostruktur in Europa neu ordnen

Washington übergibt offenbar zwei wichtige Nato-Kommandos an europäische Partner. Im Gegenzug sichert sich US-Präsident Trump eine andere, zentrale Führungsrolle im Bündnis. Die USA wollen ihre Truppenpräsenz in Europa womöglich senken und sich auf China konzentrieren.
Die USA geben Diplomatenkreisen zufolge zwei wichtige regionale Kommandoposten bei der Nato an europäische Staaten ab. Washington werde die Leitung des für den Süden zuständigen Nato-Kommandos in Neapel an Italien und die Leitung des für den Norden zuständigen Kommandos in Norfolk im US-Bundesstaat Virginia an Großbritannien abgeben, wie die Nachrichtenagentur AFP aus Diplomatenkreisen erfuhr. Die USA werden demnach im Gegenzug das Kommando über die Nato-Seestreitkräfte mit Sitz in Großbritannien übernehmen. Über die Umstrukturierungen berichtete zuerst die französische Zeitung "La Lettre".
Wie AFP aus Diplomatenkreisen erfuhr, werde die Umsetzung vermutlich mehrere Monate dauern. "Das ist ein gutes Zeichen für die praktische Verlagerung der Aufgaben", hieß es. Die Umverteilung der Posten erfolge vor dem Hintergrund eines von US-Präsident Donald Trump forcierten Wechsels bei der Verteidigungsstrategie: Die USA wollen demnach ihre Truppenpräsenz in Europa möglicherweise senken und sich auf andere Bedrohungen wie China konzentrieren.
Die militärische Supermacht wird jedoch weiterhin eine zentrale Rolle spielen - die wichtigsten Nato-Kommandos in den Bereichen Luft, Land und See liegen weiter bei Washington. Auch der Posten des Oberbefehlshabers der alliierten Streitkräfte in Europa verbleibt bei den USA.
Die europäischen Staaten haben angesichts des russischen Angriffskrieges in der Ukraine ihren jeweiligen Verteidigungshaushalt bereits deutlich erhöht. Im vergangenen Jahr verpflichteten sich die Nato-Verbündeten zu Verteidigungsausgaben in Höhe von insgesamt fünf Prozent ihrer jährlichen Wirtschaftsleistung. Zuletzt drohte der Konflikt um Grönland wegen Trumps Ansprüchen auf die Arktis-Insel zeitweise, die Nato zu spalten.
Matthew Whitaker, US-Botschafter bei der Nato, betonte, dass der US-Präsident das Militärbündnis nicht "zerstören" wolle, indem er Europa zu mehr Engagement dränge. "Wir versuchen, die Nato zu stärken, nicht sie aufzulösen oder abzulehnen", sagte Whitaker. Vielmehr bemühe sich Washington, die Nato "so funktionieren zu lassen, wie sie als Bündnis von 32 starken und fähigen Verbündeten gedacht war".