Politik

Exekutionen im Stadion Nordkorea richtet offenbar Dutzende hin

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Nordkoreas Machthaber: Kim Jong Un.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Willkürliche Verhaftungen und Folterungen sind in Nordkorea den Vereinten Nationen zufolge an der Tagesordnung. Einem Bericht zufolge hat das Regime kürzlich wieder zahlreiche Häftlinge töten lassen - und Zehntausende Menschen mussten zusehen.

In Nordkorea sind angeblich etwa 80 Häftlinge öffentlich exekutiert worden. Die meisten von ihnen seien wegen des Besitzes verbotener TV-Serien aus Südkorea oder wegen des Vorwurfs der Prostitution zum Tode verurteilt worden, berichtete die südkoreanische Zeitung "JoongAng Ilbo" unter Berufung auf eine namentlich nicht genannte Quelle. Das konservative Blatt gehört zu den auflagenstärksten Zeitungen des Landes.

Der Informanten habe sich nach eigenen Angaben kürzlich in dem kommunistischen Land aufgehalten, hieß es. Er sagte der Zeitung, dass die Hinrichtungen am 3. November in sieben Städten vollzogen worden seien. In der östlichen Hafenstadt Wosnan versammelten die Behörden demnach 10.000 Zuschauer in einem Stadion, in dem dann acht Menschen erschossen wurden.

Berichte über Ereignisse in dem abgeschotteten Land können häufig nicht auf Echtheit überprüft werden. Und auch wenn die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf nordkoreanische Überläufer meldet, dass sich der Bericht mit entsprechenden Gerüchten decke, gibt es bislang keine unabhängigen Beweise für die Hinrichtungen.

Die Regierung in Pjönjang habe offenbar Angst vor einem gesellschaftlichen Wandel und wolle die Bevölkerung einschüchtern, wird ein Mitarbeiter einer Aktivisten-Webseite zitiert. Eine andere Gruppe nordkoreanischer Regierungsgegner konnte den Bericht hingegen nicht bestätigen. Das Anschauen ausländischer Serien oder Filme ist in Nordkorea in der Regel strengstens verboten. Dank digitaler Speichermedien floriert jedoch der Handel mit den illegalen Videos.

Entsetzliche Zustände

Mitte September hatten Berichterstatter der Vereinten Nationen dem Regime in Nordkorea Gräueltaten gegen die eigene Bevölkerung vorgeworfen. Die Weltgemeinschaft dürfe Verbrechen wie "systematischen Folterungen und Tötungen" nicht tatenlos zusehen, forderte der Vorsitzende des UN-Ermittlungsausschusses für Nordkorea, Michael Kirby.

Willkürliche Verhaftungen, Folterungen von Gefangenen und andere Misshandlungen in Gefangenenlagern seien massenweise dokumentiert worden. Die Schilderungen reichten vom Ertränken eines Säuglings bis zu systematischer Unterernährung und sexueller Gewalt.

So gebe es die Aussage "eines jungen Mannes, der seit seiner Geburt im Gefängnis ist, sich von Nagetieren, Eidechsen und Gras ernährt und der die öffentliche Hinrichtung seiner Mutter und seines Bruders mit ansah", sagte Kirby.

Nordkorea sieht sich verleumdet

Im kommenden Jahr soll der Abschlussbericht vorgelegt werden. Pjöngjang verweigert die Zusammenarbeit mit den Ermittlern. Sie stützen sich daher überwiegend auf Aussagen geflohener Nordkoreaner, die in Südkorea und Japan befragt wurden.

Das gesammelte Beweismaterial gebe "dem großen menschlichen Leid ein Gesicht und eine Stimme", sagte Kirby. Es gebe ein System der Sippenhaft: Ganze Familiengenerationen würden wegen der politischen Ansichten oder Aktivitäten von Angehörigen bestraft.

Der UN-Vertreter des Regimes von Kim Jong Un wies den Bericht als "Fabrikation" zurück. "Dieses Material wurde von feindlichen Kräften und Überläufern erfunden", sagte So Se Pyong. Die UN-Kommission beteilige sich an einer Diffamierungskampagne Japans, der EU und der USA gegen Nordkorea. Sein Land werde diesem Druck unter keinen Umständen nachgeben.

Quelle: n-tv.de, jga/rts/dpa/AFP

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