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Bei der getesteten Rakete handelte es sich nach südkoreanischen Angaben um ein Mittelstreckengeschoss vom Typ Musudan (Archivbild).
Bei der getesteten Rakete handelte es sich nach südkoreanischen Angaben um ein Mittelstreckengeschoss vom Typ Musudan (Archivbild).(Foto: dpa)
Sonntag, 12. Februar 2017

"Provokation der US-Regierung": Nordkorea testet offenbar erneut Rakete

In seiner Neujahrsansprache protzt Kim Jong Un, mit neuen Interkontinentalraketen bald einen nuklearen Feuersturm über den USA entfesseln zu können. Ein paar Wochen später lässt der nordkoreanische Machthaber dann tatsächlich die Muskeln spielen.

Nordkorea hat nach Angaben der Regierung in Seoul erneut eine ballistische Rakete getestet. Das Geschoss sei am Sonntagmorgen (Ortszeit) von einem Stützpunkt im Westen des Landes ins Japanische Meer abgefeuert worden, teilte das südkoreanische Verteidigungsministerium mit. Es war der erste Abschuss einer nordkoreanischen Rakete seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump.

Interkontinentale Langstreckenraketen wie diese KN-08 konnte das nordkoreanische Regime bislang nicht erfolgreich testen.
Interkontinentale Langstreckenraketen wie diese KN-08 konnte das nordkoreanische Regime bislang nicht erfolgreich testen.(Foto: dpa)

Die Rakete flog etwa 500 Kilometer weit und fiel dann ins Meer, sagte ein Ministeriumssprecher in Seoul. Nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap vermutet das Militär, dass es sich um einen Mittelstreckenrakete vom Typ Musudan handelte. Offiziell wurde dies zunächst nicht bestätigt.

Der Raketentest sei offenbar eine "Provokation, mit der die Reaktion der neuen US-Regierung" getestet werden solle, hieß es in der Mitteilung des südkoreanischen Verteidigungsministeriums.

"Wirksame und überwältigende" Antwort der USA

In seiner Neujahrsansprache hatte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un erklärt, sein Land stehe kurz vor dem Test einer Interkontinentalrakete, die auch Teile der USA erreichen könnte. Das US-Verteidigungsministerium warnte den isolierten Staat daraufhin eindringlich vor neuerlichen Provokationen.

Trump erklärte kurz nach Kims Ankündigung, er glaube nicht daran, dass nordkoreanische Raketen jemals die USA erreichen könnten. Das werde "nicht passieren", schrieb er bei Twitter. Der neue US-Verteidigungsminister James Mattis erklärte Anfang Februar bei einem Besuch in Seoul, jeder Einsatz von Atomwaffen durch Nordkorea würde eine "wirksame und überwältigende" Antwort der USA nach sich ziehen.

Nach dem Test sagte Trump Japan die uneingeschränkte Unterstützung der USA zu. "Die Vereinigten Staaten von Amerika stehen hinter Japan, ihrem großen Verbündeten, zu hundert Prozent", sagte Trump in Florida bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem japanischen Regierungschef Shinzo Abe. Abe, der sich zurzeit zu einem Besuch in den USA aufhält, verurteilte den Raketentest als "vollkommen unerträglich".

Nordkorea hatte im vergangenen Jahr mit zwei Atomwaffentests und einer Reihe von Raketentests die Weltgemeinschaft provoziert. Pjöngjang verstieß damit gegen mehrere Resolutionen des UN-Sicherheitsrats. Südkorea vermutet, dass Nordkorea mit den Raketentests die Entwicklung ballistischer Interkontinentalraketen vorantreiben will, die mit Atomsprengköpfen bestückt die USA erreichen könnten.

Experten sind aber geteilter Meinung darüber, wie nah Nordkorea an der Verwirklichung seiner atomaren Ziele ist, vor allem weil es bislang nie erfolgreich eine Interkontinentalrakete getestet hat. Nach US-Angaben ist das Land inzwischen in der Lage, Mittelstreckenraketen mit atomaren Sprengköpfen zu bestücken und abzufeuern.

Quelle: n-tv.de