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Ex-Pegida-Frontfrau zeigt Reue Oertel: Habe Hetzkampagne losgetreten

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Katrin Oertel sieht sich als Teil der "99 Prozent".

(Foto: imago/Christian Ditsch)

Ex-Pegida-Frontfrau Kathrin Oertel veröffentlicht ein Video und zeigt Reue. Sie fühle sich verantwortlich für die Hetzkampagne der Bewegung, entschuldigt sich und ruft "die 99 Prozent" auf die Straße. "Wir werden alle von allen verarscht", sagt sie.

Sie stand mit dem umstrittenen Lutz Bachmann auf der Bühne in Dresden und sprach gegen die "Islamisierung des Abendlandes": Kathrin Oertel. Nach einem internen Streit verließ sie Pegida und versuchte sich mit anderen Initiativen. Nun ist sie in der Friedensbewegung aktiv und entschuldigt sich in einem Handyvideo bei Migranten und Moslems. Die Aufnahme ist auf ihrem Facebook-Profil abrufbar.

"Die Pegidianer müssen begreifen, dass sie dem falschen Pferd aufsitzen", eröffnet Oertel die Aufnahme, die offensichtlich in einem Auto erstellt wurde. Denn "nur noch den Moslem und seine Religion an den Pranger stellen", das sei falsch. "Die steigende Zahl der Asylbewerber für die Probleme in Deutschland und Europa verantwortlich zu machen - das ist nicht die Ursache."

Es folgen Sätze, die vor wenigen Monaten, als Zehntausende Oertel zuhörten und vom Untergang des Abendlandes fabulierten, wohl niemand kommen sah: "Ich möchte mich bei allen Migranten und vor allem Moslems entschuldigen, die hier in unserem Land friedlich leben, integriert, und unsere Gesetze und Kultur achten. Das sind die meisten, das vergessen sehr viele."

Sie fühle sich mitverantwortlich "für die Hetzkampagne, die losgetreten worden ist". Auch dafür wolle sie sich entschuldigen. Sie könne nur alles dafür tun, "dass das wieder in Ordnung kommt". Bevor man mit dem Finger auf andere zeige, solle man sich selbst reflektieren.

Soziale Ziele statt Hetzkampagne

Nach den Worten zur eigenen Vergangenheit findet Oertel auch welche zur Zukunft. Nun sind es nicht mehr andere Religionen oder Nationen. Diese seien nur Feindbilder, um "von den wirklichen Tätern und deren Interessen abzulenken." Wer das sein soll, sagt sie nicht eindeutig. Allerdings nutzt Oertel mehrmals einen Begriff, der aus den Vereinigten Staaten stammt: "Wir sind die 99 Prozent."

Als "99 Prozent" bezeichneten sich ursprünglich die Demonstranten der Occupy-Wall-Street-Bewegung. Der Begriff wurde später von anderen Gruppen übernommen, um sich als gesellschaftlich benachteiligt zu bezeichnen. Er beschreibt die statistische Überspitzung, dass das reichste Prozent der US-Bevölkerung mindestens 38 Prozent des Privatvermögens besitzt und die Politik und Wirtschaft zu ihren Gunsten beeinflusst.

Das neue Feindbild Oertels sind demnach die Wohlhabenden, oder, um es entschärft zu sagen - Sie will sich nun womöglich für eine andere Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland einsetzen. "Wir müssen darüber nachdenken, wie wir in Zukunft miteinander umgehen wollen", sagt sie. "Wir werden alle und von allen verarscht. Ob links, rechts oder Mitte, niemand spricht die Ursachen an. Ich hoffe, dass wir gemeinsam auf die Straße finden."

Das "Volk" dürfe sich nicht mehr spalten lassen, sagt sie. "Ich bin zuversichtlich", lässt sie zum Abschluss des Videos noch wissen - und ruft zu einer Versammlung in Dresden auf. "Wir wollen am 1. Mai um 15 Uhr über die Ursachen, nicht die Symptome reden."

Quelle: n-tv.de, rpe

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