Politik

Cyberattacke auf den Iran Ölindustrie steht unter Beschuss

AP071117052234.jpg

Angeblich läuft die Produktion im Iran trotz des Cyberangriffs problemlos weiter.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Erst bremst der Computervirus Stuxnet das iranische Atomprogramm aus. Nun trifft ein Cyberangriff die Erdölindustrie des Landes. Das zuständige Ministerium und der wichtigste Export-Terminal sind zunächst nicht mehr mit dem Internet verbunden.

Ein Computervirus greift seit Sonntagabend die iranische Erdölindustrie an. Nach Angaben der hiesigen Behörden gilt die Cyberattacke dem wichtigsten Ölexport-Terminal des Landes. Die Webseiten der staatlichen Ölgesellschaft und des Ölministeriums waren bis Montagabend nicht zu erreichen. Ziel des Computervirus war es vermutlich, Daten auf Festplatten und Servern zu löschen. Dies ist offenbar aber nur bedingt gelückt.

"Der Computervirus konnte keine wichtigen Daten des Ölministeriums oder der National Iranian Oil Company zerstören", versichterte Alireza Nikzad, Sprecher des Ministeriums, der iranischen Nachrichtenagentur Fars. Er räumte lediglich ein, dass weniger bedeutende Datenbestände, von denen es Sicherungskopien gibt, gelöscht wurden. Darüber, ob womöglich auch Hauptplatinen von Computeranlagen Schaden nahmen gibt es widersprüchliche Berichte. Nach Angaben Nikzads musste der Iran die Ölproduktion und den Öltransport trotz des Angriffs nicht aussetzen. Als Vorsichtsmaßnahme koppelten Teheran die Webseiten des Ministeriums und der Ölgesellschaft lediglich vom Netz ab. Die wichtigen IT-Systeme des Terminals der Insel Chark sowie anderer Öl-Standorte laufen laut Nikzad über Server, die nicht von dem Virus angegriffen wurden.

Iran will Cyberabwehr stärken

Bisher hat Teheran für den Angriff noch niemanden verantwortlich gemacht. Das Regime von Mahmud Ahmadinedschad hatte den USA und Israel aber schon 2010 einen Cyberangriff auf das Atomprogramm mit Hilfe des Iran bestätigt Cyber-Attacke vorgeworfen. Beweise lieferte Teheran indes nicht.

Nach Angaben des Spiegel ist ein Vergleich von Stuxnet mit dem aktuellen Virus aber auch kaum zulässig. Stuxnet sei viel komplexer gewesen und sei viel zielgerichteter eingesetzt worden. Hinzu kommt, dass der Westen und Iran derzeit mitten in einem entscheidenden Verhandlungsprozess stecken. Ölpreise fallen deutlich über das Nuklearprogramm des Landes. Sie sollen im Mai fortgesetzt werden.

Schon nach dem Cyberangriff mit dem Stuxnet-Wurm begann der Iran sich verschärft gegen Internetattacken zu wappnen. Der Iran plant unter anderem, ein nationales Abwehrzentrum gegen Internetattacken aufzubauen. Bisherige Maßnahmen zeigen angesichts des jüngsten Angriffs aber offenbar nur bedingt Wirkung.

Quelle: n-tv.de, ieh/rts

Mehr zum Thema