Politik

Wer war Peter der Große? Putin folgt den Spuren des russischen Imperators

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Am 9. Juni, dem 350. Geburtstag von Peter dem Großen, hat Wladimir Putin eine Ausstellung zu Ehren des Imperators besucht.

(Foto: IMAGO/SNA)

Mit dem Krieg in der Ukraine will Wladimir Putin "russischen Boden zurückholen", wie er sagt. Seine Pläne rechtfertigt der russische Präsident immer wieder mit der russischen Geschichte. Vorbild ist Peter der Große, der das russische Reich vor etwa 300 Jahren mit brutalen Angriffskriegen weit ausgedehnt hat.

Wenn Wladimir Putin über den Krieg gegen die Ukraine spricht, wird deutlich, in welcher Gedankenwelt der russische Präsident lebt. Putin schlägt in diesen Momenten den ganz großen Bogen, begründet sein Vorgehen mit Jahrhunderte alter Geschichte und vergleicht sich inzwischen mit berühmten russischen Zaren wie Peter dem Großen, dessen 350. Geburtstag Russland am 9. Juni gefeiert hat.

Peter I. führte von 1700 bis 1721 den Großen Nordischen Krieg, gewann gegen die damalige Großmacht Schweden. Dadurch fielen Teile des damaligen Schwedens und das Baltikum an Russland - also das heutige Estland, Lettland und Litauen. Das Zarenreich gewann die Vorherrschaft im Ostseeraum. In Putins Augen hat Peter aber keinen Angriffskrieg geführt, sondern lediglich Gebiete zurückerobert, die Russland schon gehört hätten. Das ist seine Version der Geschichte.

Peter der Große kam mit 17 an die Macht

Peter der Große wurde als Peter Alexejewitsch am 9. Juni 1672 geboren - als Sohn des damaligen russischen Herrschers Alexei Michailowitsch. Als sein Vater vier Jahre später starb, wurde zunächst Peters Halbbruder Fjodor III. zum Zar ernannt. Nach Fjodors frühem Tod 1682 kam es zu Machtkämpfen und Aufständen um die Thronfolge, da die beiden anderen Kinder von Alexei - Peter und Iwan - noch nicht erwachsen waren. Zwar wurden die beiden Söhne nach dem Tod Fjodors zu Zaren ernannt, Regentin wurde aber Peters Halbschwester Sophia. 1689 schließlich kam Peter selbst an die Macht - mit 17 Jahren.

Er war sehr patriotisch und hoch motiviert, wollte Russland zur Großmacht aufbauen. Das Land war ihm zu rückständig, er wollte es nach westlichem Vorbild modernisieren, vor allem technologisch. Deshalb reiste er als Mitte Zwanzigjähriger durch Westeuropa, um sich Wissen anzueignen und Experten anzuheuern. Da Peter beim Schiffsbau großen Nachholbedarf sah, arbeitete er Ende des 17. Jahrhunderts mehrere Monate lang in einer niederländischen Werft. Dort studierte er die Konstruktion großer Segler, die er später in Russland nachbauen ließ.

Krieg, um "zurückzuholen und zu stärken"

Während seiner 42-jährigen Regentschaft als Zar ließ Peter der Große aber nicht nur seine Heimat modernisieren. Er führte eben auch Krieg, von 1700 bis 1721 griff Russland Schweden an. Zunächst lief es schlecht, 1709 wendete sich in der Schlacht bei Poltawa - in der heutigen Ukraine - das Kriegsgeschehen. 1721 endete der Krieg, aus dem Russland als Herrscher über den Ostseeraum hervorging. Peter der Große ließ während des Nordischen Kriegs sogar eine neue russische Hauptstadt direkt an der Ostsee errichten: Sankt Petersburg.

Doch das von den Russen eroberte Gebiet wurde damals von keinem europäischen Land als russisch anerkannt, obwohl dort viele Slawen gelebt hätten, erzählt Putin 300 Jahre später. Das sei nämlich der eigentliche Grund für den Feldzug von Peter dem Großen gewesen: Der Zar habe Krieg geführt, um die Regionen "zurückzuholen und zu stärken", meint Putin. Genau dasselbe hat der russische Präsident jetzt mit seinem Angriff in der Ukraine vor.

Wladimir Putin sieht sich in der Tradition der russischen Zaren. Er stellt sich auf eine Stufe mit Peter dem Großen, ist besessen von der russischen Geschichte und begründet damit seine Expansionsfantasien, die zu einer neuen Weltordnung führen sollen. Das hat der russische Präsident auch beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg deutlich gemacht. "Die Ära der unipolaren Weltordnung ist vorbei", sagte Putin. Die USA würden in Zukunft nicht mehr die Welt dominieren, stattdessen werde es eine multipolare Welt geben, mit "souveränen Staaten wie Russland" an der Spitze.

"Ziel ist die Ukraine, nicht nur der Donbass"

Putin will die Zeit zurückdrehen, das russische Großreich wieder aufbauen. Dafür muss er sich aber die Ukraine einverleiben, der er bei jeder Gelegenheit das Recht auf Unabhängigkeit abspricht: Jedes Land, jedes Volk, jede ethnische Gruppe müsse ihre eigene Souveränität garantieren können, behauptet Putin. Es gebe nur zwei Möglichkeiten, sagt er: Ein Land sei entweder souverän oder eine Kolonie. Für Putin ist die Ukraine eine Kolonie.

Vier Monate nach Kriegsbeginn ist der Plan, die Ukraine vollständig unter russische Kontrolle zu bringen, allerdings gescheitert: Russland hat sich aus weiten Teilen der Ukraine zurückgezogen, konzentriert seine Angriffe derzeit auf den Osten des Landes, den Donbass.

Dennoch bleibt die Eroberung der gesamten Ukraine das Ziel von Putin, ist Militärexperte Carlo Masala von der Bundeswehr-Universität in München im "stern"-Podcast "Ukraine - die Lage" überzeugt. "Man hat das große Ziel, die Besetzung der gesamten Ukraine, noch immer nicht aufgegeben. Man wird es vielleicht nicht jetzt machen. Man wird es machen, nachdem die Truppen regeneriert sind. Es wird dauern. Aber das Ziel ist die Ukraine und nicht nur der Donbass."

Putin ist ein Imperialist, der die Grenzen des heutigen Russlands nicht akzeptiert. Das hat er mit Peter dem Großen gemeinsam, der seinen Titel nach dem gewonnenen Nordischen Krieg gegen die Schweden passenderweise von Zar in Imperator änderte. Eine Bezeichnung, die 300 Jahre später wahrscheinlich auch Wladimir Putin gefallen würde.

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(Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 22. Juni 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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