Politik

"Nicht auf Kosten Deutschlands" Polen rudert bei US-Truppenaufnahme zurück

imago0097364376h.jpg

US-Truppen in Polen: Das würde die Ostflanke der Nato stärken, meint man in Warschau.

(Foto: imago images/BildFunkMV)

US-Präsident Trump will wohl Tausende Soldaten aus Deutschland abziehen. Profiteur des Truppenabzugs könnte Polen werden - doch dort will man nicht den Nutznießer spielen.

Polens Regierung wünscht sich zwar mehr US-Soldaten im Land, wäre aber dagegen, diese aus Deutschland abzuziehen. "Polen bemüht sich seit Langem um eine Erweiterung der US-Militärpräsenz aus seinem Gebiet. Es ist aber nicht unsere Absicht, dieses Ziel auf Kosten einer Reduzierung des US-Kontingents in Deutschland zu erreichen", sagte Regierungschef Mateusz Morawiecki der baltischen Nachrichtenagentur BNS. Medienberichten zufolge will US-Präsident Donald Trump 9500 der rund 34.500 US-Soldaten aus Deutschland abziehen. Eine offizielle Bestätigung gibt es bislang noch nicht. Die US-Soldaten könnten dann im Nachbarland Polen stationiert werden.

Nach Bekanntwerden der Trump-Pläne hatte Morawiecki noch in der vergangenen Woche einem polnischen Radiosender gesagt, er hoffe, dass ein Teil der US-Soldaten aus Deutschland in sein Land verlegt werden würde. Das würde die Ostflanke der Nato stärken und der Sicherheit von ganz Europa nützen. Nun relativierte er diese Äußerungen.

Polens Außenminister Jacek Czaputowicz sagte im litauischen Vilnius nach einem Treffen mit seinen baltischen Amtskollegen, man sei der gemeinsamen Ansicht, dass die Anwesenheit von US-Truppen in Europa das Abschreckungs- und Verteidigungspotenzial der Nato erhöhe. "Das bedeutet, dass wir nicht glauben, dass diese Entscheidung zur Reduzierung der in Deutschland stationierten Truppen (...) zu unserer Sicherheit beiträgt", so Czaputowicz.

Maas: "Es ist kompliziert"

Die Pläne der USA für einen Abzug sind laut Bundesaußenminister Heiko Maas in der US-Regierung nicht optimal abgestimmt. "Also da scheint es noch viel Gesprächsbedarf innerhalb der amerikanischen Regierung zu geben", sagte Maas im ZDF. Der SPD-Politiker deutete an, dass es in der Trump-Administration einzelne Personen gebe, die sich darüber ärgerten, wie die Entscheidung getroffen worden sei. Angesprochen auf die amerikanisch-deutschen Beziehungen sagte der SPD-Politiker: "Na ja, also ich würde mal sagen, es ist kompliziert."

Der bisherige US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, und der republikanische Präsident hatten im vergangenen Jahr mit einem Abzug gedroht. Begründet wurde das auch mit den deutschen Militärausgaben, die trotz Erhöhung noch weit unter dem Nato-Ziel von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen.

Gelegenheit, um sich mit Polen abzustimmen, hat Maas bereits am Dienstag. Dann reist er zu Gesprächen mit Czaputowicz nach Warschau. Das Treffen dient unter anderem zur Vorbereitung der am 1. Juli beginnenden deutschen EU-Ratspräsidentschaft.

Quelle: ntv.de, mba/dpa