Politik
Donnerstag, 12. August 2010

Agent in Deutschland: Polen übergibt Mossad-Mann

Im Januar ermorden mutmaßliche Mossad-Agenten einen Hamas-Führer in einem Luxus-Hotel in Dubai. Nur einer der Verdächtigten wird gefasst. Jetzt liefert Polen den Mann an Deutschland aus. Hier drohen ihm bis zu fünf Jahren Haft - wegen Fälschung.

Uri B. war zuletzt in Warschau.
Uri B. war zuletzt in Warschau.(Foto: dpa)

Polen hat einen mutmaßlichen Agent en des israelischen Geheimdienstes Mossad, der an den Vorbereitungen für das Attentat auf einen Hamas-Führer in Dubai beteiligt gewesen sein soll, an Deutschland ausgeliefert. Uri B. sei der deutschen Polizei übergeben worden, sagte ein Polizeisprecher der polnischen Nachrichtenagentur PAP.

Ein Berufungsgericht in Warschau hatte vor einer Woche die Überstellung des Mannes für zulässig erklärt. Er kann in Deutschland nur wegen Falschbeurkundung und Fälschung, nicht aber wegen geheimdienstlicher Tätigkeit angeklagt werden.

Attentatsvorbereitungen in Deutschland

Der angebliche Mossad-Agent war am 4. Juni am Flughafen in Warschau festgenommen worden. Der mit europäischem Haftbefehl gesuchte Mann steht im Verdacht, von Deutschland aus Vorbereitungen für das spektakuläre Attentat auf einen Hamas-Führer Anfang dieses Jahres getroffen zu haben. Israel hatte die Freilassung seines Staatsbürgers gefordert.

Kurz vor der Übergabe auf dem Rollfeld.
Kurz vor der Übergabe auf dem Rollfeld.(Foto: AP)

Die Anwältin von Uri B. sagte, ihrem Mandanten drohe eine Haftstrafe von höchstens drei Jahren. Bei einer Verurteilung wegen Spionage hätte er mit bis zu fünf Jahren Haft rechnen müssen.

Der Hamas-Funktionär Mahmud al-Mabhuh, der für die radikal- islamische Palästinenserbewegung Waffen beschafft haben soll, war am 19. Januar in seinem Zimmer in einem Luxus-Hotel in Dubai betäubt und erstickt worden. Ermittler in Dubai gehen davon aus, dass der Geheimdienst Mossad hinter dem Mord steckt. Israel bestreitet das. Die mutmaßlichen 27 Männern und Frauen des Mordkommandos hatten neben gefälschten britischen Pässen auch einen Pass aus Deutschland benutzt.

Alle anderen untergetaucht

Von den international gesuchten Verdächtigen wurde bislang allein Uri B. gefasst. Er soll im Frühjahr 2009 einem anderen mutmaßlichen Mossad-Agent en geholfen haben, beim Einwohnermeldeamt Köln einen deutschen Reisepass zu beantragen. Mit dem auf den Namen Michael Bodenheimer ausgestellten Pass war einer der mutmaßlichen Mörder in Dubai kurz vor dem Anschlag ein- und kurz danach wieder ausgereist.

Quelle: n-tv.de