Politik

Hohe Erwartungen an Gauck Präsidentenalltag beginnt Montag

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Gauck hatte darum gebeten, ihn nicht mit Vorschusslorbeer zu überhäufen.

(Foto: dpa)

Niemand zweifelt daran, dass Joachim Gauck am Sonntag zum neuen Bundespräsidenten gewählt wird. Natürlich will Gauck Präsident fast aller Deutschen sein. Fast, denn sein Beliebtheitsgrad unterscheidet sich im Osten von jenem im Westen dramatisch. Mit der Überzeugungsarbeit kann Gauck schon am Montag beginnen.

Große Erwartungen begleiten auf seinem Weg in das Amt des Bundespräsidenten. 59 Prozent der Bürger denken, dass es dem parteilosen Theologen nach der als sicher geltenden Wahl am Sonntag gelingen wird, Vertrauen in die Politik zurückzugewinnen. 33 Prozent sind allerdings der Meinung, dass er dies nicht schaffen wird. Das ergab der "Deutschlandtrend" von Infratest dimap im Auftrag der ARD.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast glaubt, dass Gauck dem Amt "Würde und Sinn" geben wird. "Ich hoffe, dass Joachim Gauck aus dem Amtssitz des Bundespräsidenten einen Ort der Debatte macht", sagte sie weiter. Er sei in der Lage zuzuhören und eigene Meinungen auch zu verändern. Fraktionschef Jürgen Trittin meinte, Gauck sei ein streitbarer Demokrat. Er trete für Freiheit in Verantwortung ein. Dies sei "etwas anderes als Markt-Radikalismus".

Auch die Wirtschaft setzt große Hoffnungen in den früheren evangelischen Pastor aus dem Osten. "Er ist ein Fürsprecher der sozialen Marktwirtschaft", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Hans Heinrich Driftmann, dem "Handelsblatt". Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, Michael Hüther, erhofft sich von Gauck Impulse für den Zusammenhalt in der Gesellschaft.

Überblick von ganz oben

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Für die Wahl des neuen Bundespräsidenten wird der Plenarsaal geputzt, geräumt und komplett neu bestuhlt.

(Foto: dpa)

Bei der Bundesversammlung am Sonntag wird Gauck zunächst auf der Ehrentribüne im Reichstag sitzen. Erst wenn er gewählt ist, soll er in den Plenarsaal herunter kommen, wie es am Freitag in der Bundestags-Pressestelle hieß. Der 72-Jährige wird von CDU, CSU, SPD, FDP und den Grünen unterstützt. Die von der Linken aufgestellte Gegenkandidatin Beate Klarsfeld sitzt dagegen gleich in den Reihen der Linken-Delegierten, zu denen sie selbst gehört.

Die Linke hofft dabei auf Stimmen für ihre Kandidatin auch aus anderen Parteien. "Frau Klarsfeld tritt nicht als eine Frau an, die die Politik der Linken vertritt, sondern als eigenständige Persönlichkeit", sagte Ex-Parteichef Oskar Lafontaine Lafontaine. Die Linkspartei kann 124 Wahlleute in die Bundesversammlung entsenden, ein Delegierter wird jedoch voraussichtlich wegen Krankheit fehlen.

Arbeit beginnt am Montag

Voraussichtlich am Montag soll der neue Bundespräsident in sein Amt eingeführt werden. Dabei wird er die Amtsgeschäfte im Schloss Bellevue von Bundesratspräsident Horst Seehofer übernehmen, der seit dem Rücktritt Wulffs als Staatsoberhaupt amtiert. Am Nachmittag wird der Neue mit den Mitarbeitern des Präsidialamtes zusammentreffen.

Die Vereidigung des neuen Bundespräsidenten vor Bundestag und Bundesrat ist für den Freitag nächster Woche vorgesehen. Offiziell im Amt ist er aber bereits, sobald er die Wahl durch die Bundesversammlung am Sonntagnachmittag annimmt. Am Dienstag wird das neue Staatsoberhaupt in Leipzig erwartet und am Festakt zum 800-jährigen Bestehen des Thomanerchors teilnehmen.

Viele Ostdeutsche würden Gauck nicht wählen

Gauck stammt aus dem Osten, aber er ist dort deutlich weniger beliebt als im Westen. Nur 37 Prozent der Ostdeutschen würden dem früheren DDR-Bürgerrechtler an diesem Sonntag ihre Stimme geben, wenn der Bundespräsident direkt gewählt würde. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Instituts YouGov im Auftrag der "Bild"-Zeitung hervor. Demnach würden 42 Prozent der Befragten Gauck nicht wählen, 21 Prozent zeigten sich unentschlossen. Bei einer Direktwahl in Westdeutschland käme Gauck hingegen auf eine Mehrheit von 48 Prozent. 31 Prozent würden ihm laut Umfrage die Unterstützung verweigern. In ganz Deutschland würde Gauck 46 Prozent der Stimmen erhalten.

Quelle: n-tv.de

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