Politik

Punkband trotzt Einschüchterung Pussy Riot veröffentlicht Sotschi-Video

Die Olympischen Spiele sind nach eigenem Verständnis kein Ort für politische Botschaften. Dass dies höchstens ein frommer Wunsch ist, demonstriert Pussy Riot. Die Band veröffentlicht trotz unangenehmer Auseinandersetzungen ein in Sotschi gedrehtes Musik-Video.

PussyRiotSotschiVideo.JPG

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) kritisierte die Verwendung der Olympia-Ringe in dem regierungskritischen Video von Pussy Riot.

(Foto: YouTube )

Trotz mehrfacher Festnahmen und Übergriffen in der russischen Olympiastadt Sotschi hat die Kreml-kritische Punkband Pussy Riot ein neues Musikvideo veröffentlicht. In dem nun im Internet verfügbaren Lied "Putin bringt dir bei, die Heimat zu lieben" prangern die Aktivistinnen das beispiellose Polizeiaufgebot am Schwarzen Meer sowie die Rekordausgaben von etwa 37,5 Milliarden Euro für die Olympischen Winterspiele an. Das sportliche Großereignis gilt als Prestigeprojekt von Präsident Wladimir Putin.

Der rund zweieinhalb Minuten lange Clip zeigt, wie ein uniformierter Kosake in Sotschi mit einer Peitsche brutal auf die mit Strickmasken getarnten Frauen einschlägt. Die Kosaken betrachten sich selbst als Hilfspolizisten. "So sieht die russische Wirklichkeit außerhalb der Olympia-Anlagen aus", sagte Maria Aljochina von Pussy Riot. Die Gruppe warf den Behörden vor, die im Auftrag des Kreml handelnden Kosaken für ihre Angriffe auf friedliche Bürger nicht zur Verantwortung zu ziehen.

"Wir sind hier unerwünscht"

Zudem kritisierten Pussy Riot die Inhaftierung des Umweltschützers und Olympia-Kritikers Jewgeni Witischko, der nach einer Protestaktion gegen den Gouverneur von Krasnodar zu drei Jahren Straflager verurteilt wurde. Jede freie Meinungsäußerung werde im Olympia-Gastgeberland verhindert, sagte Nadeschda Tolokonnikowa. "Wir sind hier unerwünscht", sagte sie in Sotschi, während kremltreue Protestierende mit Handgreiflichkeiten und lauten Schreien versuchten, ihre Straßengespräche mit Journalisten zu stören.

Tolokonnikowa und Aljochina waren am 23. Dezember im Zuge einer Amnestie nach fast zwei Jahren im Straflager vorzeitig entlassen worden. Sie waren nach einem Anti-Putin-Protest in einer Moskauer Kathedrale zu zwei Jahren Haft verurteilt worden.

"Putin bringt dir bei, die Heimat zu lieben" ("Putin nautschit tebja ljubit rodinu") heißt es immer wieder ironisch im Refrain. Die Aktivistinnen waren in Sotschi vor einigen Tagen wegen angeblichen Diebstahls von der Polizei abgeführt und nach eigener Darstellung misshandelt worden. Sie wurden jedoch wenig später wieder freigelassen.

IOC kritisiert Verwendung von Olympia-Symbolen

Die Organisation Cinema for Peace (Kino für den Frieden), die Pussy Riot unterstützt, beklagte, dass Regierungskritiker keinen Zugang zu den Olympiaanlagen hätten. "Olympische Spiele sollten ein Ort des friedlichen Miteinanders sein, an dem Meinungsfreiheit respektiert wird", sagte Jaka Bizilj, der Gründer von Cinema for Peace, in Sotschi. Pussy Riot will an diesem Freitag in Moskau an einem Prozess teilnehmen, bei dem mehrere Gegner von Präsident Putin nach gewaltsam aufgelösten Protesten vom 6. Mai 2012 verurteilt werden sollen.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) kritisierte die Verwendung olympischer Symbole im kremlkritischen Video. In dem Clip tanzt die Band vor den Olympia-Ringen. "Die Spiele sollten nicht politisch missbraucht werden", sagte IOC-Sprecher Mark Adams. Er zeigte sich zwar besorgt über die jüngste Gewalt gegen die Frauen, nannte aber einen möglichen Auftritt der Band auf dem Olympiagelände "völlig inakzeptabel", da ihre Anliegen "nichts mit den Olympischen Spielen zu tun" hätten.

Quelle: n-tv.de, bwe/dpa