RTL/ntv-TrendbarometerWüst oder Söder? Wähler haben klaren Kanzler-Favoriten

Bundeskanzler Merz bleibt im Amt, doch seine Autorität ist angeknackst und seine Beliebtheit im Keller. Die Nachfolge-Diskussion läuft seit Wochen. Das Trendbarometer zeigt eine klare Tendenz.
Wie lange hält sich Friedrich Merz noch als Bundeskanzler? Die Debatte darüber flammte vor und nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin auf und hat sich vorerst etwas beruhigt - auch weil die möglichen Kandidaten Markus Söder und Hendrik Wüst sich gegenseitig blockiert haben sollen.
Doch wen hätten die Menschen im Land lieber? Das Trendbarometer von RTL/ntv bringt einen klaren Favoriten zum Vorschein: Hendrik Wüst, Ministerpräsident und CDU-Chef von Nordrhein-Westfalen. 47 Prozent halten ihn für das Amt des Bundeskanzlers geeignet. Vom bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef Söder sagen das nur 26 Prozent. Auch innerhalb der Unionsparteien sind die Verhältnisse ähnlich. 57 Prozent der Wähler von CDU/CSU halten Wüst für tauglich, bei Söder sind es nur 41 Prozent.
Wüst verfügt auch im eigenen Bundesland über deutlich mehr Rückhalt. 50 Prozent können ihn sich in NRW als Kanzler vorstellen, in Bayern sagen das nur 37 Prozent von Söder. In den alten Bundesländern meint ebenfalls die Hälfte der Befragten (49 Prozent), Wüst könne Kanzler. Söder trauen das dagegen nur 25 Prozent zu. Aber auch im Osten kommt der Franke nicht über 30 Prozent hinaus, Wüst erreicht dagegen 34 Prozent.
Ähnlich sieht es aus, wenn man auf verschiedene Altersgruppen schaut. Söder überzeugt weder bei Jung, Alt oder mittleren Alters mehr als 30 Prozent, Wüst dagegen immer.
Söder hat einen Trumpf
Damit ist die Frage aber noch nicht abschließend beantwortet. Denn ein Kanzlerkandidat der Union müsste angesichts der schrumpfenden Stammwählerschaft auch andere Wählergruppen überzeugen. Söder hätte hier Vorteile bei AfD-Anhängern. Dort halten ihn 28 Prozent für kanzlertauglich. Wüst verfängt bei den Wählern der Weidel-Partei dagegen so gut wie gar nicht. Bei ihnen kommt er nur auf 8 Prozent.
Wüst spricht dagegen Wählerinnen und Wähler links der Mitte an. Und wie: Bei den Grünen fliegen ihm regelrecht die Herzen zu. 63 Prozent halten ihn für das höchste Regierungsamt befähigt. Das könnte damit zu tun haben, dass Wüst in Nordrhein-Westfalen eine schwarz-grüne Koalition führt. Aber auch 58 Prozent der SPD-Anhängerschaft meinen, er könnte es. Bemerkenswert: Das sind jeweils höhere Werte als bei CDU/CSU. Selbst 37 Prozent der Linken-Wähler können Wüst etwas abgewinnen. Werte, die an Angela Merkel erinnern.
Söder fällt dagegen bei diesen Parteien glatt durch. Ein paar Freunde hat er noch unter SPD-Wählern (21 Prozent), bei Grünen (9 Prozent) und Linken (12 Prozent) muss man sie dagegen suchen. Vor allem der schwache Zuspruch der Grünen überrascht kaum. Söder hatte sich lange auf den früheren Wirtschaftsminister Robert Habeck als Feindbild eingeschossen.
Wüst dürfte bei einer Wahl also die besseren Chancen haben. Es wäre aber eine Rückkehr zur alten Merkel-Strategie vor allem Wähler der Mitte anzusprechen. Das langjährige Ziel der Unionsparteien, AfD-Wähler zurückgewinnen wäre mit Wüst dagegen wohl aussichtslos. Söder hätte hier bessere Chancen - aber zumindest angesichts dieser Umfrage wäre das sein einziger Vorteil.
Repräsentative Umfrage | Die Daten zum RTL/ntv-Trendbarometer wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von RTL Deutschland zwischen dem 2. und 5. Oktober erhoben. Datenbasis: 1002 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: plus/minus 3 Prozentpunkte.
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