RTL/ntv-TrendbarometerUnzufriedenheit mit Merz erreicht Allzeithoch, AfD holt Union ein
Die Unzufriedenheit mit Bundeskanzler Friedrich Merz erreicht neue Höhen im RTL/ntv Trendbarometer. CDU/CSU sind wegen des Zuspruchs zur AfD nicht mehr allein stärkste Kraft. Schlechte Nachrichten ereilen auch SPD und BSW.
Die wachsende Unsicherheit angesichts von Energiepreissprüngen und einer weiter kriselnden deutschen Wirtschaft zahlen offenbar auf das Konto der AfD ein: Die Partei kann nach ihren Stimmverlusten Anfang März erneut einen Prozentpunkt zulegen und rangiert nunmehr gleichauf mit CDU und CSU. Die Beliebtheit von Bundeskanzler Friedrich Merz erreicht derweil ein Allzeittief. Die SPD verharrt die vierte Woche in Folge auf ihrem Allzeittief von nur 12 Prozent, während die FDP die fünfte Woche in Folge bei weniger als 3 Prozent rangiert und damit vom Umfrageinstitut Forsa nicht gesondert ausgewiesen wird.
Dasselbe Schicksal wie die FDP ereilt in dieser Woche auch das BSW: Die von und um Sahra Wagenknecht gegründete Partei liegt nun ebenfalls unter 3 Prozent Zustimmung. Die Werte des BSW fallen deshalb wie bei der FDP nun in die Gruppe der sonstigen Parteien, die damit bei zusammen 11 Prozent liegen - 2 Punkte mehr als noch vor Ostern. Der Anteil der Nichtwähler und Unentschlossenen liegt mit 26 Prozent weiter deutlich über dem Anteil der Nichtwähler bei der vergangenen Bundestagswahl (17,9 Prozent).
Würde der Bundestag in dieser Woche gewählt, könnten die Parteien dem RTL/ntv-Trendbarometer zufolge mit folgendem Ergebnis rechnen:
CDU/CSU 26 Prozent (Bundestagswahl 2025: 28,5 Prozent)
AfD 26 Prozent (20,8 Prozent)
SPD 12 Prozent (16,4 Prozent)
Grüne 15 Prozent (11,6 Prozent)
Linke 10 Prozent (8,8 Prozent)
Bei der vergangenen Bundestagswahl kam das BSW noch auf 4,981 Prozent der Zweitstimmen, die FDP lag damals bei 4,3 Prozent. Beide Parteien kämpfen mit innerparteilichen Zerwürfnissen und haben bei den drei Landtagswahlen im September nur geringe Aussichten auf Mandate in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern - nachdem beiden im März schon in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz der Parlamentseinzug verfehlt wurde.
Die SPD, bei der sich Parteichef Lars Klingbeil Ende März mit einer Grundsatzrede an einem Befreiungsschlag versucht hatte, stagniert auf für sie gefährlichem Niveau: Im aktuellen RTL/ntv Trendbarometer liegen die Grünen mit unverändert 15 Prozent deutliche drei Prozentpunkte vor den Sozialdemokraten, die Linke sitzt mit weiterhin 10 Prozent Zustimmung der SPD im Nacken.
Die Entwicklung der Zustimmungswerte spiegelt sich in der zugeschriebenen politischen Kompetenz, wo sich Union und AfD ebenfalls annähern. CDU und CSU fallen um einen Punkt auf 16 Prozent, während die AfD bei der Frage, welche Partei "mit den Problemen in Deutschland am besten fertig" wird, auf 13 Prozent kommt - das ist ein Punkt mehr als in der Vorwoche.
Auf Platz drei folgen die Grünen, die ebenfalls einen Punkt mehr als in der Vorwoche erreichen und bei 8 Prozent landen. Die SPD nennen - wie den gesamten März über - nur 4 Prozent der Befragten. Die Linke kommt unverändert auf 3 Prozent. Keiner Partei trauen 53 Prozent Problemlösungskompetenz zu, ein Prozentpunkt weniger als in der Vorwoche.
Kein Ostergeschenk behält das Trendbarometer für den Bundeskanzler bereit, eher ein faules Ei: Das Ansehen von Friedrich Merz fällt in der von Forsa erhobenen Umfrage auf ein Allzeittief, beziehungsweise steigt die Unzufriedenheit mit der Arbeit des Sauerländers auf ein Allzeithoch. Nur noch 20 Prozent der Befragten gaben an, "mit der Arbeit von Bundeskanzler Merz zufrieden" zu sein, drei Prozentpunkte weniger als in der Vorwoche. Dagegen stieg der Anteil der Unzufriedenen um drei Punkte auf nunmehr 78 Prozent.
Selbst unter Wählern von CDU und CSU ist mit einem Anteil von 57 Prozent nur noch eine knappe Mehrheit mit der Regierungsarbeit des CDU-Vorsitzenden zufrieden. 42 Prozent derjenigen, die zur Bundestagswahl noch eine der beiden Unionsparteien gewählt hatten, sind dagegen unzufrieden mit Merz. Unter den SPD-Anhängern liegt der Unzufriedenen-Anteil bei 71 Prozent, bei den Grünen-Anhängern bei 87 Prozent und bei den Anhängern von Linke und AfD bei jeweils 96 Prozent.
Seit Juni hat Merz seine Zufriedenheitswerte damit mehr als halbiert. Damals waren im Schnitt noch 42 Prozent der Befragten zufrieden mit Merz, der als Oppositionsführer den damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz wegen dessen Unbeliebtheit aufgezogen hatte. So schlechte Werte wie für Merz hatte das RTL/ntv Trendbarometer aber zu keinem Zeitpunkt für Scholz gemessen, schon gar nicht während seines ersten Amtsjahrs.
Im Zuge des Kriegs der USA und Israels gegen Iran ist der Anteil der Befragten, die eine Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland erwarten, erneut gesunken: Nur noch 13 Prozent sind zuversichtlich, nach 15 Prozent in der Vorwoche. Unveränderte 66 Prozent erwarten, dass sich die wirtschaftlichen Verhältnisse verschlechtern werden. Keine Veränderung erwarten 18 Prozent, ein Punkt mehr als in der Vorwoche.
Hierzu passt eine Sonderumfrage im Trendbarometer: Nur 27 Prozent der Befragten trauten nach eigenen Angaben der Bundesregierung zu, "die derzeit schwierige wirtschaftliche Lage in Deutschland zu bewältigen". 72 Prozent dagegen trauten dies Schwarz-Rot nicht zu. Selbst unter Unionsanhängern ist die Zuversicht verhalten: Nur 56 Prozent sprachen ihr Zutrauen aus. Unter den SPD.-Anhängern ist eine Mehrheit von 62 Prozent optimistisch. Die Wähler der übrigen Parteien trauen der Bundesregierung mit jeweils deutlicher Mehrheit nicht zu, die schwierige wirtschaftliche Lage zu bewältigen.
Bei der Frage nach den wichtigsten Themen nannte rund jeder zweite Befragte (51 Prozent) den Iran-Krieg, gefolgt von der wirtschaftlichen Lage mit 38 Prozent. Die Spritpreise nannten 19 Prozent und die Bundesregierung fanden 17 Prozent wichtig. Ebenfalls zweistellig rangieren der Ukraine-Krieg (15 Prozent), die Situation in den USA (12 Prozent), Kriege und Konflikte allgemein (11 Prozent) und die Reform der Krankenkassen (10 Prozent). Der in der Ostsee gestrandete Wal kommt auf 9 Prozent. Die Themen Zuwanderung und Klima kommen ebenfalls vor mit einem Anteil von jeweils 5 Prozent.
Die Daten zum RTL/ntv-Trendbarometer wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von RTL Deutschland zwischen dem 31. März und 2. April erhoben. Datenbasis: 1503 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: plus/minus 2,5 Prozentpunkte. Die Sonderumfrage zur schwierigen wirtschaftlichen Lage wurde zwischen dem 1. und 2. April erhoben. Datenbasis: 1009 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: plus/minus 3 Prozentpunkte.
