Politik

Milane für die Kurden Rakete am Draht

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Alt, aber nicht veraltet: die Panzerabwehrwaffe "Milan".

(Foto: dpa)

In der nächsten Woche will die Bundesregierung entscheiden, welche Waffen sie den Kurden im Irak liefert. Wahrscheinlich dabei: das vierzig Jahre alte Panzerabwehrsystem "Milan".

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Deutsche Waffen an Kurden - finden Sie das richtig?

Seit Mittwoch ist klar: Deutschland wird Waffen an die Kurden liefern, die im Irak gegen die Dschihadistengruppe "Islamischer Staat" kämpfen. Die kurdischen Truppen hoffen vor allem auf Waffen, mit denen sie Panzerfahrzeuge stoppen können. Infrage kommen da unter anderem Raketen des Typs "Milan".

Die "Milan" ist eine tragbare Panzerabwehrwaffe, die Anfang der 1970er Jahre von dem deutsch-französischen Konsortium Euromissile entwickelt wurde, das mittlerweile im europäischen Rüstungskonzern MBDA aufgegangen ist. Die nur 28 Kilogramm schwere Waffe kann bis zu 70 Zentimeter dicken Panzerstahl durchschlagen und ist auf einer Distanz von 300 bis 2000 Metern einsatzfähig. Abgeschossen wird die Rakete von einem dreibeinigen Startgestell, sie kann aber auch auf Schützenpanzer und andere Fahrzeuge montiert werden.

Zu den "Milan"-Raketensystemen gibt es Wärmebildgeräte, so dass die Waffe auch nachts oder bei schlechter Sicht eingesetzt werden kann. Die Rakete startet nach Angaben der Bundeswehr mit einer Geschwindigkeit von 75 Metern pro Sekunde. Im Flug wird sie durch vier Flügel stabilisiert, die nach dem Start ausklappen. Gesteuert wird die Rakete mit einem sogenannten Lenkdraht, einem dünnen Kupferdraht in der Rakete, der sich während des Flugs abspult und den Flugkörper mit dem Startrohr verbindet - ganz ähnlich wie die alten Spielzeugautos, die nicht per Funk, sondern über ein Kabel ferngesteuert wurden.

Die Lenkung ist simpel: Während der gesamten Flugdauer der Rakete - bei 2000 Metern sind es gut 12 Sekunden - muss der Schütze das Ziel durch das Fadenkreuz anvisieren. "Die Tätigkeit des Schützen beschränkt sich darauf, das Fadenkreuz während der Flugzeit des Flugkörpers auf dem Ziel zu halten", heißt es in einem Werbevideo, das bei Youtube zu sehen ist und offenbar aus den siebziger oder achtziger Jahren stammt. Der Vorteil ist, dass der Schütze bis zum Schluss die Kontrolle behält. Der Nachteil ist, dass er selbst zum Ziel werden kann.

Experten zufolge ist die Bedienung von "Milan"-Raketen vergleichsweise einfach. Dennoch würden die kurdischen Kämpfer eine Einweisung brauchen, wenn das System tatsächlich geliefert werden sollte. Die Bundeswehr verfügt über 1600 Panzerabwehrwaffen dieses Typs und setzt sie in Afghanistan ein.

"Milan" ist alt, aber nicht veraltet: Die Technologie drahtgelenkter Panzerabwehrwaffen stammt aus den 1960er Jahren, ist aber bis heute weltweit im Einsatz. Mehr als 10.000 "Milan"-Systeme und 350.000 Lenkflugkörper wurden dem Hersteller zufolge in über 40 Länder geliefert, darunter Ägypten, Frankreich und Großbritannien. In den Bürgerkriegen in Syrien und in Libyen sollen "Milan"-Raketen ebenfalls eingesetzt worden sein - auch von den Dschihadisten der IS.

Ob am Ende tatsächlich "Milan"-Raketen geliefert werden, soll bis zum kommenden Mittwoch entschieden werden. Dazu liefen derzeit interne Gespräche sowie Abstimmungen mit den Nato-Partnern, heißt es aus dem Verteidigungsministerium.

Quelle: ntv.de