Politik

Geheimdienst zerstört Zeitungsfestplatten Regierung droht nach Snowden-Enthüllungen

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Der "Guardian" veröffentlichte in den vergangenen Wochen das brisante Material.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Die Briten fahren scharfe Geschütze auf: Als Reaktion auf unliebsame Enthüllungen von Edward Snowden in der Zeitung "Guardian" besuchen Geheimdienstler die Redaktion. Die Gäste reden nicht viel, sie hinterlassen Elektroschrott.

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"Guardian"-Chefredakteur Alan Rusbridger beschwert sich über das Vorgehen der Regierung.

(Foto: REUTERS)

Großbritanniens Regierung hat offenbar Festplatten der Zeitung "Guardian" zerstören lassen, auf denen sie Dokumente des Whistleblowers Edward Snowden vermutete. Das schrieb der "Guardian"-Chefredakteur Alan Rusbridger auf der Website des Blattes. Damit wirft er die grundsätzliche Frage auf, wie frei die Presse wirklich ist und wie groß der Spielraum für Eingriffe des Staates sein darf.

Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes hätten bereits vor einigen Wochen von der Zeitung gefordert, die Dokumente Snowdens über die staatlichen Spähprogramme der USA zu zerstören oder auszuhändigen. Die Regierung drohte laut Rusbridger auch mit juristischen Konsequenzen. "Ihr hattet euren Spaß. Nun wollen wir das Zeug zurückhaben", hätten sie erklärt.

In der Londoner Redaktion seien schließlich Datenträger zwangsweise vernichtet worden. "Und so kam es letztlich zu einem der bizarrsten Momente in der langen Geschichte des 'Guardian'", schreibt Rusbridger. Unter Aufsicht von zwei Experten des britischen Geheimdienstes seien im Keller des Zeitungsgebäudes Festplatten zerstört worden. Ein Geheimdienst-Mitarbeiter habe danach gewitzelt, man könne dann wohl den schwarzen Helikopter zurückrufen.

"Guardian" pocht auf journalistische Pflichten

Der "Guardian"-Journalist Glenn Greenwald hatte in den vergangenen Wochen wiederholt Dokumente Snowdens veröffentlicht, wodurch umfangreiche Ausspähungen des US-Geheimdienstes NSA bekannt wurden. Die Veröffentlichungen haben die US-Regierung im In- und Ausland stark unter Druck gesetzt.

Rusbridger schrieb, er habe bei einem Treffen britischen Offiziellen gesagt, der "Guardian" könne seinen journalistischen Pflichten nicht nachkommen, wenn er der Forderung der Regierung nachgebe. Daraufhin habe ein Mitarbeiter der Regierung geantwortet, die Zeitung habe bereits ihr Ziel erreicht, eine Debatte über Ausspähungen auszulösen. "Ihr habt eure Debatte gehabt. Es gibt keinen Grund, jetzt noch mehr zu veröffentlichen."

Bereits am am Sonntag hatten britische Behörden hart auf dem Flughafen London-Heathrow durchgegriffen: Sie nahmen den brasilianischen Lebenspartner Greenwalds unter Verweis auf ein Anti-Terror-Gesetz für neun Stunden fest. Die Regierung Brasiliens hat dagegen Beschwerde eingelegt. Greenwald hatte das britische Vorgehen als Versuch der massiven Einschüchterung bezeichnet und am Montag neue Veröffentlichungen über die Spionageaktivitäten Großbritanniens angekündigt.

Miranda klagte, er sei wie ein Verbrecher behandelt worden. Polizisten hätten ihm sogar mit Gefängnis gedroht. Die Polizei hingegen bezeichnete die Befragung des 28-Jährigen als "notwendig und angemessen".

Quelle: ntv.de, jtw/rts/AFP/dpa

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