Politik

Vierte Pisa-Studie "Riesenfortschritte" in Deutschland

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Am Dienstag wird die vierte Pisa-Studie vorgestellt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Aus dem einstigen Pisa-Sorgenkind Deutschland scheint ein echter Musterschüler zu werden. Besonders in Sachen Bildungsangebote für Vorschulkinder gibt es Lob für das Land der Dichter und Denker. Ob dies mit den gestiegenen Bildungsausgaben zusammenhängt ist jedoch umstritten.

Kurz vor der Veröffentlichung der neuen internationalen PISA-Studie hat der internationale Koordinator der Studie der deutschen Bildungspolitik "Riesenfortschritte" bescheinigt. Früher habe er in Deutschland Empörung ausgelöst, wenn er Bildungsangebote schon im Kindergarten vorschlug, sagte PISA-Koordinator Andreas Schleicher der Wochenzeitung "Die Zeit". Inzwischen bestreite auch in Deutschland niemand mehr die Notwendigkeit frühkindlicher Bildung.

Zudem gebe es auch in Deutschland mittlerweise Bildungsstandards, für die er schon vor Jahren plädiert habe, betonte Schleicher mit Verweis auf das Zentralabitur in Nordrhein-Westfalen. Positiv wertete er auch, dass sich bei der Schulstruktur das Zweisäulenmodell durchsetze.

Die PISA-Studien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nimmt die Leistungen 15-jähriger Schüler im Lesen, in der Mathematik und den Naturwissenschaften unter die Lupe. Das mittelmäßige Abschneiden deutscher Schüler vor allem bei der ersten Veröffentlichung im Jahr 2001 hatte heftige Debatten ausgelöst. Am kommenden Dienstag wird weltweit die vierte internationale Pisa-Studie veröffentlicht. Die Daten dafür wurden 2009 erhoben.

Bildungsausgaben steigen, Lehrer sind knapp

Ob sich die Politik auf die Schulter klopfen kann, ist trotzdem umstritten. Die öffentlichen Ausgaben für Bildung werden in diesem Jahr erstmalig die Grenze von 100 Milliarden Euro übersteigen. Der Bildungsfinanzbericht des Statistischen Bundesamtes weist für 2010 Bildungsausgaben in Höhe von 102,8 Milliarden Euro von Bund, Ländern und Kommunen aus. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) erklärte dazu, dies sei ein "hervorragendes Signal für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes". Gegenüber 2009 (98,9 Milliarden Euro) sind die Ausgaben demnach um fast vier Milliarden Euro gestiegen.

Nach dem Bundesfinanzbericht waren 2009 4,1 Prozent des BIP für Bildung ausgegeben worden. 2008 waren es 3,7 Prozent gewesen und 2007 3,8 Prozent. Eine Ursache für den Anstieg des Indikators sei allerdings der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um nominal 3,4 Prozent, wird in dem Bericht erläutert.

Von "ernüchternden Zahlen" sprach so auch der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Ulrich Thöne. Kaum ein entwickeltes Land gebe weniger Geld für Bildung aus als Deutschland, erklärte er. In Deutschland unterrichteten bezogen auf die Schülerzahl 25 Prozent weniger Lehrer als im OECD-Durchschnitt.

Quelle: ntv.de, AFP