Politik

Kubicki hält zum Chef Rösler bleibt "ewig"

30899926.jpg

Noch vor wenigen Wochen wünschte sich Kubicki Jürgen Möllemann zurück.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Spitzenkandidat der FDP in Schleswig-Holstein ist nicht gerade dafür bekannt, der Bundesspitze seiner Partei zu schmeicheln. Bei n-tv überrascht Wolfgang Kubicki nun mit offenbar rückhaltloser Unterstützung für seinen Parteivorsitzenden. In der FDP ziehen nordkoreanische Verhältnisse ein.

Politikwissenschaftler, Historiker und Journalisten waren sich bisher einig: Der Begriff "ewiger Führer" trifft dieser Tage nur auf den früheren nordkoreanischen Präsidenten und Despoten Kim Il Sung zu. Der Spitzenkandidat der FDP in Schleswig-Holstein belehrt die Welt jetzt eines Besseren. Im n-tv Polittalk "Das Duell" sprach er diesen Titel ausgerechnet Philip Rösler zu.

Auf die Frage, wie lange dieser Parteivorsitzender der FDP bleibe, antwortete Kubicki "ewig". Vielleicht erschrocken über seine spontane Antwort, oder aus Angst, in der FDP könnten nordkoreanische Zustände einziehen, schränkte er seine Aussage kurz darauf ein und fügte hinzu: "Ich bin sicher, dass die Frage, wer Bundesvorsitzender der FDP bis zu den nächsten regulären Vorstandswahlen im Jahr 2013 ist, nicht durch die Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen entschieden wird."

Trotzdem eine überraschende Aussage: Kurz vor den Landtagswahlen in den Bundesländern gilt Rösler eigentlich als Abschusskandidat. Laut dem Berliner Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer gar unabhängig vom Ausgang der Wahl. Im Interview mit , Rösler habe keine Chance mehr, politisch zu überleben. Er werde der Verlierer sein, egal, ob seine Partei bei den Landtagswahlen die Fünf-Prozent-Hürde schafft oder nicht. Scheitert die FDP in den Ländern daran, wäre die Partei laut Niedermayer tot. Packen Kubicki und der NRW-Spitzenkandidat Christian Lindner die Fünf-Prozent dagegen, würden sie die Früchte des Ruhms ernten. Daraus würde die Erkenntnis reifen: "Es geht nur ohne Rösler weiter."

Und besonders überraschend ist die Aussage, weil sich noch vor wenigen Wochen Kubicki selbst den früheren FDP-Spitzenpolitiker Jürgen Möllemann zurückgewünscht hatte. Der "Bunten" sagte er: "Solch schlechte Umfragewerte hätten wir nicht, wenn er da wäre." Und er setzte noch einen drauf: "Möllemann hätte es nicht zugelassen, dass die FDP am Markt der Meinung so zurechtgestutzt wird."

Warum also entfahren einem gestandenen Politik-Profi wie Kubicki spontan derartige Worte? Es gibt sicher etliche Erklärungsversuche für den verbalen Ausrutscher über den "ewigen" Parteivorsitzenden. Einer muss lauten: In der FDP herrschen längst nordkoreanische Zustände. Pjöngjang regiert ein völlig verarmtes und rückständiges Land. Das Regime kann es nur durch die totale Abschottung von der Wirklichkeit und einen ausgeprägten Führerkult zusammenhalten. Das trifft im übertragenen Sinne womöglich auch auf die FDP zu: Umfragen zeigen, die Partei hat ihren politischen Reichtum, das Vertrauen der Wähler, längst verspielt: Laut dem Meinungsforschungsinstitut Forsa trauen derzeit nur ein Prozent der Deutschen der FDP zu, die Probleme in Deutschland zu lösen.

Quelle: ntv.de