Politik

Druck oder Invasion? Russischer Aufmarsch schürt Ängste in Polen

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Russische Panzer auf einer Militärshow im Jahr 2012.

(Foto: picture alliance / dpa)

Berichten zufolge verstärkt Russland an der Grenze zur Ukraine seine Truppen. Die russische Gefechtsbereitschaft in der Region sei wiederhergestellt, sagt der polnische Außenminister - und warnt vor einer möglichen Invasion.

Russland zieht nach Darstellung der polnischen Regierung Truppen an der Grenze zur Ukraine zusammen und bereitet damit möglicherweise eine Invasion vor. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk sagte auf einer Pressekonferenz, in den vergangenen Stunden habe er Informationen erhalten, dass die Gefahr einer direkten Intervention Russlands in der Ukraine in den vergangenen Tagen stark gestiegen sei. "Dieser Konflikt widerspricht allen bisherigen Regeln", so Tusk. "Daher müssen wir auf verschiedene Eventualitäten vorbereitet sein."

Tusk betonte die Notwendigkeit der Sanktionen gegen Russland, auch wenn sie finanzielle Einbußen bedeuteten. "Ein Mangel an Reaktion wäre wahrscheinlich katastrophal." Polens Außenminister Radoslaw Sikorski hatte am Dienstag dem polnischen Sender TVN24 gesagt, die russische Armee habe ihre Gefechtsbereitschaft in der Region wiederhergestellt. Es stünden dort mehrere Bataillone bereit, sagte der Minister weiter. Diese sollten "nur Druck ausüben. Oder einmarschieren". Auf die Frage, welche der beiden Möglichkeiten gewählt werde, sagte Sikorski: "Wir werden sehen. Wir werden es sehr bald wissen."

An der US-Börse sorgten die Äußerungen des Ministers im Handel am späten Dienstag für Unruhe. Der Westen und die Regierung in Moskau streiten bereits länger über die Größe und Zusammensetzung der russischen Verbände im Grenzgebiet.

Auch die USA äußerten sich besorgt über eine Verstärkung russischer Truppen an der Grenze. Nach den Worten von Pentagon-Sprecher John Kirby handelt es sich um etwa 10.000 Soldaten. Das Entscheidende sei, dass die Truppen im Grenzgebiet immer besser ausgerüstet würden, etwa mit Artillerie, Luftabwehr und mit Spezialkräften. Zudem befänden sich die Truppen derzeit näher an der Grenze als noch im Frühjahr, so Kirby.

Nato betont Geschlossenheit

Russland hat die Zahl seiner Soldaten an der Grenze zur Ukraine nach US-Berichten nahezu verdoppelt. Moskau habe in den vergangenen Wochen bis zu 21.000 Soldaten im grenznahen Gebiet zusammengezogen, meldete die "New York Times" unter Berufung auf westliche Regierungsvertreter. Diese "gefechtsbereite Streitmacht" könne mit wenig Vorwarnung aktiv werden. Die Ukraine sprach sogar von 45.000 russischen Soldaten an ihrer Grenze.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen betonte derweil im belgischen Mons die Geschlossenheit der westlichen Allianz. Man sei bereit, "alle Verbündeten gegen jederlei Bedrohung zu verteidigen", bekräftigte er.

Aus Moskau gab es zunächst keinen Kommentar. Russland hatte zuletzt einen massiven Beschuss seiner Grenze von ukrainischem Territorium aus kritisiert. Dabei starb mindestens ein Mensch, mehrere Gebäude wurden zerstört. Außerdem begründete Moskau in der Vergangenheit die Truppenkonzentration damit, dass man auf diese Weise den Nachschub für prorussische Separatisten in der Ukraine verhindern wolle.

Quelle: ntv.de, mli/rts/dpa

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