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Gratis-Diesel für Afghanistan Russland unterstützt angeblich Taliban

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Russische Geheimdienstmitarbeiter sollen seit etwa 18 Monaten Flotten von Tankwagen zu den Taliban schicken.

picture alliance / dpa

Russland versorgt Taliban-Kämpfer in Afghanistan einem Bericht der britischen "Times" zufolge mit Diesel in größeren Mengen. Ein Insider spricht von monatlichen Lieferungen, die als Geschenk über die Grenze kommen. Russische Politiker streiten die Vorwürfe ab.

Russland soll nach Informationen der "Times" die radikalislamischen Taliban in Afghanistan mit Diesellieferungen im Wert von 2,5 Millionen Dollar monatlich unterstützen. Die britische Zeitung zitiert einen anonymen Taliban-Schatzmeister, dem zufolge russische Geheimdienstmitarbeiter Flotten von Tankwagen über die Grenze mit Usbekistan schicken. "Die Russen geben uns das umsonst", erklärte der Mann der "Times" zufolge. "Wir zahlen nur die Importsteuern."

"Die ersten russischen Lieferungen erreichten uns vor 18 Monaten", erklärte der Taliban-Schatzmeister, der eigenen Angaben zufolge nur für einen kleinen Teil der Finanzen in einer der afghanischen Provinzen zuständig ist, der Zeitung. Zuerst seien nur ein paar wenige Tanklaster gewesen, um "das System zu testen", wie er weiter sagt. Aber dann seien die Zahlen eintreffender Tanklaster sprunghaft angestiegen.

Reingewinn für die Taliban?

Der Treibstoff werde an Unternehmen der Taliban geliefert, die ihn "an Geschäftsleute in Kabul" verkauften, heißt es in dem Bericht weiter. Der Profit aus dem Verkauf fließt demnach in die Kassen der Taliban. Die Sprit-Lieferungen seien dabei nur eine "von vielen Methoden", mit denen Russland das Lager der Taliban stärke, wie ein weiterer Informant dem Blatt bestätigte.

"Die Russen befürchten, dass der Islamische Staat in Afghanistan stärker wird, wenn wir schwächer werden", zitierte die Zeitung einen Insider. "Das würde ihnen - und uns - große Kopfschmerzen bereiten." Russland traue der afghanischen Regierung nicht mehr zu, den Kampf gegen die Taliban gewinnen zu können. Bei der Suche nach einem Verbündeten in der Region sie die Wahl der Russen daher auf die Taliban gefallen. "Es geht um Geld, freundliche Beziehungen und Waffen", heißt es.

Dementis aus Moskau

Ähnliche Vorwürfe erheben afghanische und US-Generäle schon länger gegen Russland. US-Generäle werfen Moskau vor, den US-Einsatz in Afghanistan untergraben zu wollen. Offiziell halten die Taliban, die mittlerweile weite Teile Afghanistans kontrollieren, weiterhin an ihrer Darstellung fest, keine Hilfe aus Russland zu bekommen. Auch russische Politiker wiesen entsprechende Vorwürfe wiederholt zurück.

In den 1980er Jahren hatten lokale Kämpfer, die sogenannten Mudschaheddin, vor allem dank der Unterstützung der USA und Saudi-Arabiens die sowjetischen Truppen aus Afghanistan vertrieben. "Die Russen verfolgen mit ihrer Unterstützung für uns drei Ziel", zitiert die "Times" einen ungenannten Taliban-Funktionär aus Pakistan. "Sie wollen den Islamischen Staat bekämpfen, die US-Bemühungen in Afghanistan untergraben und zugleich der Nato schaden."

Quelle: n-tv.de, mmo/vck/dpa

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