Politik

Vorwurf der "Unschicklichkeit" Saudi-Arabien inhaftiert 120 Menschen

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Autos dürfen Frauen in Saudi-Arabien inzwischen fahren. Nackte Schultern und Knie bleiben verboten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Vorsichtig liberalisiert Kronprinz Mohammed bin Salman das erzkonservative Königreich Saudi-Arabien. Verstöße gegen die "Schicklichkeit" will die Führung in Riad aber nach wie vor ahnden. Enganliegende Kleidung sowie Kleidungsstücke mit "profaner Sprache oder Bildern" bleiben verboten.

Im erzkonservativen Saudi-Arabien sind in den vergangenen Tagen rund 120 Menschen wegen unanständiger Kleidung und anderer Verstöße gegen die "Schicklichkeit" festgenommen worden. Die rund 120 Männer und Frauen hätten etwa mit "unangemessenen Kleidern" gegen die öffentliche Moral verstoßen, hieß es in einer Reihe von Mitteilungen, die die Polizei in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad seit Dienstag auf Twitter veröffentlicht hat.

Gegen die Beschuldigten seien Strafen verhängt worden, teilte die Polizei mit, ohne Details zu nennen. Sie informierte überdies, dass 88 Menschen wegen Belästigungsvorwürfen festgenommen worden seien. Zur Dauer ihrer Inhaftierung wurden keine Angaben gemacht.

Zuvor hatten sich mehrere Frauen in Online-Netzwerken darüber beklagt, beim Musikfestival MDL Beast in Riad belästigt worden zu sein. Das Festival für elektronische Musik hatte im Dezember zehntausende Fans angelockt und war nach Angaben der Organisatoren die größte derartige Veranstaltung, die je in Saudi-Arabien stattgefunden hatte.

"Schicklichkeit" bleibt Maßgabe

Die Festnahmen waren das erste massenhafte Vorgehen der saudi-arabischen Polizei wegen Verstößen gegen die moralischen Grundsätze des Königreichs, seit der de-facto-Herrscher Kronprinz Mohammed bin Salman eine vorsichtige Liberalisierung des Landes eingeleitet hatte. So wurden das jahrzehntelange Kinoverbot und das Fahrverbot für Frauen abgeschafft und Konzerte mit einem aus Männern und Frauen gemischtem Publikum erlaubt.

Im September stellte die Führung in Riad allerdings klar, dass Verstöße gegen die "Schicklichkeit" geahndet würden. Enganliegende Kleidung sowie Kleidungsstücke mit "profaner Sprache oder Bildern" sind demnach verboten. Frauen müssten in der Öffentlichkeit ihre Schultern und Knie bedecken.

Quelle: ntv.de, chr/AFP