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US-Jagdbomber für die Golfregion Saudi-Arabien rüstet auf

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Ein waffenstarrendes Ungetüm: Eine F-15 E beim Tanken in der Luft.

(Foto: REUTERS)

Das saudische Königshaus macht sich ernsthafte Sorgen: Am Persischen Golf mehren sich die Vorzeichen einer Eskalation. Ein Milliardengeschäft sichert den Saudis ein ganz besonderes Flugzeug. Washington spricht von einer "starken Botschaft" in Richtung Iran.

Saudi-Arabien sieht den Milliarden-Waffendeal mit den USA als wichtige Hilfe für den Verteidigungsfall. "Damit wird sichergestellt, dass das Königreich seine Menschen und seine Gebiete bestmöglich schützen kann", hieß es aus dem Umfeld des saudischen Verteidigungsministeriums.

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Schnell, große Reichweite, viel Zuladung: Der "Strike Eagle" ist wie gemacht für Luftschläge gegen Bunker tief im Feindesland.

(Foto: Reuters)

Angesichts wachsender Drohungen aus dem Iran will Washington insgesamt 84 moderne F15-Kampfjets an Saudi-Arabien liefern. Außerdem sollen 70 Maschinen des Modells F-15s der saudischen Luftwaffe modernisiert werden. Das Geschäft hat nach Angaben des Weißen Hauses einen Wert von fast 30 Mrd. Dollar (23,2 Mrd. Euro). Für die USA liefern F-15-Kampfbomber .

Bei den Kampfjets handelt es sich um eine Weiterentwicklung der F-15 "Eagle" ("Adler") des US-Flugzeugbauers McDonnel Douglas. Das zweistrahlige Mehrzweckkampfflugzeug ist bei der US-Luftwaffe seit gut 36 Jahren im Einsatz. Seinen Erstflug absolvierte der Jet im Jahr 1973. Die F-15 wurde über mehrere Baureihen weiterentwickelt und verbessert. Speziell für den Export nach Japan, Israel, Südkorea oder Saudi-Arabien gibt es verschiedene, zum Teil deutlich abgespeckte Versionen. Für den Hersteller erwies sich das Flugzeug als Erfolgsmodell: Zeitweise waren weltweit mehr als 1200 "Adler" verschiedener Baureihen im Einsatz.

Überschnallschneller Eindringling

Auch nach der Übernahme von McDonnel Douglas durch Boeing zählt das 19,4 Meter lange und bis zu 36 Tonnen schwere Flugzeug noch als variabel ausbaubare und vor allem lukrative Plattform für verschiedene Einsätze in der Luft. Ursprünglich wurde die F-15 konzipiert als sogenannter Luftüberlegenheitsjäger mit großer Reichweite, ungewöhnlich guten Steigeigenschaften, einer Maximalflughöhe von 19.800 Metern und einer Spitzengeschwindigkeit von gut 3000 Stundenkilometern (Mach 2,5 oder rund 851 Meter pro Sekunde).

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Umfangreiche Einsatzerfahrung: Die F-15 ist den meisten Maschinen der iranischen Luftwaffe haushoch überlegen.

(Foto: REUTERS)

In seiner neuesten Version, der F-15 E "Strike Eagle" (etwa: "Luftschlag-Adler"), bleibt der Jet trotzt seines ansehnlichen Alters ein wirksames Jagdflugzeug zur Verteidigung eines Luftraums. Dazu kommt, dass die iranische Luftwaffe insgesamt als nicht besonders bedrohlich gilt. Für Nutzer wie das saudische Militär dürften andere Eigenschaften der F-15 E wesentlich interessanter sein. Durch Upgrades der Bordelektronik, neue Radar-Anlagen und die Tragfähigkeit der Waffenstationen unter den Flügeln wird aus dem Jäger ein Jagdbomber mit großer Reichweite.

Das Flugzeug ist groß genug, um auch USA rüsten Irans Nachbarn auf zu tragen. Erst im November waren Berichte über den Verkauf solcher "Bunker Buster" an saudische Nachbarstaaten aufgetaucht. Saudi-Arabien zeigte sich zuletzt auch an interessiert. "Die F-15 E kann Luftkämpfe ebenso fliegen wie Luftangriffe zur Unterstützung von Bodentruppen oder Angriffe aus der Distanz und das Tag und Nacht bei jedem Wetter", heißt es dazu bei Boeing. In der Sparversion dürfte es zudem deutlich billiger sein als neueste Modelle wie die F-22 des US-Rüstungskonzerns Lockheed Martin.

Kampfjets für den Kriegseinsatz?

Die saudische Luftwaffe bekommt im Rahmen des 30-Milliarden-Dollar-Geschäfts nun ein speziell ausgestattetes Modell. Die USA würden 84 Kampfjets des Typs F-15 SA von der Firma Boeing an Saudi-Arabien liefern, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest. "Diese Vereinbarung festigt die starke und dauerhafte Beziehung zwischen den USA und Saudi-Arabien und demonstriert die Entschlossenheit der USA, zu einer starken Verteidigungsfähigkeit Saudi-Arabiens als Schlüsselkomponente der regionalen Stabilität beizutragen", sagte Earnest.

Ein Vertreter des US-Außenministeriums, Andrew Shapiro, sagte, mit dem Deal sendeten die USA die "starke Botschaft", dass sie sich für die Sicherheit in der Golf-Region einsetzten. Die Lieferung der Kampfjets werde "Saudi-Arabiens Fähigkeiten zur Abschreckung und zur Verteidigung gegen äußere Bedrohungen seiner Souveränität verbessern".

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Unter Deck schlummern Lenkwaffen: Die "USS Mobile Bay" (Archivbild).

Aus Saudi-Arabien hieß es, die Vereinbarung sehe auch die Lieferung von Munition und Ersatzteilen sowie ein mehrjähriges Training vor. Aus diesem Grund lässt sich aus dem Auftragsvolumen auch kein Stückpreis ableiten. Damit ergeben sich aus den verfügbaren Angaben auch keinerlei Hinweise auf die genaue Ausstattung der speziell für Saudi-Arabiens produzierten Flugzeuge. Die ersten neuen Kampfjets sollen nach US-Angaben 2015 geliefert werden. Erst in den vergangenen Tagen hatte Teheran mit der Androhung einer Blockade der Öltransporte am Golf die Spannungen der Region weiter verschärft.

Vor wenigen Tagen passierten zwei US-Kriegsschiffe die Seestraße von Hormus, in der die iranische Marine derzeit ein mehrtägiges Seemanöver abhält. Wie eine Sprecherin der US-Marine mitteilte, gab es bei der Durchfahrt des Iran filmt US-Flugzeugträger und des Lenkwaffenkreuzers "USS Mobile Bay" keinerlei Zwischenfälle. Es habe sich um einen "zuvor geplanten Routine-Transit" gehandelt. Die Kontakte zwischen der US- und der iranischen Marine spielten sich "stets in gewöhnlichen maritimen Praktiken" ab, sie seien "routiniert und professionell".

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa

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