Politik
Samstag, 21. Dezember 2002

Helikopterabsturz bei Kabul: Sieben Deutsche tot

Nach ersten Erkenntnissen der Bundeswehr war der tödliche Absturz ihres Hubschraubers in Kabul mit sieben Soldaten an Bord sehr wahrscheinlich ein Unglück. Zwei Augenzeugen hätten unabhängig voneinander erklärt, dass es eine Rauchentwicklung in den Triebwerken gegeben habe, sagte der Stabsfeldwebel der Pressestelle im Bundeswehrfeldlager in Kabul, Wolfgang Minnich, am Samstag dem Norddeutschen Rundfunk.

"Man geht im Augenblick davon aus, dass es sich um einen technischen Defekt handelt. " Alle sieben Soldaten an Bord waren ums Leben gekommen. "Der Hubschrauber ist total ausgebrannt", berichtete Minnich. Auf die Frage, ob der Hubschrauber nicht doch beschossen worden sei, erklärte er: "Man kann in diesem Land gar nichts ausschließen."

Die genaue Unglücksursache müsse eine intensive Untersuchung in den Trümmern ergeben." Die Nachforschungen würden in der Nacht bei starkem Scheinwerferlicht fortgesetzt und würden mindestens noch ein oder zwei Tage dauern. Das Gebiet sei weiträumig abgesperrt und durch Sicherungskräfte bewacht. Nach Worten des Sprechers stürzte der Hubschrauber in einem während des afghanischen Bürgerkrieges zerstörten Wohngebiet ab, das nicht bewohnt ist.

Der Helikopter vom Typ CH-53 war auf einem Erkundungsflug, als er etwa fünf Kilometer westlich des deutschen Lagers in der afghanischen Hauptstadt abstürzt. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums ist auch eine unbekannte Zahl von afghanischen Zivilisten "betroffen". Der Kabuler Sicherheitschefs Mohammad Basir Salalngi hatte kurz nach den Unfall von zwei getöteten Afghanen am Boden gesprochen. Eine Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) zeigte sich in einer Erklärung in Berlin "entsetzt" über das Unglück. "Der Hubschrauber befand sich auf einem Routineflug. Wir werden alles tun, um den Hergang des Unglücks unverzüglich und lückenlos aufzuklären."

Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) reagierte mit Bestürzung auf den Tod der Soldaten. In einer am Samstag in Berlin verbreiteten Erklärung sagte der Kanzler, der schwere Unfall mache auf besonders tragische Weise deutlich, dass der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan eine schwierige und gefährliche Operation sei.

Den Familien der deutschen und afghanischen Opfer sprach Schröder tief empfundenes Mitgefühl aus. Die Bundesregierung werde alles ihr Mögliche tun, um für die bei dem Absturz schwer Verletzen eine schnelle und gute medizinische Versorgung sicher zu stellen. Den Familien der afghanischen Opfer werde die Bundesregierung im Rahmen des Möglichen helfen.

US-Soldat getötet

Bei bewaffneten Auseinandersetzungen in Afghanistan kam ein US-Soldat ums Leben. Die Einheit des Getöteten sei auf einer Patrouillenfahrt in der Provinz Paktika unter Beschuss geraten, teilte eine Militärsprecherin mit. Bei zwei weiteren Zwischenfällen seien zudem zwei US-Soldaten verletzt worden.

Die etwa 4.700 Mann starke ISAF ist für die Sicherheit in Kabul und Umgebung zuständig. Zudem befinden sich rund 8.000 US-Soldaten im Land, die von ihrem Stützpunkt Bagram im Osten Afghanistans aus nach Moslem-Extremisten des Terror-Netzwerkes El Kaida und der Taliban suchen. Nach UN-Angaben hat El Kaida in jüngster Zeit neue Ausbildungslager in Afghanistan errichtet. Die USA hingegen erklärten, dafür gebe es keine Beweise.

Quelle: n-tv.de