Politik

"Tut es für die Frauen!" So könnte Trump noch verhindert werden

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Damit Donald Trump nicht ins Weiße Haus einzieht, lassen sich seine Gegner einiges einfallen.

(Foto: REUTERS)

In den USA treibt der Protest gegen Donald Trump kuriose Blüten: Um dessen Präsidentschaft doch noch zu verhindern, will eine Gruppe besonders leidenschaftlicher Gegner ein Schlupfloch in der Wahlordnung der Vereinigten Staaten ausnutzen.

Schon jetzt spaltet der 45. Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, das Land wie kaum ein anderes Staatsoberhaupt in der US-Geschichte. Während am Tag nach der Wahl Tausende Gegner des Republikaners in mehreren US-Städten auf die Straße gingen, formiert sich im Netz eine Gruppe von Trump-Gegnern, die dessen Präsidentschaft allen Ernstes noch verhindern will. Und tatsächlich wäre das - zumindest rein theoretisch - möglich. Denn wer Präsident wird, entscheidet sich am Wahltag nur indirekt.

In den Wahlkabinen bestimmen die US-Bürger zunächst lediglich die Wahlmänner für ihren Bundesstaat. Letztere sind es, die später im Electoral College - dem Kollegium der Wahlmänner und -frauen - sowohl den Präsidenten als auch seinen Vize wählen. Im aktuellen Wahljahr entscheidet das Kollegium am 19. Dezember. Nach Ansicht von Trumps Gegnern bleibt also genügend Zeit, um ihren recht abenteuerlichen Plan in die Tat umzusetzen. Die Idee: Sie wollen die Wahlmänner davon überzeugen, ihre Meinung doch noch zu ändern.

Tatsächlich schreibt die Wahlordnung den Wahlmännern in 24 US-Bundesstaaten nicht konkret vor, für welchen Kandidaten sie stimmen. Sie könnten sich also umentscheiden - und doch noch dem Willen der meisten Wähler folgen. Immerhin hat Hillary Clinton nach der Auszählung von 127 Millionen Wahlzetteln (99,4 Prozent) über 300.000 Stimmen mehr geholt als Trump. Dass sie dennoch nicht Präsidentin wird, liegt an der "The winner takes it all"-Regelung, nach der auch bei knappem Wahlergebnis alle Wahlmänner eines Bundesstaates dem Kandidaten mit den meisten Stimmen zugesprochen werden.

Der allerletzte Strohhalm

Damit Trump doch nicht Präsident wird, müssten sich mindestens 37 Wahlmänner gegen ihn entscheiden - in diesem Fall würde der Republikaner wieder unter die Grenze der notwendigen 270 Wahlmänner-Stimmen rutschen. Clinton bräuchte ihrerseits 38 zusätzliche Stimmen, um diese Grenze zu überschreiten. Alternativ könnten sich die Wahlmänner auch schlicht weigern, für einen der beiden Kandidaten zu stimmen. In der über 200-jährigen Geschichte der USA machten von diesem Recht aber nur 82 Wahlmänner Gebrauch.

Dass sich eine größere Gruppe gegen den Kandidaten der eigenen Partei entschied, kam sogar nur zweimal vor - und beide Male ging dies nicht im Sinne der Abweichler aus. Im Wahljahr 1836 etwa schlossen sich in Virginia 23 Wahlmänner der Demokraten zusammen und verweigerten ihrem damaligen Kandidaten für das Amt des Vize-Präsidenten, Richard M. Johnson, die Stimme. Im Electoral College fehlte daraufhin die Mehrheit für beide Kandidaten. Das Kollegium gab die Entscheidung schließlich an den Senat ab - und der wählte den unliebsamen Johnson dann doch noch.

"Tut es für die Farbigen"

Trotz dieser wenig erfolgreichen Vorgeschichte sind die Trump-Gegner in ihrem Tatendrang kaum zu stoppen. Ein wenig Hoffnung dürfte ihnen machen, dass Trump bekanntlich auch in der eigenen Partei eine umstrittene Figur ist. Führende Republikaner - darunter Ex-Präsident George W. Bush - hatten dem Kandidaten öffentlich die Stimme verweigert. Hinzu kommt, dass Trump selbst in der Vergangenheit nicht gerade lobende Worte für das Wahlmännerkollegium fand. Vor vier Jahren twitterte er, das Electoral College sei ein "Desaster für die Demokratie". An solche Verbalattacken dürften sich die meisten Republikaner aber mittlerweile gewöhnt haben.

Fakt ist: Nie in der Geschichte der Vereinigten Staaten haben die Wahlmänner einen US-Präsidenten verhindert - ganz gleich, wie unbeliebt er war. Trumps Gegner klammern sich dennoch an den letzten Strohhalm. "Wir können das schaffen", heißt es in einem Aufruf, der derzeit im Netz kursiert und in dem Gleichgesinnte aufgefordert werden, friedliche Proteste zu organisieren, Flyer zu verteilen und ihre Kommunalpolitiker für die Sache zu gewinnen. "Tut es für alle Opfer von Hassattacken", schreiben die Initiatoren. "Tut es für die LGBTQ-Community. Tut es für die Farbigen. Tut es für die Frauen!"

Quelle: ntv.de