Politik

"Das empfinde ich als lustig" Steinbrücks Stinkefinger für Peerlusconi und Co.

Der Bundestagswahlkampf 2013 hat ein neues Bild: den Stinkefinger von Peer Steinbrück. Der SPD-Kanzlerkandidat versucht, sich nicht nur verbal von der Amtsinhaberin abzugrenzen. Der politische Gegner spricht ihm sogleich die Kanzlerfähigkeit ab. Steinbrück selbst sagt: "Das empfinde ich als lustig."

Peer Steinbrück ist ein Mann aus dem Norden der Republik. Damit kokettiert er, macht es zu einer Qualität, die ihn von der häufigen Laviererei und der Fähnchen-Taktik der Kanzlerin abgrenzt. Auch das Prinzip "Klare Kante" gehört dazu. Bislang war das eher auf verbale Äußerungen bezogen. Jetzt gerät der SPD-Kanzlerkandidat in die Kritik, weil er ein - ironisch gemeintes - Bild, auf dem er einen Stinkefinger zeigt, zur Veröffentlichung freigegeben hat.

Das Foto ziert das Titelblatt des Magazins der "Süddeutschen Zeitung" und entstand im Rahmen eines Interviews, bei dem nur mit Gestik und Mimik reagiert werden darf. Die Frage an den 66-Jährigen lautete: "Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi - um nette Spitznamen müssen Sie sich keine Sorgen machen, oder?"

Das Ohne-Worte-Interview mit dem Titel "Sagen Sie jetzt nichts" ist ein Klassiker des "SZ-Magazins". Immer wieder ist es amüsant zu sehen, wie sich Menschen, die überaus wortgewandt sind, plötzlich darstellen müssen – still, ohne politisches Gepolter, Gesäusel oder Phrasendrescherei. Abseits von ihren eigenen Themen.

"Klartext ohne Worte"

Die Geste ist wohl vor allem in Richtung Medien gerichtet, die solchen abfälligen Spitznamen in der Vergangenheit verbreitet haben. Immer wieder war in der SPD über aufbauschende Berichterstattung und einen teils unfairen Umgang mit Steinbrück geklagt worden. Während Kanzlerin Angela Merkel ihre zur Raute geformten Hände zum Markenzeichen erkoren hat, ist Steinbrücks nun eines, das ihm zudem noch Schlagzeilen verschafft.

*Datenschutz

Als Kanzlerkandidat muss sich Steinbrück jetzt Fragen anhören, natürlich, denn wer die stärkste Volkswirtschaft Europas führen will, der sollte sich erklären können. Warum er dieses Foto abgesegnet habe, wollten Journalisten am Rande einer Wahlkampfveranstaltung wissen. "Man antwortet mit einer Gebärde, mit Emotionen, mit Grimassen. Da legt man was rein, um diese Frage im Klartext ohne Worte zu beantworten", so der SPD-Politiker. So weit, so bekannt.

Steinbrück sagte aber noch etwas: "Das empfinde ich eher als lustig, und das ist etwas, das man nicht skandalisieren muss. Um Himmels willen, wo kämen wir denn dahin, wenn wir völlig humorlos sind." Und Steinbrücks Sprecher Rolf Kleine meint: "Das muss ja wohl noch erlaubt sein." Muss es das? Die Bilder seien bereits vor rund einem Monat entstanden und man sei über die Veröffentlichung rund eine Woche vor der Wahl im Bilde gewesen. Nicht aber, dass es auf der Titelseite landen würde, wie der Kanzlerkandidat selbst sagt.

Doch keine Objektivitätsmaschine

Für die Regierung kommt die Veröffentlichung des Fotos zehn Tage vor der Wahl gelegen. Gesundheitsminister und FDP-Politiker Daniel Bahr kritisiert: "Das kann doch wohl nicht der Stil eines Bundeskanzlers sein." Und FDP-Chef Philipp Rösler kommentiert: "Die Geste verbietet sich als Kanzlerkandidat. So etwas geht nicht." Eine Meinung, die manche teilen.

SPD-Parteichef Sigmar Gabriel stellt sich hingegen hinter den Parteikollegen: "Peer Steinbrück hat in einem ironischen Foto-Interview auf ironische Art Emotionen gezeigt."

Steinbrück selbst setzt auf Verständnis: "Ich hoffe, dass die Republik auch den Humor hat, diese Grimassen und Gebärdensprache bezogen auf die Fragen richtig zu verstehen." Der Mann aus dem Norden, zu Beginn seiner Kandidatur von vielen als Finanzexperte und eine Art Objektivitätsmaschine gesehen, versucht also Menschlichkeit im Wahlkampf; jeder darf Emotionen zeigen, auch negative. Dies gehört offenbar ebenfalls zum Konzept "Klare Kante Kanzler".

Quelle: n-tv.de, mit dpa

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