Politik

Steinbrücks Stinkefinger So bewirbt man sich nicht

Ein Kanzler sollte wissen, wie man sich benimmt. Doch der Bewerber Steinbrück lässt sich mit erhobenem Mittelfinger auf einer Zeitschrift abbilden. Das wird ihn Stimmen kosten - und zwar zu Recht.

Was musste Angela Merkel in den vergangenen Jahren ertragen. Zeitungen bildeten sie mit SS-Uniform ab. Demonstranten skandierten "Merkel raus". Immer wieder schlug ihr Hass entgegen, wenn sie im Ausland Deutsche Hilfen an Bedingungen knüpfte. Weiß jemand noch, wie Merkel darauf reagierte? Erinnert sich jemand, wie sie mal den griechischen Journalisten so richtig die Meinung sagte? Wie sie sich vor Demonstranten stellte und zurückbrüllte? Nein?

Eine solche Reaktion von Angela Merkel ist schlicht nicht vorstellbar. Vielleicht lässt sie ihre Emotionen zu Hause raus. Vielleicht hat sie auch nur ein dickes Fell.

Peer Steinbrück hat nun gezeigt, dass er nicht so beherrscht ist wie die Kanzlerin. Er ließ sich in Stinkefingerpose ablichten und gab das Bild zum Abdruck frei. Der Hintergrund: Das Magazin, das der "Süddeutschen Zeitung" beiliegt, veröffentlicht jede Woche eine Art Interview, bei dem die Antworten nur aus Gesten bestehen. Die Journalisten stellten Steinbrück folgende Frage: "Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi - um nette Spitznamen müssen Sie sich keine Sorgen machen, oder?" Steinbrück verschränkte daraufhin die Arme und streckte den Mittelfinger.

Das mag er locker finden oder wagemutig in der Endphase des Wahlkampfes. Aber es lässt befürchten, dass er auch in anderen Situationen nicht weiß, was eine angemessene Reaktion ist.

Ein Kanzler muss sich beherrschen

Steinbrück bewirbt sich gerade auf eine Arbeitsstelle, bei der man mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun hat und in harten Verhandlungen einiges hinnehmen muss. Kein Unternehmen würde einen Mitarbeiter zum Geschäftsführer befördern, der vorher gezeigt hat, dass er sich nicht beherrschen kann.

Die Deutschen mögen ihre Kanzlerin, weil sie bei ihr wissen, woran sie sind. Merkel ist zwar manchmal langweilig, dafür aber verlässlich. Schon das machte der Opposition im Wahlkampf das Leben schwer. Jetzt zeigt der Herausforderer, dass er zwar manchmal unterhaltsam, aber dafür nicht verlässlich ist.

Die SPD wird die Pose Stimmen kosten. Die Frage ist eigentlich nur noch, ob die Sozialdemokraten bis zum 22. September warten können, bevor sie Steinbrück davonjagen.

Quelle: n-tv.de

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