Politik

Zimmermädchen identifiziert IWF-Chef Strauss-Kahn vor dem Haftrichter

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IWF-Chef in Handschellen: Dominique Strauss-Kahn (2.v.r) verlässt am späten Sonntagabend in Begleitung von NYPD-Beamten eine New Yorker Polizeiwache.

(Foto: AP)

Nach seiner Festnahme in New York wird IWF-Chef Strauss-Kahn von dem Zimmermädchen identifiziert, das er sexuell angegriffen haben soll. Der 62-jährige Franzose stimmt zudem einem DNA-Abgleich zu. Sein Anwalt sagt, Strauss-Kahn werde "energisch" gegen die Anschuldigungen vorgehen. Die ihm zur Last gelegten Delikte können in den USA mit bis zu 20 Jahren Gefängnis bestraft werden.

Der Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, wehrt sich gegen die Vorwürfe der sexuellen Belästigung eines New Yorker Zimmermädchens. Der 62-Jährige werde "energisch" gegen die Anschuldigungen vorgehen, sagte sein Anwalt Benjamin Brafman, nachdem eine Vorführung des IWF-Chefs vor einen Haftrichter auf heute vertagt wurde. Strauss-Kahn verließ das Polizeirevier anschließend in Handschellen mit unbekannten Ziel.

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Am Morgen (Ortszeit) soll Strauss-Kahn vor dem Richter erscheinen.

(Foto: AP)

Sein Mandant weise jegliches Fehlverhalten von sich, sagte Brafman vor dem New Yorker Gerichtsgebäude, wo Strauss-Kahn heute erscheinen soll. Ein weiterer Anwalt, William Taylor, sagte Journalisten, die Anwälte hätten zugestimmt, dass Strauss-Kahn erst am Morgen (Ortszeit) dem Haftrichter vorgeführt werde. Dies sei darauf zurückzuführen, dass die Polizei weitere Beweise sichern wolle. Sie will die Kleidung des IWF-Chefs auf DNA-Spuren untersuchen. Strauss-Kahn habe dem "bereitwillig" zugestimmt, sagte Taylor.

Strauss-Kahn beauftragte mehrere Anwälte mit seiner Verteidigung. Nachdem sich zunächst die Frage gestellt hatte, ob der IWF-Chef diplomatische Immunität genieße, erklärte ein Polizeisprecher später, dies sei nicht der Fall. Strauss-Kahn verließ das Polizeirevier am Abend nach 30 Stunden in Gewahrsam in Handschellen. Er wurde zu einem Polizeiauto und anschließend zu einem unbekannten Ziel gebracht. Der IWF-Chef sei müde, aber es gehe ihm soweit gut, sagte Taylor.

Höchststrafe liegt bei 20 Jahren Haft

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Der IWF-Chef (l.) in Handschellen. Viele Beobachter in Paris und Brüssel meinen, dies reiche für sein politisches Ende.

(Foto: AP)

Dem Franzosen werden versuchte Vergewaltigung, sexuelle Belästigung und Freiheitsberaubung eines Zimmermädchens vorgeworfen. Die 32-jährige Hotelangestellte sagte laut Polizei aus, Strauss-Kahn habe sie bedrängt, als er nackt aus der Dusche gekommen sei. Nach Angaben des Fernsehsenders MSNBC soll er sie zum Oralsex gezwungen haben. Die Strauss-Kahn zur Last gelegten Delikte können in den USA mit bis zu 20 Jahren Gefängnis bestraft werden.

Bei dem mutmaßlichen Opfer handelt es sich nach Polizeiangaben um eine schwarze Frau, die seit drei Jahren in dem Hotel der Sofitel-Kette nahe des Times Square in Manhattan arbeitet, wo es am Samstag zu dem Übergriff gekommen sein soll. Bei einer Gegenüberstellung bei der Polizei habe die Frau Strauss-Kahn eindeutig identifiziert, hieß es.

Anruf verrät den Aufenthaltsort

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Hier soll es am Samstag zu dem Übergriff gekommen sein.

(Foto: AP)

Der IWF-Chef war am Samstagnachmittag auf dem New Yorker John-F.-Kennedy-Flughafen wenige Minuten vor dem Abflug nach Paris von US-Beamten in einer Air-France-Maschine festgenommen worden. Zuvor soll er das Hotel überstürzt verlassen und unter anderem sein Handy zurückgelassen haben. Polizeisprecher John Grimpel sagte, die Beamten seien Strauss-Kahn auf die Spur gekommen, nachdem dieser kurz vor dem Abflug im Hotel angerufen habe, um nach seinem Handy zu fragen. Er habe den Hotelangestellten dann gesagt, wo er sei, damit sie ihm das Handy bringen könnten.

IWF verschiebt Sondersitzung

Angesichts der Verschiebung bei der New Yorker Justiz vertagte auch der IWF-Verwaltungsrat eine für Sonntag geplante Sondersitzung auf den heutigen Montag, um die "weiteren Entwicklungen in New York abzuwarten", wie IWF-Sprecher William Murray in Washington mitteilte. Der IWF kündigte an, dass der stellvertretende Chef, John Lipsky, vorerst die Geschäfte übernehmen werde, solange Strauss-Kahn nicht in Washington sei. Am Treffen der Finanzminister der Euro-Gruppe heute in Brüssel werde Nemat Shafik, der für die Arbeit des IWF in verschiedenen europäischen Ländern zuständig sei, teilnehmen.

Auf dem Treffen wollen die Euro-Finanzminister die Milliardenhilfen für Portugal billigen. An dem Hilfspaket für Lissabon im Umfang von 78 Milliarden Euro beteiligt sich der IWF zu einem Drittel. In Brüssel soll auch die sich zuspitzende Lage in Griechenland erörtert werden. Nach Angaben von Diplomaten wird es aber keinen Beschluss über neue Hilfen für Athen geben. An dem vor einem Jahr zugesagten 110-Milliarden-Paket für Griechenland ist der IWF neben den Euro-Partnern ebenfalls zu einem Drittel mit im Boot.

Paris steht unter Schock

Die Chefin der französischen Sozialisten zeigte sich erschüttert von den Vorwürfen gegen Strauss-Kahn. Die Nachricht sei "ein Donnerschlag", sagte Martine Aubry. Sie mahnte, für den IWF-Chef müsse während der Ermittlungen die Unschuldsvermutung gelten.

Auch ein Sprecher von der Regierung von Präsident Nicolas Sarkozy warnte vor einer Vorverurteilung des IWF-Chefs. Umfragen zufolge lag "DSK", wie er in seiner Heimat genannt wird, in der Wählergunst zuletzt vor dem konservativen Amtsinhaber.

Machtvakuum im IWF befürchtet

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John Lipsky übernimmt vorübergehend die Führung des IWF.

(Foto: REUTERS)

Der IWF erklärte, die Organisation bleibe nach der Festnahme uneingeschränkt handlungsfähig. Ähnlich äußerte sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Internationale Beobachter bezweifelten dies indes und befürchten ein Machtvakuum - zumal der Vizechef des Fonds, John Lipsky, erst am Donnerstag erklärt hatte, mit Ablaufen seines Vertrages im August nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Strauss-Kahns Amtsperiode endet 2012.

Bereits 2008 hatte Strauss-Kahn wegen einer Affäre mit einer Mitarbeiterin beim IWF Schlagzeilen gemacht. Der Währungsfonds sprach ihn nach einer externen Untersuchung vom Vorwurf frei, Druck auf die Frau ausgeübt zu haben.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP/rts

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